
Die Schweizerische Nationalbank ist als börsenkotierte Aktiengesellschaft organisiert. Ängste über Änderungen beruhigt nun SNB-Chef Martin Schlegel.
Die Schweizerische Nationalbank SNB hat als eine der wenigen Zentralbanken auf der Welt eine ganz besondere Struktur, denn sie ist börsenkotiert.
Jeder kann Aktien von der Notenbank der Schweiz erwerben – einer der grössten Privataktionäre kommt sogar aus dem Ausland.
Hälfte bei Privaten
Nun gibt es Befürchtungen, die SNB plane, Publikumsaktionäre über ein sogenanntes Squeeze-Out herauszudrängen und selbst über eine Dekotierung die Nationalbank-Titel von der Schweizer Börse SIX zu nehmen.
Daher erkundigte sich muula.ch diese Woche direkt bei der SNB, ob es tatsächlich solche Überlegungen oder sogar konkrete Pläne dafür gibt.
Die Gründer der Schweizer Zentralbank gaben rund die Hälfte der Aktien in öffentliche Hände um Kantone und Kantonalbanken. Die andere Hälfte war an Private, quasi an das Volk, gegangen.
Kontakt zur Bevölkerung wichtig
SNB-Chef Martin Schlegel erteilte Derartigem am Donnerstag an der Medienkonferenz im neurenovierten Kaiserhaus in Bern eine klare Absage (vgl. ca. 16. Minute).
«Das kann ich kurz beantworten: Nein», sagte der Präsident des Direktoriums.
«Wir haben keinerlei Pläne, ein Delistung zu machen oder irgendwelche Leute auszusqueezen», betonte er.
Ganz im Gegenteil: Die Struktur der Schweizer Zentralbank sei sinnvoll und unterstreiche die Unabhängigkeit der SNB, erklärte Schlegel weiter.
Ausserdem sei die Generalversammlung jeweils im April immer eine gute Gelegenheit, mit den Aktionären und der Bevölkerung in Kontakt zu treten.
Erdölprodukte teurer
Ansonsten hielt die operative Führung der SNB auch an ihrer Nullzinspolitik fest und änderte an der jüngsten Lagebeurteilung die Geldpolitik nicht.
Infolge höherer Preise für Erdölprodukte sei die Inflation in den vergangenen Monaten zwar etwas gestiegen.
Der mittelfristige Inflationsdruck sei gegenüber der vorangegangenen Lagebeurteilung aber praktisch unverändert, betonte SNB-Chef Schlegel.
Weltkrisen als Hauptrisiko
Die gestiegenen Energiepreise verlangsamten das Wirtschaftswachstum vielerorts.
Doch mittelfristig dürfte das Wachstum wieder anziehen, hiess es von der Schweizer Zentralbank.
Das Hauptrisiko für die Wirtschaftsaussichten in der Schweiz seien Entwicklungen in der Weltwirtschaft, so die SNB.
Wachsamkeit für Frankenstärke
Sollte der Schweizerfranken aufwerten, sei die Bereitschaft am Devisenmarkt zu intervenieren erhöht.
Doch auch dies war nichts Neues, obwohl Beobachter in der Formulierung eine andere Nuance herauslesen wollten.
Die Schweizer Nationalbank steht also seit über 100 Jahren für Konstanz und ihrem höchsten Gut der Glaubwürdigkeit.
Das soll sich weder bei der Geldpolitik der Schweiz noch bei ihrer einzigartigen Struktur als börsenkotierte Aktiengesellschaft ändern.
20.06.2026/kut.





