
Der Hersteller von Naturkosmetik Weleda ist wegen der NS-Vergangenheit in die Schlagzeilen geraten. Die Firma verteidigt nun neue Kinderprodukte.
Die in Arlesheim BL domizilierte Kosmetikfirma Weleda hat unlängst mit einem Statement auf neue Vorwürfe zur Firmengeschichte während der Zeit des Nationalsozialismus reagiert.
Produktwerbung für Kinder
Gleichzeitig beauftragte der von CEO Tina Müller geführte Hersteller von Naturkosmetik die Gesellschaft für Unternehmensgeschichte GuG mit einem weiteren Gutachten, um Licht in die vom Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» publizierten Vorwürfe zur NS-Vergangenheit zu bringen.
Doch schon ist die Baselbieter Firma in eine neue Kontroverse verwickelt.
Die Weleda-Chefin Müller verteidigte die Werbung von Schönheitsprodukten für Kinder.
Produkte von Mama ungeeignet
Auf die Frage, ob man schon acht- bis zehnjährigen Mädchen einreden müsse, dass ihre Schönheit aus der Tube kommt, sagte die Managerin der «Welt am Sonntag»: «Wir müssen Kindern vor allem klarmachen, dass sie nicht das Falsche für ihre Haut verwenden sollten.»
Genau dies sei in den vergangenen Jahren passiert.
«Acht- bis Zehnjährige greifen zur Anti-Aging-Retinol-Creme der Mutter und machen sich die Hautbarriere kaputt», so Müller weiter.
Hype um «Glow»
Der Naturkosmetik-Hersteller Weleda hat unter ihrer Führung die Pflege- und Beautyserie minLen entwickelt, die sich speziell an Kinder und junge Teenager richtet.
Das Unternehmen wirbt mit Slogans wie «Lust auf eine morgendliche Glow-up-Party» um junge Käufer.

«Sie müssen die Sprache der Zielgruppe sprechen», sagte die Marketing-Spezialistin Müller zudem.
«Glow ist das angesagteste Wort – nicht nur bei Achtjährigen, auch bei 15- und 25-Jährigen, inzwischen sogar bei 40-Jährigen». Das Wort habe den ganzen Markt erobert.
«Skinfluencer» gegen Anthroposophen
Und das andere Schlagwort der Neuzeit, «Longevity», sei für sie das attraktivere Wort für Prävention.
Es gehe nicht um Schönheit, sondern darum, lange gesund und fit zu bleiben. Künftig würden als Trend die Gesundheit und Schönheit viel mehr zusammengedacht.
Dabei geraten sogenannte «Skinfluencer» immer wieder mit den Anthroposophen, die Weleda seit der Firmengründung 1921 gross gemacht haben, aneinander, wie die «NZZ am Sonntag» in ihrer neuesten Ausgabe berichtete.
Dabei seien 31 Kündigungen ausgesprochen und auch die «School of Nature» um ökologisches Wissen sowie Gesundheit und Wohlbefinden wieder eingestampft worden.
Wandel von Chemie zur Natur
Als Markenverantwortliche des Autokonzerns Opel in Deutschland war Müller einst mit dem Slogan «Umparken im Kopf» bekannt geworden.
Später führte sie die Parfümerie-Kette Douglas und wechselte dann in die Schweiz zum Naturkosmetikanbieter Weleda, wo sie nach kurzer Zeit die Nazi-Vergangenheit der Firma einholte.
Die Deutsche wandelte sich vom Vermarkten umweltschädlicher Autos und Chemie für die Haut zu einem Lebenssinn für Heilpflanzen und dem biodynamischen Einklang mit der Natur, wie sie es in der «Welt am Sonntag» beschrieb.
Turnaround in Sicht
«In Zeiten von Social Media werden Sie nicht mehr verhindern, dass junge Mädchen sich früher für Beauty interessieren», sagte Müller nun zu der neuen Kontroverse.
«Aber wir können dafür sorgen, dass sie keine schädlichen Produkte verwenden, sondern Formeln, die für ihre Haut gemacht sind und die Hautbarriere schützen», erklärte die bekannte Marketingexpertin ihre Sichtweise.
Und es scheint sich auch unter dem Strich zu lohnen: Bei der Naturkosmetikfirma sei durch CEO Müller der Turnaround geglückt und offenbar wieder Gewinn in Sichtweite, machte schon die Schlagzeile die Runde.
19.04.2026/kut.





