Schweizer Frühpensionär soll Beziehungen zur EU retten

Alexandre Fasel
Alexandre Fasel kommt vom Abstellgleis auf Topposten im EDA. (Bild: PD)

Die Beziehungen der Schweiz zur EU liegen im Argen. Staatssekretärin Livia Leu warf den Bettel hin und nun hebt ihn ein abgeschobener Diplomat wieder auf.

Ein 62-Jähriger soll es nun für die Schweiz richten.

Alexandre Fasel, ein Karrierediplomat, ist vom Bundesrat zum Staatssekretär im Eidgenössischen Aussendepartement EDA ernannt worden, teilte die Administration in Bern am heutigen Mittwoch mit.

Graue Maus gab auf

Er trete ab 1. September die Nachfolge von Livia Leu an, hiess es weiter. Sie wechselt ab November lieber auf einen ruhigeren Botschafterposten in Berlin.

Leu war während ihrer Zeit als Staatssekretärin ziemlich erfolglos und als Botschafterin in Teheran und Paris völlig unauffällig geblieben, wie auch muula.ch berichtete.

EU-Dossier als Hauptaufgabe

Der Staatssekretär berate den Vorsteher des EDA und den Bundesrat in allen aussenpolitischen Fragen, sorge für die Umsetzung der aussenpolitischen Strategie des Bundesrates, leite das Staatssekretariat sowie das Aussennetz der Schweiz mit seinen rund 170 Vertretungen, hiess es aber zu den komplexen Aufgaben im Communiqué.

Eine der Hauptaufgaben ist es aber, die Gespräche mit der EU wieder voranzubringen, welche die Schweiz abrupt abgebrochen hatte und welche seither nicht wieder in Gang kommen.

Leerer Stuhl in London

Fasel studierte Rechtswissenschaften in Freiburg und Oxford. Seine Karriere im EDA begann der 1961-Geborene im Jahr 1992.

Nach Stationen in Bern, Ottawa, Canberra, Genf – als Chef der ständigen Mission der Schweiz beim Büro der Vereinten Nationen sowie anderen internationalen Organisationen und sogar einem Abstecher in die Privatwirtschaft – ernannte ihn der Bundesrat im August 2016 zum stellvertretenden Staatssekretär des EDA.

Im September 2017 wurde er Schweizer Botschafter in London, bevor er im Juni 2021 als Sonderbeauftragter Wissenschaftsdiplomatie nach Genf wechselte und sein Posten in Grossbritannien seither verwaist ist.

Auf Abstellgleis in Genf

Aufgabe des Sonderbeauftragten ist es laut dem Bundesrat, die Wissenschaftsdiplomatie und Digitalisierung als Teil der Schweizer Aussenpolitik zu stärken und insbesondere das Potenzial des internationalen Genf in diesen Bereichen zu verwirklichen.

Mit anderen Worten ist es ein Posten für die Frühpension.

Langweiliger geht es kaum.

Cassis nahm Frau für Brüssel

Die Personalie Fasel hat aber schon viele Kapitel.

Er sollte eigentlich auf den Posten des Schweizer Botschafters in Ägypten abgeschoben werden, wie der «Tages-Anzeiger» publik gemacht hatte, weil Cassis eine treue Frau auf den Botschafterposten in Brüssel präferiert hatte.

Eigentlich sei Fasel zwar viel besser gewesen, weil er sich mit der EU und dem Brexit besonders gut mit der Materie auskannte als Rita Adam, die ohnehin nur sehr kurz auf ihren Botschafterposten in Italien geweilt hatte.

Lüge im Bundesrat

Vielmehr soll es sich durch Machtspielchen und Intrigen so ergeben haben, dass Cassis lieber Gefolgsleute auf prestigeträchtigere Pöstchen hebt.

Wie die Zeitung aber ermittelt hatte, war Fasel nicht wie von Aussenminister Ignazio Cassis im Bundesrat zu Protokoll gegeben hatte, mit Ägypten auf seinen Wunschposten versetzt worden.

Laut «Tages-Anzeiger» habe Fasel den Posten in Kairo dankend abgelehnt und landete 2021 auf dem Abstellgleis «Sonderbeauftragten für Science Diplomacy» in Genf.

Nun sei Cassis an den Diplomaten aber wegen «seines Rucksackes» an Fasel herangetreten und habe ihn für die Position angefragt, sagte der Aussenminister an einer Medienkonferenz am heutigen Mittwoch in Bern.

Warum er das nicht früher, etwa beim Botschafterposten der Schweiz bei der EU, gemacht hat, blieb allerdings offen.

Nach so einer ruhigen Zeit in Genf nun auf einen Topposten der Schweiz in Bern zu landen, könnte allerdings dazu führen, dass auch Fasel bald den Bettel wieder hinschmeisst und die Ruhe sucht.

28.06.2023/kut./Meldung nach MK ergänzt

Schweizer Frühpensionär soll Beziehungen zur EU retten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert