Jungfraujoch vermisst tausende Asiaten

Jungfraujoch «Top of Europe»
Das Jungfraujoch sucht dringend Gäste. (Bild: PD)

Die Jungfraubahn-Gruppe sieht nach einem verhaltenen Start ins Jahr einen neuen Trend. Drei Gründe dafür sowie die Finanzziele verunsichern Investoren.

Die Jungfraubahnen sind auf der dringenden Suche nach Kundschaft.

Der verhaltene Start ins Jahr 2026 habe sich im April akzentuiert, teilte das Touristikunternehmen sogar in einer Ad-hoc-Mitteilung den Investoren mit.

Tausende weniger

In den ersten vier Monaten kamen gegenüber dem Vorjahreszeitraum rund 12,3 Prozent weniger Gäste auf das Jungfraujoch «Top of Europe». Das sind immerhin über 25.000 Personen binnen weniger Wochen.

Bei den Erlebnisbergen sei die Zahl um 9,6 Prozent auf noch 216.900 Besucher gesunken, hiess es weiter.

Kennzahlen der Jungfraubahn-Gruppe zu den Besuchern
Deutliche Bremsspuren bei den Jungfraubahnen. (Screenshot: muula.ch)

In der Ende April zu Ende gegangenen Wintersaison 2025/2026 wurden von Januar bis April mit 932.200 Skier Visits zudem rund 3,3 Prozent weniger Skifahrer registriert.

Über alles gesehen brachen die Frequenzen also um 5,7 Prozent ein.

Unsicherheit als Gift

Als Hauptgrund gab die Jungfraubahn-Gruppe die anhaltenden kriegerischen Handlungen im Nahen Osten an.

Hinzu kommen die Luftraumbeschränkungen und die steigenden Kerosinpreise.

Als dritte Ursache nannte das Unternehmen die wachsende Unsicherheit gerade auch auf den asiatischen Märkten.

Klar, viele Länder Asiens sind von Benzin- und Kerosinmangel aufgrund der Sperrung der Strasse von Hormus durch den US-israelischen Angriffskrieg auf die Islamische Republik Iran hart getroffen.

Da überlegen sich die Menschen zweimal, ob sie ihre Reise in die Schweiz überhaupt noch machen sollen.

Arabische Drehkreuze ausgefallen

Ausserdem ist es schwierig, überhaupt Flüge zu finden.

Die Schweizer Fluggesellschaft Swiss bietet beispielsweise aufgrund der hohen Nachfrage einen zweiten Flug pro Tag zwischen Zürich und dem indischen Delhi an.

Die Routen über Dubai mit Emirates, über Doha mit Qatar Airways oder über Abu Dhabi mit Etihad funktionieren kaum mehr reibungslos beziehungsweise die Unsicherheiten sind auf diesen Verbindungen bis kurz vor Abflug gross.

Für die schönsten Wochen des Jahres wollen die Feriengäste und Reiseveranstalter aber nicht riskieren, in kriegerische Auseinandersetzungen hineinzugeraten.

Sinkende Shopping- und Restaurantverkäufe

Für die Jungfraubahn-Gruppe fehlen mit den ausbleibenden Gästen aber nicht nur Besucher, die auf die Berge wollen.

Es wird weniger in den Restaurants konsumiert und Schweizer Souvenirs wie Lindt-Schoggi oder Swatch-Uhren werden zu regelrechten Ladenhütern.

Das drückt auf die Finanzen, wie es im Communiqué weiter hiess.

Breiter Gäste-Mix als Hoffnung

Die Finanzziele dürften daher für das Geschäftsjahr 2026 nicht mehr erreichbar sein, erklärte das von CEO Oliver Hammel geführte Unternehmen.

Schweiz Tourismus erwartet für 2026 trotz der Krise in Nahost nur moderate Rückgänge, wie der Interessenverband fast gleichzeitig zur Hiobsbotschaft der Jungfraubahn-Gruppe bekanntgab.

Ein breiter Gäste-Mix führe zu hoher Resilienz, hiess es im Communiqué.

Steigende Dividende

An der am heutigen Montag im Congress Kursaal Interlaken stattfindenden Generalversammlung dürfte es also nicht so sehr um die Rückschau auf das Jahr 2025 gehen.

Die Resultate um mehr Besucher aus den USA, aus Indien und China konnten sich sehenlassen, wie muula.ch berichtete.

Die rund 50 Millionen Franken an Dividende dürften sich die Aktionäre wohl auch genehmigen.

Das Unternehmen hatte die Ausschüttung um 13,3 Prozent auf 8,50 Franken je Aktie deutlich erhöht.

Sonderangebote bei Coop?

Doch für Gesprächsstoff werden die tausenden Asiaten sorgen, die nun auf dem «Top of Europe» fehlen.

Gibt das Unternehmen etwas Gegensteuer, werden wohl bald Sonderangebote bei Coop & Co. lanciert.

Schweizer Kunden springen dann in den kommenden Monaten sicher gerne in die Lücke der Asiaten. Das hatte sich schon während der Coronavirus-Pandemie mit vielen Reiserestriktionen bewährt.

11.05.2026/kut.

Jungfraujoch vermisst tausende Asiaten

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