
Der Schweizerische Bankenombudsmann hat immer mehr Arbeit. Bei seinen Vermittlungen zeigen die Finanzinstitute aber hohe Kompromissbereitschaft.
Jedes Jahr ereignen sich viele skurrile Fälle, welche die Kundschaft gegen ihr Schweizer Finanzinstitut aufbringt.
Oft hilft dann nur noch die Vermittlung einer neutralen Instanz, und dann kommt der Schweizerische Bankenombudsmann Andreas Barfuss ins Spiel.
Firmen machen durchaus Fehler
Er und sein Team erledigten im vergangenen Jahr rund 2500 solcher Fälle und intervenierten in 319 Angelegenheiten bei der Finanzwirtschaft, wie die Ombudsstelle der Banken am heutigen Dienstag vor den Medien bekanntgab.

In 174 Angelegenheiten empfahl Barfuss dann ein Entgegenkommen, weil tatsächlich auch auf Bankenseite nicht alles korrekt verlaufen ist.
Im vergangenen Jahr folgten die Geldhäuser zu 98 Prozent den Empfehlungen des Bankenombudsmanns und kamen der Kundschaft entgegen.
Risiko liegt bei Kundschaft
Die sehr hohe Akzeptanz der Lösungsvorschläge sei ein Beleg für die Kompromissbereitschaft der Banken, kommentierte Barfuss die Entwicklungen.
Seit 2006 habe es nie so eine hohe Erfolgsquote gegeben, betonte er. Die Tabelle zeigt, dass die Zahl der Kompromissvorschläge dabei über die Jahre nicht sinkt und die Erfolge damit durchaus beachtlich sind.

In vielen Fällen, gerade bei Phishing-Angriffen, könne die Kundschaft allerdings kaum mehr auf Kulanz der Banken hoffen, hiess es erneut.
Da die Angriffe in der Regel auf der Kundenseite ansetzten, blieben Information und Prävention zentral. Ohne ein Zutun der Kunden wäre Betrug nämlich praktisch unmöglich.
2-Faktor-Login ausreichend?
Wenn Kriminelle einmal in einem Konto drin sind, können sie aber gerade bei Schweizer Geldhäusern oft alle Transaktionen ausführen, ohne dass diese zusätzlich separat autorisiert werden müssen.
Auf eine Frage von muula.ch, warum Konten in der Schweiz nicht besser geschützt würden, erklärte Barfuss, dass viele Banken die 2-Faktor-Autorisierung zum Konto als ausreichend sicher einstuften.
Zudem sei es auch immer ein Abwägen zwischen Kompliziertheit und Kundenfreundlichkeit, hiess es.
Keine Millionen-Deals betroffen
Die neuesten Streitfälle reichten laut dem Jahresbericht 2025 von Betrügern, denen es gelang, ein neues Mobiltelefon für den Empfang von Sicherheitsmitteilungen im E-Banking zu registrieren, über Zahlungen, welche den Empfänger nicht erreichten, bis hin zu einem Kunden, bei dem die Bank über Jahre vergass, Sonderkonditionen umzusetzen.
In rund 90 Prozent der Fälle lag der Streitwert unter 100.000 Franken.
Um Millionen drehen sich die meisten kontroversen Angelegenheiten also nicht.
CS-Notfusion geräuschlos
Das Arbeitsaufkommen ist bei dieser Vermittlungsinstanz ohne Befugnis zur Rechtsprechung aber nicht gestiegen, weil es etwa mehr Streit wegen der Grossfusion von Credit Suisse (CS) und UBS gab.
Der Zusammenschluss der beiden Schweizer Grossbanken sei erstaunlich geräuschlos über die Bühne gegangen, erklärte Barfuss dazu vor den Medien.
Dies verdeutlicht, dass die Schweizer Finanzindustrie viele Geldgeschäfte durchaus zur Zufriedenheit der Kundschaft erledigt – selbst unter erschwerten Bedingungen, wie dem Merger von CS und UBS.
19.05.2026/kut.





