Private Equity findet Auswege aus der Flaute

Investieren in Beteiligungen mit und ohne Fremdkapital
Private-Equity-Firmen sind derzeit stark unter Druck. (Bild: M. Hassan / pixabay)

Privates Beteiligungskapital war bei Profis und Superreichen beliebt, doch es floriert nicht mehr. Für die Branche gibt es aber auch schon Lichtblicke.

Schaut man in die Renditeübersicht der Grossbank UBS zu Pensionskassen der vergangenen zwanzig Jahre, so zeigt eine Anlageklasse unglaublich gute Renditen.

Es ist Private Equity, also Wagnis- oder Beteiligungskapital, das institutionelle Investoren oder Superreiche zur Verfügung stellen und dafür normalerweise gut entlohnt werden.

Teureres Kapital

Im Jahr 2021 kamen die Anleger nach Gebühren bei solchen Investments auf eine Rendite von hohen 39,91 Prozent. Bisher war dies jedenfalls so. Doch der Markt trübte sich im Jahr 2023 deutlich ein.

Als Hauptursachen sehen Experten die geopolitischen Unsicherheiten sowie die gestiegenen Zinsen, denn Kredite spielen bei Übernahmen meist eine grosse Rolle. Mit dem höheren Zinsniveau ist Fremdkapital aber rarer und teurer geworden.

KKR, Blackstone, EQT & Co.

Pensionskassen, Staatsfonds, Stiftungen, Versicherer und andere institutionelle Investoren, wie Family Offices, haben auch das Interesse an diesen Investments etwas verloren. Dies mag zum Teil daran liegen, dass die Preiserwartungen von Käufern und Verkäufern derzeit sehr stark auseinander liegen.

Damit und mit den geopolitischen Unsicherheiten kommen aber kaum noch Deals zustande und die Transaktionen werden immer wieder verschoben.

Ausserdem sind bei Pensionskassen & Co. oftmals auch die Möglichkeiten ausgeschöpft, noch weiter in diese Asset-Klasse zu investieren.

Die beaufsichtigten Finanzinstitute müssen ihre Kapitalanlagen nämlich breit streuen. Die Anteile für riskante Private-Equity-Anlagen von Anbietern um KKR, Carlyle, Blackstone, CVC, EQT, Permira, Silver Lake, Cerberus & Co. sind grösstenteils schon vergeben.

Sinkende Zinsen in Sichtweite

Neben teureren Krediten, divergierenden Preisvorstellungen und zurückhaltender Käuferschaft von solchen Anlagevehikeln um Infrastrukturprojekten, Schuldscheinen, grünen Stromerzeugung & Immobilien gibt es aber auch «frohe Botschaften».

Diese verkündete etwa das berühmte US-Geldhaus Goldman Sachs in einer Analyse. Laut der Bank warten nämlich rund 1500 Milliarden Dollar weltweit darauf, investiert zu werden.

Gleichzeitig reden Zentralbanken der Welt auch schon wieder davon, die Zinsen in diesem Jahr zu senken, was die Lage bei der Finanzierung wieder etwas aufhellen dürfte.

Partners Group in den Startlöchern

Und eine neue Zielgruppe haben die Privat-Equity-Manager auch schon ausgemacht und das sind die Privatkunden.

Während sich etwa das deutsche Anlegerblatt «Wirtschaftswoche» unlängst misstrauisch darüber zeigte, dass die Investments etwas für Privatanleger seien, positioniert sich der Schweizer Platzhirsch Partners Group aber genau für diese Käuferschicht.

Vor rund einem Jahr gründete die Zuger Firma bereits eine Geschäftseinheit für Privatanleger als Gegenstück zum klassischen Geschäft mit den institutionellen Anlegern, wie etwa Pensionskassen.

Bald sollen schon 50 Kundenbetreuer dieses Segment um private Käufer bearbeiten.

Günstigere Einstiegspreise

Partners Group, so äusserte sich der Zuger Asset-Manager unlängst weiter, sieht sogar grosse Chancen, an Beteiligungen zu Preisen zu kommen, die vor ein oder zwei Jahren undenkbar gewesen wären.

Gleichzeitig gebe es immer mehr Deals auf privaten, statt auf öffentlichen Märkten, was Private-Equity-Anbieter auch wieder vermehrt ins Spiel bringe. Also alles nicht so wild, wie man meinen könnte.

Kooperationen mit Banken

Um Privatinvestoren mit den Investments in Verbindung zu bringen, gehen Anbieter, wie Partners Group, auf Banken als Vertriebsweg zu. Die Stückelungen für Privatkunden gibt es dann meist schon ab 100.000 Franken, was den Einstieg leichter machen soll.

Privatbanken und Asset Manager rühren zudem derzeit die Werbetrommel bereits stark.

Die Zürcher Privatbank Maerki Baumann ging beispielsweise vor ein paar Monaten mit dem Schweizer Venture-Capital-Unternehmen Redalpine eine Kooperation diesbezüglich ein.

Illiquidität und Bewertungsrisiken

Doch private Investoren sollten dabei immer vorsichtig sein und auch die Schwachstellen solcher Anlagevehikel kennen.

Es sind unter anderem die Illiquidität sowie für Externe oftmals schwierig nachvollziehbare Bewertungen. Private-Equity-Fonds gehen auch nur sehr zögerlich hin, und passen derzeit die Firmenbewertungen ihrer Portfolios nach unten an.

Da dürfte allerdings noch die eine oder andere Überraschung mit Zeitverzögerungen hervorkommen.

Kniff mit Fremdkapital vorbei

Und noch etwas dürfte riskanter als bisher sein, denn Private-Equity-Gesellschaften oder «Heuschrecken», wie sie weithin genannt werden, ersetzen rasch nach den Übernahmen das Eigen- durch Fremdkapital, um auf höhere Renditen auf das eingesetzte Kapital zu kommen.

Das funktionierte bei Nullzinsen und einer heilen Welt relativ gut.

Doch mit dem steigenden Zinsniveau und einer Rezessionsgefahr steigen auch die Risiken dieser Vorgehensweise. Fremdkapitalzinsen von 18 Prozent und mehr dürften so manch einem Übernahmeobjekt rasch das Genick brechen.

Gebühren vergleichen

Aber noch etwas müssen Privatanleger beachten und das sind die vergleichsweise hohen Kosten für ihre kleinen Stückelungen, die dann aber auf die Rendite drücken.

Was bei Grossinvestoren und Superreichen oftmals kaum eine Rolle spielt, könnte diese Investitionen für Privatinvestoren allerdings unattraktiv machen.

Andernfalls könnte neben Pensionskassen schon bald auch Privatanleger von jährlichen Traumrenditen um die 40 Prozent nach Gebühren profitieren.

08.01.2024/kut.

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