Gewaltiger Strategieschwenk bei Aldi Suisse

Eine Frau mit Einkaufswagen tritt in eine Aldi-Suisse-Filiale
Aldi Suisse passt die Firmenstrategie an. (Bild: PD)

Der Discounter Aldi Suisse hatte mit viel Tamtam neue Filialen an Bahnhöfen angekündigt. Daraus wird aber nichts, mit Folgen am Bahnhof Basel SBB.

Die Schweiz ist ein protektionistisches Land – oftmals noch viel mehr als die USA.

Dies zeigt sich besonders am Schweizer Detailhandel, wo ausländische Anbieter seit Jahrzehnten kaum richtig Fuss fassen.

Keine Schweizer Waren bekommen

Die Marktanteile etwa von deutschen Billiganbietern wie Aldi, Lidl, Müller, Rossmann & Co. liegen «unter ferner liefen». Platzhirsche um Migros, Coop, Denner verteidigen die Stellungen – teils mit fragwürdigen Mitteln.

Einen Knackpunkt konnten ausländische Anbieter lösen – es sind Schweizer Landwirtschaftsprodukte, die ihnen aufgrund der Gegebenheiten mit der Agrargenossenschaft Fenaco früher einfach nicht geliefert wurden.

Nun bieten auch Aldi Suisse und Lidl Suisse viele Schweizer Milch- und Fleischprodukte an. Früher suchte die Kundschaft einheimische Waren vergeblich, was die Attraktivität minderte.

Freiwerdende Läden rasch belegen

Ein weiteres Problem waren gute Liegenschaften, an welche die Ausländer in der Schweiz für ihre Läden kaum herankamen.

Besonders an Verkehrsknotenpunkten, wie Bahnhöfen, bestanden jahrzehntelang gewachsene Strukturen mit den Schweizerischen Bundesbahnen SBB sowie Valora, Migros und Coop.

Lieber einen unrentablen Laden in einer freiwerdenden Top-Location placieren, als einem Konkurrenten aus dem Ausland einen Vorteil am Markt einräumen, lautete oftmals das Motto.

Einladung von den SBB

Nach Jahrzehnten gelang es im vergangenen Jahr dem deutschen Billiganbieter Aldi Suisse zum ersten Mal, ein Bahnhofsgeschäft zu ergattern.

Entsprechend euphorisch posaunte der Discounter den Strategieschritt heraus. Am Basler Bahnhof SBB würde dauerhaft eine kleinformatige Aldi-Filiale auf die Bedürfnisse von Pendlern zugeschnitten und werde an 365 Tagen im Jahr geöffnet sein, hiess es, wie auch muula.ch und viele andere Medien berichteten.

Den exklusiven Standort auf der Bahnhofs-Passerelle habe sich Aldi Suisse im Zuge eines Einladungsverfahrens von den SBB gesichert und einen entsprechenden Vertrag mit dem Staatsbetrieb abgeschlossen.

Am meistfrequentierten Bahnhof der Schweiz mit rund 140.000 Reisenden pro Tag sollte der schnelle und unkomplizierte Einkauf für Pendler zu einem unschlagbaren Preis-Leistungs-Verhältnis stehen, lautete die frohe Botschaft.

Abstand vom Vertrag genommen

Doch wie die aktuellen Umbauten am Bahnhof SBB nun zeigen, wird daraus nichts. Es kommt ein Avec-Geschäft, also die Convenience-Shop-Marke der Valora-Gruppe, in die ehemalige Coop-Pronto-Filiale statt eines günstigen Aldis.

«Wir sind begeistert, den Baslerinnen und Baslern sowie Reisenden schon bald ein neues Einkaufserlebnis zu bieten und deren Alltag zu vereinfachen», hatte Jérôme Meyer, Country Managing Director von Aldi Suisse, zu dem einstigen Deal mit den SBB noch gesagt.

Doch wie die «Basler Zeitung» unlängst berichtete, nahm der deutsche Discounter von dem Geschäft plötzlich Abstand.

Kunden suchen den Weg

Die Medienstelle von Aldi Suisse erklärte nunmehr auf eine Anfrage von muula.ch, dass sich die Firma auf Standorte konzentriere, welche zur Discount-Strategie passten.

Bei der Standortqualität wollen die Deutschen keine Kompromisse eingehen und nähmen dementsprechend Anpassungen vor.

«Schlanke Strukturen und effiziente Prozesse sowie tiefe Logistik- und Verteilkosten sind zentrale Voraussetzungen», erklärte ein Mediensprecher.

Viele Kunden suchten den Weg zum Discounter und da müsste Aldi Suisse nicht in Bahnhofsfilialen vertreten sein. Am Bahnhof SBB sowie weiteren Verkehrsknotenpunkten der Schweiz laufen sie nun ins Leere.

Um die besten Preise an die Kundschaft weitergeben zu können, müsste das Unternehmen die Kosten tiefhalten. Komplexe Standorte mit hohen Kosten seien kein Teil dieser Strategie, so die Aldi-Suisse-Medienstelle.

Ganzes Konzept eingestampft

Die Anlieferung am Bahnhof SBB ist kompliziert und der Coop Pronto musste für alle sichtbar ständig die Waren durch den ganzen Bahnhof transportieren.

Dies hätte also vor Vertragsunterzeichnung mit den SBB klar sein müssen.

Aldi Suisse hatte sogar angekündigt, an der kleinen Filiale mit einem neuen Konzept lernen zu wollen, um dies in der ganzen Schweiz an Verkehrsknotenpunkten ausrollen zu können.

Somit spart sich der Discounter nicht nur die 1 Million Franken, welche am Bahnhof SBB in den neuen Shop investiert werden sollte, sondern musste auch den Vertrag mit den SBB sogar wieder auflösen.

Protektionismus siegt wieder

Wie dies geschehen ist, will Aldi Suisse zwar nicht verraten.

Auch will die deutsche Firma nicht sagen, warum sie den gewaltigen Strategieschwenk nicht selbst kommunizierte und die ursprüngliche Medienmitteilung von der Webseite verschwand.

Klar ist aber in jedem Fall, dass der Protektionismus der Schweiz wieder einen Siegeszug davongetragen hat.

13.05.2026/kut.

Gewaltiger Strategieschwenk bei Aldi Suisse

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