Euroairport informiert Öffentlichkeit inkorrekt

Logo des Euroairport am Hauptgebäude
Der Euroairport saniert derzeit seine Hauptpiste. (Bild: muula.ch)

Der Euroairport Basel Mulhouse Freiburg hat teils fragwürdige Prozesse. Nach Falschinformationen korrigierte der Flughafen nicht einmal seine Angaben.

Der Euroairport im Dreiländereck Frankreich, Schweiz und Deutschland saniert seine Hauptpiste.

Dabei räumte der Flughafen Basel Mulhouse Freiburg einfach seinem Hauptkunden eine Monopolposition ein, wie muula.ch als erstes Medium berichtete.

Fehlende Gesamtschau

Dutzende Airlines, darunter Lufthansa, KLM, Air France, Pegasus, Turkish Airlines, SunExpress & Co., hatten offenbar kein Interesse an einem weiteren Flugbetrieb.

Andere Zeitungen, wie «Blick», «20 Minuten» und «CH-Media», griffen das Thema auf.

Doch wie muula.ch dann noch nachlegte, herrscht am Euroairport ein kartellrechtliches Chaos, weil es weitverzweigte Zuständigkeiten gibt.

Fliegt eine Airline etwa vom Schweizer Sektor nach London, wäre beispielsweise die Schweizer Wettbewerbskommission Weko zuständig.

Bei vielen anderen Flügen haben allerdings Paris oder sogar Brüssel die Oberaufsicht. Ein Gesamtbild der Kartellwächter existiert aber quasi nicht.

Explodierende Ticketpreise

Dies hatte sich der Flughafen zunutze gemacht und Easyjet während der Sanierung der Hauptpiste vom 15. April bis 20. Mai sogar Monopolpreise für die Nutzung der Sekundärpiste zugestanden.

Teils stiegen die Ticketpreise um über 1500 Prozent. Doch nach dem medialen Aufschrei passierte etwas Merkwürdiges.

Urplötzlich operieren während der Pistensanierung nunmehr doch zwei Airlines.

«Ausschliesslich Easyjet»

Neben Easyjet offeriert mittlerweile auch die bulgarische Charterfluggesellschaft GP Aviation mehrere Verbindungen pro Woche von Basel nach Pristina, der Hauptdestination des Euroairports.

Ob die Kartellbehörden dies verlangt hätten, wollte muula.ch zum Sinneswandel vom Euroairport wissen.

Im ursprünglichen Communiqué hatte der trinationale Flughafen schliesslich knallhart kommuniziert:

«Für die Dauer der Sanierung wird ausschliesslich Easyjet ein angepasstes Flugangebot ab dem Euroairport aufrechterhalten.»

Wenig glaubhafte Erklärung

Änderungen im Flugplan seien jederzeit möglich, hiess es nun von der Medienstelle des staatlichen Flughafens auf die Anfrage von muula.ch.

GP Aviation mit Basis in Sofia habe sich Anfang März dazu entschieden, Flüge während der Sanierungsphase nach Pristina aufrechtzuerhalten, so die Erklärung.

Man muss sich das also so vorstellen, alle Fluggesellschaften werden gefragt, ob sie während der Bauarbeiten weiteroperieren möchten, und es meldet sich nur Easyjet.

Dann kommt kurz vor Beginn der Sanierungsarbeiten eine Fluggesellschaft auf die Idee, das ganze Konzept durcheinander zu bringen, und einfach weiterzufliegen, ohne je mit dem Airport gesprochen zu haben.

Das klingt schon sehr abenteuerlich.

Nur kleinere Flugzeuge einsetzbar

Selbst an der Medienorientierung Ende Januar zum Geschäftsjahr 2025 stellte der neue Flughafendirektor des Staatsbetriebes, Tobias Markert, das Sanierungskonzept noch althergebracht vor und die Monopolstellung von Easyjet hatte zahlreiche Fragen der Medienschaffenden ausgelöst.

Die Ost-West-Piste ist kürzer als die Hauptpiste und deshalb kann die sekundäre Start- und Landebahn nur von kleineren sowie leichteren Flugzeugen genutzt werden.

Verwaltungsratspräsident des Euroairport, Luc Gaillet
Der Franzose Luc Gaillet leitet den Verwaltungsrat des Euroairport. (Bild: muula.ch)

Die Fluggesellschaften standen dabei vor folgenden Entscheidungssituationen:

Entweder ist die angeflogene Destination zu weit entfernt, weil die Maschinen aufgrund des notwendigen Treibstoffs zu schwer wären, oder der eingesetzte Flugzeugtyp ist grundsätzlich zu gross oder zu schwer, oder die Airline konnte keine geeigneten alternativen Flugzeuge einsetzen.

Hauptkunde erhält Vorteile

Der Flughafen habe nach Bekanntwerden der weiteren Fluggesellschaft während der Sanierungsphase zumindest die Webseite angepasst, erklärte nun die Medienstelle das eigene Vorgehen.

Eine aktive Kommunikation der veränderten Situation und eine Korrektur der früheren Falschangaben war es den Verantwortlichen um Verwaltungsratspräsidenten Luc Gaillet aber nicht wert gewesen.

Für die kleine GP Aviation wäre aber genau dies wichtig, um gegen den Platzhirsch Easyjet etwas Sichtbarkeit zu erreichen.

Doch auch da kam der Euroairport wieder einmal seinem grössten Kunden entgegen, der bei Normalbetrieb schon über 50 Prozent an Marktanteil am trinationalen Flughafen hat.

23.04.2026/kut.

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