
Die Welt ist zu einem grossen Spielkasino geworden. Doch die Entwicklungen im Internet um Polymarket, Kalshi & Co. sind nun besorgniserregend.
Am heutigen Mittwoch wird es sich zeigen, ob der neue Chef der US-Notenbank, Kevin Warsh, sich gegen US-Präsident Donald Trump stellt.
Die Wettgemeinde ist sich jedoch ziemlich einig.
Trump wird wohl enttäuscht
Beim Online-Anbieter von Wetten Polymarket denken 88 Prozent, dass Warsh die US-Leitzinsen anheben und damit US-Präsident vor den Kopf stossen wird.
Nur rund 11 Prozent setzen ihr Geld darauf, dass der neue Chef der US-Zentralbank nichts tun und die US-Leitzinsen konstanthalten wird.

Bloss ganz wenige glauben, dass die US-Notenbank ihre Leitzinsen senken wird, wie es US-Präsident trotz der Inflation von fast 4 Prozent fordert.
Geldspiele zu allen Themen
Das Verdikt der Wetten ist zuletzt im Einklang mit den Kapitalmärkten ziemlich eindeutig geworden.
Vor wenigen Jahren waren Engagements an den Finanzmärkten die einzige Möglichkeit, seinem Spieltrieb nachzugeben und auf Zinsentscheide von Zentralbanken zu wetten.

Doch mittlerweile haben sich Online-Wettbörsen um Polymarket, Kalshi & Co. etabliert, wo es quasi kaum ein Thema gibt, auf das sich kein Geld wetten lässt.
Angriffskriege, Börsengänge, die Wahl in Israel oder im deutschen Sachsen-Anhalt, die Entwicklung des Erdölpreises – alles lässt sich vorhersagen und auf alles lässt sich Geld wetten.
Die klassische Beiz mit aufbrausenden Diskussionen und Meinungen ist quasi ins Internet abgewandert.
Mitarbeiter nutzen Zusatzwissen
Viele Firmen gehen mittlerweile dazu über, ihrem Personal das Wetten auf solchen Marktplätzen zu verbieten, denn es zeigt sich, dass Mitarbeiter ihr Zusatzwissen ausnutzen, um sich nebenbei etwas Geld zu verdienen.
Raubtierkapitalist verbietet Raubtierkapitalismus hatte muula.ch unlängst über das Verbot von Online-Wetten für Mitarbeiter der US-Bank Goldman Sachs berichtet.
Firmenwissen darf eigentlich nicht nach aussen dringen.
Gewinnquote von fast 100 Prozent
Derzeit ist aber auch der Wirtschaftsprüfer KPMG unter Beschuss.
Ein Nutzer hat auf Polymarket rund 22.000 Dollar mit fast perfekten Wetten auf die Quartalsergebnisse von Grosskonzernen gewonnen, die alle von KPMG testiert werden.
Den Verdacht von Insidergeschäften hatte das «Wall Street Journal» auf den Tisch gebracht.
Mit 42 relativ einfachen Ja- oder Nein-Wetten zum Übertreffen der Gewinnerwartungen von Analysten lag der Nutzer zu fast 100 Prozent richtig.
Insider liegen meist richtig
Doch auch der Angriff von den USA auf Venezuela hatte ein US-Militär korrekt vorhergesagt und viel Geld gewonnen, obwohl er in die Vorbereitungen der Militäraktion involviert gewesen war.
Bei solchen Wetten fallen Insidergeschäfte mit hohen Gewinnen eben rasch auf.
Endloswetten möglich
Der Anbieter Kalshi will nun jedoch sogar noch eine Stufe weitergehen und sogenannte Endloswetten auf Einzelaktien, wie Nvidia, Apple oder Tesla, anbieten, die extrem komplex und für Nutzer extrem riskant sind.
Normalerweise sind die Traditionsbörsen irgendwann geschlossen, doch Perpetuals, die Call- und Put-Optionen ohne Verfalldaten verbinden, laufen rund um die Uhr, was für Wetten schwierig ist, wenn jemand schläft.
Hinzu kommt eine fortlaufende Nachschusspflicht für diejenigen, die mit ihrem Wetteinsatz danebenliegen oder ihr Geld ist sofort futsch. Öffnen die tatsächlichen Börsen, können die Wetten völlig abstruse Entwicklungen aufzeigen.
Verluste der Wetteinsätze dürften da vorprogrammiert sein, hiess es etwa im «Wall Street Journal» kritisch.
Einfache Umgehung möglich
Schweizer dürfen sich an solchen Wetten in Online-Kasinos eigentlich nicht beteiligen, weil die Behörden entsprechende Webseiten nach einer Volksabstimmung blockieren.
Doch da gibt es einfache Umgehungsmöglichkeiten.
Auch hierzulande verfallen immer mehr Menschen diesen Geld- und Glücksspielen im Internet.
Vernunft sollte siegen
Die Welt ist zu einem grossen Spielkasino geworden. Auf alles lässt sich mittlerweile Geld setzen.
Spannend bleibt dabei aber nicht nur, wer am heutigen Mittwoch den grossen Gewinn bei der US-Notenbank einstreichen wird, die 88 Prozent derjenigen, die eine Zinserhöhung erwarten, oder die fast 12 Prozent des Nein-Lagers.
Erhöht Fed-Chef Warsh die US-Leitzinsen dürfte die Welt angesichts der Teuerung von 4 Prozent in den USA insgesamt aber gewinnen.
16.09.2026/ena.



