
Unter den Herstellern von Aufzügen und Fahrtreppen bahnt sich eine Grossfusion an. Der Schweizer Schindler-Konzern dürfte das Nachsehen haben.
Der Zusammenschluss des finnischen Aufzug- und Fahrtreppenkonzerns Kone mit dem deutschen Konkurrenten TK Elevator bedeutet neue Dimensionen.
Die Finnen wollen für die aus Thyssenkrupp ausgegliederte Liftsparte für rund 29,4 Milliarden Euro inklusive Schulden übernehmen, wie die Firmen am heutigen Mittwoch bekanntgaben.
Über 100.000 Mitarbeiter
Der Kaufpreis ist schon eine Dimension für sich und wäre eine der grössten Fusionen Europas.
Kone-CEO Philippe Delorme sprach bei der Übernahme von etwas Aussergewöhnlichem, was dabei entstehen würde. Das neue Unternehmen hätte künftig rund 20 Milliarden Euro an Umsatz und würde über 100.000 Mitarbeiter beschäftigen.
Kone will für die Düsseldorfer in bar und mit neuen Aktien bezahlen. Hauptsitz und Hauptaktionär sollen weiterhin Finnland sowie der finnische Milliardär Antti Herlin bleiben.
Otis und Schindler im Nachsehen
TK Elevator war im Jahr 2020 von einem Investorenkonsortium um Advent und Civen quasi von Thyssenkrupp notfallmässig für 17,2 Milliarden Euro verkauft worden. Thyssenkrupp hält noch rund 16 Prozent an dem Unternehmen.
In Finanzkreisen hiess es, der Verkauf käme dem einstigen deutschen Stahlriesen entgegen.
Die Transaktion, die im 2. Quartal 2027 vollzogen werden soll, steht noch unter dem Vorbehalt der üblichen Behördenbewilligungen. Insbesondere die Kartellwächter werden da genau hinschauen, weil mit der Fusion vielerorts ein Goliath-Anbieter entstehen würde.
Nachsehen dürften der Zentralschweizer Hersteller Schindler und der amerikanische Otis-Konzern haben.
Unsicherheit belastet
Schindler liess auch umgehend über die Medien seinen Unmut über den Zusammenschluss der zwei grössten Marktteilnehmer verbreiten.
Die Prüfung eines solchen Mergers dürfte Ewigkeiten in Anspruch nehmen.
Dies würde über eine längere Zeit für alle Stakeholder eine gewisse Unsicherheit bedeuten.

Doch für den in Ebikon LU domizilierten Schindler-Konzern verheisst der Zusammenschluss ohnehin nichts Gutes.
Die Konkurrenten sind fast doppelt so gross und können in dem Verlustgeschäft mit Aufzügen und Fahrtreppen bessere Kosten erzielen. Das margenstarke Service-Geschäft dürfte mit Skaleneffekten auch günstiger werden.
TK Elevator und Kone kommen zusammen auf 3,2 Millionen installierte Einheiten im Wartungsbestand und die Profitabilität soll durch die Fusion um rund 50 Prozent steigen.
Intransparente Schweiz
Wie gut es bei Schindler läuft, sieht man an der Jahresrechnung allerdings nicht genau.
Die Zentralschweizer gliedern im Jahresabschluss ihre Segmente Aufzüge, Fahrtreppen und den Service-Bereich nicht auf – eigentlich ein intransparentes Unding, wie muula.ch berichtete.
29.04.2026/kut.





