
Die «Neue Zürcher Zeitung» bleibt in der Verlustzone stecken. Doch von dem Medienhaus gibt es ohnehin noch zwei viel grössere Nachrichten.
Wenn Unternehmen schlechte Geschäftsresultate haben, versuchen sie, das Geschehen zu kaschieren.
Manche Firmen erfinden da alternative Kennzahlen und erklären, dies seien aber die «Richtigen».
Vom Gewinneinbruch abgelenkt
Andere kennen die Medienwelt besser und wissen, dass einfach eine grössere News hermuss, als die schlechten Geschäftszahlen.
Was wäre dies? Nun machte es die US-Investorenlegende Warren Buffett mit der Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway unlängst vor.
Statt die Aufmerksamkeit auf einen gigantischen Gewinneinbruch von 65 Prozent zu lenken, kündigte der Starinvestor einfach seinen Rücktritt an, und schon thematisierte praktisch niemand mehr die schlechten Quartalsresultate.
Chefredaktor nimmt seinen Hut
Die «Alte Tante» an der Zürcher Falkenstrasse, wie die «Neue Zürcher Zeitung» gerne genannt wird, stand vor einer ähnlichen Situation.
Die Geschäftsresultate im ersten Halbjahr sind praktisch katastrophal. Also musste das Medienhaus eine grössere News finden.
Eric Gujer gebe nach 12 Jahren die Chefredaktion Ende Januar 2027 ab, bleibe der «NZZ» aber erhalten, teilte die NZZ-Gruppe am heutigen Donnerstag zusammen mit den Semesterresultaten mit.
Hinter den Kulissen war ohnehin schon lange über die Absetzung des Machtmenschen diskutiert worden.
Deutsches Blatt mit Schweizer Lokalteil
Als Herausgeber für Deutschland werde sich Gujer aber weiterhin mit den grossen Linien der deutschen und internationalen Politik befassen und die publizistische Präsenz der «NZZ» in Deutschland stärken, hiess es weiter.
Darüber hinaus werde er die Leitung der Veranstaltungsreihe «NZZ Podium» übernehmen und die Gesprächssendung «NZZ Standpunkte» weiter verantworten.
Mit anderen Worten: Gujer macht alles, wie bisher, nur nicht mehr als Schweizer Chefredaktor für ein Blatt, das böse Zungen ohnehin nur noch eine deutsche Zeitung mit einem Schweizer Lokalteil bezeichnen.
Gujer geht also zum Hauptteil der «NZZ».
Erneut Fehlbetrag ausgewiesen
Doch was hat das Medienhaus zu verstecken? «Das Unternehmen NZZ hat sich im ersten Halbjahr 2026 gut entwickelt», hiess es im Communiqué ja gleich zu Beginn freudig.
Doch das stimmt so nur bedingt: Der Umsatz sank um 7 Prozent auf gerade noch 109 Millionen Franken. Unter dem Strich landete die NZZ-Gruppe mit -3,4 Millionen Franken wieder in der Verlustzone.

Im Vorjahressemester hatte noch ein Gewinn von 7 Millionen Franken resultiert, wie muula.ch berichtete.
Im Jahr 2025 hatte die «NZZ» schon einen Verlust von 35 Millionen Franken verzeichnet. Unvergessen war auch der gigantische Fehlbetrag im Jahr 2022 von 166 Millionen Franken.
Von über einer halben Milliarde an Umsatz und einem Konzerngewinn von 37 Millionen Franken ist das Medienhaus mittlerweile Lichtjahre entfernt.
Bei Plakatfirma aufgestockt
Doch neben dem Quasi-Abgang von Gujer gab es im Semesterabschluss noch eine wichtige Änderung.
Die NZZ verschuldete sich langfristig um rund 90 Millionen Franken. Die Eigenkapitalquote sank dadurch um fast 20 Prozentpunkte auf gerade noch 44 Prozent.

Die NZZ veräusserte per Ende März 2026 ihre verbleibende 35-Prozent-Beteiligung der CH Media an die AZ Medien der Verlegerfamilie Wanner in Aarau.
Die NZZ vollzog Ende April 2026 auch noch für 132 Millionen Franken den Ausbau ihrer Beteiligung auf 45 Prozent an der Aussenwerbefirma APG|SGA.
Wenn künftig Parteien und Firmen die Schweiz mit ihren Werbebotschaften zugleistern, bekommt die «Alte Tante» also gut die Hälfte von den Einnahmen.
Deutscher Markt einfacher
Ob dies mit dem Fokus der NZZ-Gruppe auf den deutschen Qualitätsjournalismus aufgeht, muss sich erst noch weisen.
Notfalls produziert das Medienhaus einfach grosse Schweizer News, um vom eigentlichen Geschehen abzulenken, ganz wie Starinvestor Warren Buffett.
13.08.2026/kut.




Der Vergleich mit Berkshire Hathaway ist Blödsinn. Der vermeintliche „Gewinneinbruch“ ist kein operatives Problem, sondern ein reiner Buchhaltungseffekt durch schwankende Aktienkurse der Beteiligungen (US-GAAP). Warren Buffett betonte jeweils, dass die Quartalsergebnisse wegen der Pflicht zur Einberechnung unrealisierter Kursverluste völlig aussagelos sind. Entscheidet ist das operative Ergebnis. Berkshire hat hier gar nichts zu „kaschieren“ – im Gegensatz zu den echten strukturellen Problemen der NZZ.