Grundversicherung im Blindflug

Zwei Hände mit einem roten Herzen darüber
n der obligatorischen Krankenversicherung steigen die Kosten rasant. (Bild: G. Altmann / pixabay)

Steigende Gesundheitskosten haben steigende Krankenkassenprämien zur Folge. Doch das Frühwarnsystem für eine Kostenexplosion versagt nun.

Eines der grössten Probleme der Schweiz sind die steigenden Krankenkassenprämien.

Rund ein Drittel der Bevölkerung kann die Grundversicherung schon nicht mehr aus eigener Kraft bezahlen.

Neues Tarifsystem

Doch statt das System zu hinterfragen, gibt die Schweiz den Betroffenen viele Milliarden für Prämienverbilligungen.

Und nunmehr versagt auch noch das Frühwarnsystem für exorbitante Steigerungen der Kosten im Schweizer Gesundheitswesen.

Die Einführung des neuen Tarifsystems für ambulante Leistungen per 1. Januar 2026 führe zu Verzögerungen bei der Abrechnung von Leistungen durch die Spitäler und Ärzte, teilte das Bundesamt für Gesundheit BAG am Dienstag mit.

Intransparenz bei grosser Position

Dieser Effekt sei auch im zweiten Quartal 2026 deutlich spürbar, vor allem bei den ambulanten Spitalbehandlungen.

Diese Kostenkategorie sei um 15,7 Prozent beziehungsweise um 150 Franken gesunken, hiess es weiter. Wann die Verzögerungen aufgeholt würden und wie hoch die Kostenentwicklung ausfallen werde, sei derzeit nicht abschätzbar.

Damit ist klar, dass Transparenz bei einem sehr grossen Kostenblock in der obligatorischen Grundversicherung fehlt.

Nur minimaler Anstieg signalisiert

Die Entwicklungen der Kosten signalisieren nämlich «Entspannung».

Im Jahresrhythmus seien sie im 2. Quartal nämlich nur um 0,4 Prozent beziehungsweise 21 Franken auf 4834 Franken je Grundversicherten gestiegen.

Die tatsächliche Kostenentwicklung dürfte deutlich höher ausgefallen sein, warnten die Beamten des BAG.

Zweistellige Zuwachsraten

Ein Kostenrückgang zeigte sich beispielsweise auch in der Gruppe «Übrige Leistungen».

Doch die Leistungen der Psychotherapie durch Psychologen wurden einfach nur in eine eigene Kostengruppe ausgegliedert. Diese stiegen im 2. Quartal allein jedoch um fast 11 Prozent beziehungsweise +9 Franken, wie die Behörde angibt.

Leistungen für Spitex-Organisationen hätten den prozentual stärksten Anstieg mit +14,9 Prozent beziehungsweise +24 Franken verzeichnet, erklärte das BAG.

Die Ausgaben für Physiotherapie legten zudem um 7,2 Prozent beziehungsweise +13 Franken zu.

Blindflug für Massnahmen

All dies zeigt, dass die Gesundheitskosten unaufhaltsam zulegen.

Steigen die Gesundheitskosten zweistellig, werden irgendwann auch zweistellige Erhöhungen der Krankenkassenprämien um Helsana, Visana, CSS, Swica, Concordia, Visana, Assura, Groupe Mutuel, Sympany, ÖKK & Co. zur Normalität.

Doch statt radikale Massnahmen zu ergreifen, gibt es im wahrsten Sinne des Wortes nur «Pflästerli-Politik».

Und nun funktioniert nicht einmal mehr das Frühwarnsystem für exorbitante Anstiege der Gesundheitskosten der Schweiz.

Tropfen auf den heissen Stein

Die Rechnung ist ziemlich simpel: Wenn rund 9 Millionen Einwohner der Schweiz in der Grundversicherung im Schnitt 5000 Franken an Leistungen beziehen, kommen rund 45 Milliarden Franken an Ausgaben zusammen.

Das BAG lobt sich im selben Communiqué für rund 300 Millionen Franken an Einsparungen.

Dies wären aber nicht einmal 1 Prozent – die Kostensteigerungen legen viel schneller zu. Egal, ob sie rechtzeitig die Leistungsabrechnungen verschicken.

11.08.2026/kut.

Grundversicherung im Blindflug

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