Bundespräsident Berset geht auf Lustreise

Alain Berset
SP-Bundesrat und Innenminister Alain Berset (Bild: PD EDI)

SP-Bundesrat und Bundespräsident Alain Berset hat eine Präsidialreise geplant. Der Staatsbesuch macht aber nicht nur wegen seines Rücktrittes kaum einen Sinn.

Alain Berset, der auf Jahresende zurückgetretene SP-Bundesrat und aktuelle Schweizer Bundespräsident, steckt in den letzten Vorbereitungen für einen Präsidialbesuch in Kolumbien. Dies ergaben Recherchen von muula.ch.

Damit solle die Reise nachgeholt werden, welche im März geplant gewesen, aber aufgrund der Krise bei der Grossbank Credit Suisse abgesagt worden war.

Merkwürdige Themen

Nunmehr geht es vom 7. bis zum 12. August in das südamerikanische Land, das für den Literaturnobelpreisträger Gabriel García Márquez, Künstler, wie Botero, oder Popstars, wie Shakira, weltweit bekannt ist.

Dies bestätigte das Eidgenössische Innendepartement EDI auf Anfrage des Wirtschaftsnews-Portals.

Angesprochen auf die Inhalte der Reise wurde die Medienstelle allerdings wortkarg und verwies auf eine baldige Medienmitteilung.

Vorab könne man aber mitteilen, dass sich die Reise auf die Friedensförderung, die humanitäre Hilfe und die wirtschaftliche Zusammenarbeit konzentrieren werde, wobei jeweils spezifische Besuchspunkte vor Ort vorgesehen seien.

Aussuchen von Journalisten

Der linke Berset plant zudem ein Treffen mit Kolumbiens linken Präsidenten Gustavo Petro. Wie bei jedem Staatsbesuch sind aber auch Zusammenkünfte mit Auslandsschweizern vorgesehen.

Diese fänden in Bogotá statt, hiess es.

Das Wirtschaftsnews-Portal muula.ch wollte sich für die Reise Bersets nach Kolumbien akkreditieren.

Jedoch lehnte das Berset-Departement dies ohne Begründung ab. Eine offizielle Stellungnahme, die von der Medienstelle noch erbeten wurde, gab es bisher nicht.

Kaffee und tropische Früchte

Was Berset in Kolumbien will, ist auch völlig unklar. Die beiden Länder haben derzeit kaum Berührungspunkte, auch wenn der kolumbianische Botschafter in der Schweiz sein Gastland in seiner Heimat in den Himmel lobt, wie muula.ch berichtete.

Der Friedensprozess, den die Schweiz vor Jahren begleitete, dümpelt vor sich hin. Mit der Aufbewahrung von Unterlagen der kolumbianischen Wahrheitskommission in der Schweiz, welche der Bundesrat im Juni beschloss, ist der Prozess ohnehin weitestgehend beendet.

Wichtige Wirtschaftsangelegenheiten sind etwa seit dem Entscheid des Rohstoffriesen Glencore, seine Aktivitäten in Kolumbien zurückzufahren, nicht bekannt. Bei Schweizer Detailhändlern um Coop, Migros, Manor oder Globus, gibt es allenfalls etwas Kaffee, Schnittblumen und ein paar tropische Früchte aus dem lateinamerikanischen Land zu kaufen.

Mit Edelweiss nach Bogotá

Einen neuen Direktflug zwischen den beiden Ländern wird es ab Herbst zwar zwischen Zürich und Bogotá sowie Cartagena und Zürich mit der Fluggesellschaft Edelweiss geben, wie auch muula.ch berichtete.

Aber die Verträge dazu sind bereits abgeschlossen und Berset fliegt ja nicht auf dem Jungfernflug mit, was man zum Ankurbeln des Tourismus vielleicht noch hätte verstehen können.

Bogotá
Kolumbiens Hauptstadt Bogotá (Bild: Random Institut / unsplash)

Mit dem Rücktritt von Berset macht der Auslandstrip nach Kolumbien nun allerdings noch weniger Sinn. Berset kann nicht bei jedem Thema, das die kolumbianische Seite vorbringt, sagen, es betrifft mich nicht mehr, aber ich leite es gerne weiter.

Kolumbiens Präsident Petro könnte zwar innenpolitisch etwas Hilfe aus dem Ausland brauchen, seit die Staatsanwaltschaft seinen Sohn wegen Korruptionsverdacht in Gewahrsam nahm.

Gefängnis und Liebschaft

Aber vielleicht will Berset da Hilfe leisten oder den Zögling im Gefängnis besuchen, denn sein einstiger Assistent Peter Lauener war ja unlängst in einer ähnlichen Situation. Er hatte den Ringier Verlag direkt mit Interna aus dem Berset-Departement versorgt und die passende Berichterstattung dazu bekommen. Die Sache war dann aber aufgeflogen.

Von Berset Liebschaft mit einer Künstlerin, die den verheirateten Minister dann erpresste, oder der Berset-Affäre um eine durch die französische Luftabwehr erzwungene Landung mit einem Privatjet ganz zu schweigen.

Fünf Tage lang erholen

Die Berichterstattung dürfte es nun auch sein, weshalb Schweizer Journalisten, die sich mit dem südamerikanischen Land sehr gut auskennen, nicht mit von der Partie sein dürfen.

Berset will die Lustreise nach Kolumbien, die unübliche fünf Tage lang dauert, offenbar abseits von kritischen Fragen geniessen.

Krankenkassen und AHV

Dass das Schweizer Gesundheitssystem im Argen liegt, scheint Berset egal zu sein. Dass die Alters- und Hinterbliebenenversorgung AHV im Argen liegt, scheint Berset egal zu sein. Und dass die zweite Säule vor einer wichtigen Abstimmung im Argen liegt, scheint Berset auch egal zu sein.

Statt ein geordnetes Haus an seinen Nachfolger oder seine Nachfolgerin zu übergeben, gibt es überall nur Baustellen.

Doch der 51-jährige Berset interessiert sich bekanntermassen sowieso nur für sich.

31.07.2023/kut.

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