
In der Schweiz prallen linke und rechte Kräfte immer stärker aufeinander. Dies zeigt sich besonders beim starken Anstieg kollektiver Arbeitsstreitigkeiten.
Die Schweiz kennt einen liberalen Arbeitsmarkt und hat eine Konsenskultur.
Doch der Klassenkampf zieht auch hierzulande immer mehr ein und belastet die Schweizer Volkswirtschaft, wie die neuesten Kennzahlen zu Streiks verdeutlichen.
Beteiligung nimmt stark zu
Im Jahr 2025 seien neun Fälle von kollektiven Arbeitsstreitigkeiten registriert worden, teilte das Bundesamt für Statistik BFS am Mittwoch mit.
Dies entspreche einer Gesamtzahl von 47.181 beteiligten Arbeitnehmern und 54.903 ausgefallenen Arbeitstagen, hiess es weiter.

Wertet man einen Arbeitstag mit 8 Stunden und multipliziert dies mit einem Stundensatz von 50 Franken, entstand durch die Streiks im vergangenen Jahr ein volkswirtschaftlicher Schaden von 22 Millionen Franken.
Wer 100 Franken pro Schweizer Arbeitsstunde ansetzt, käme so auf den doppelten Betrag.
Verhärtung der Fronten
Arbeitnehmer werden für die ausgefallenen Arbeitszeiten normalerweise nicht bezahlt.
Gewerkschaftlich organisierte Personen könnten allenfalls von Geldern aus Streikkassen profitieren.
Doch viele Schweizer Arbeitgeber verzichten nach Streiks auf Lohnkürzungen durch die ausgefallene Arbeitszeit, um die Wogen wieder etwas zu glätten.

Klar wird bei einer längeren Betrachtung aber, dass sich Klassenkämpfe zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern verhärten.
Es geht immer mehr um landesweite oder kantonale Mindestlöhne, Gesamtarbeitsverträge GAV und deren Durchsetzung. Das Bundesgericht bestätigte beispielsweise am heutigen Mittwoch die Gültigkeit der Mindestlohnregeln der Städte Zürich und Winterthur.
In der vergangenen Dekade wurde noch nie eine solch hohe Beteiligung an Streiks und ausgefallenen Arbeitstagen registriert, wie die BFS-Zahlen verdeutlichen.
Früher gab es sogar Jahre ohne einen einzigen Streik.
Alle verlieren langfristig
Normalerweise setzt die Schweiz auf Schlichtungen, Mediationen und kantonale Einigungsstellen, die eine Eskalation vermeiden sollen.
Doch offenbar sind viele Fronten verhärtet und dies führt zu einem Anstieg der Streikenden und damit der volkswirtschaftlichen Schäden für die ganze Schweiz.
Langfristig schadet dies aber dem Wirtschaftsstandort und dann ist keiner Seite geholfen.
10.06.2026/kut./Meldung mit aktuellem Bundesgerichtsurteil ergänzt





