Finma katapultiert Schweiz in die Steinzeit zurück

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Die Finma lässt nur antiquierte Methoden bei Schweizer Banken zu. (Bild: PD)

Die Finanzmarktaufsicht Finma will technologieneutral regulieren. Doch neue Regeln zur Kundenidentifizierung zeigen, dass dies wieder nicht stimmt.

Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht Finma hat den Finanzplatz Schweiz erneut um Lichtjahre nach hinten geworfen.

Der Regulator aktualisierte nach einer Anhörung sein Rundschreiben 2016/7 zur «Video- und Online-Identifizierung», das die Sorgfaltspflichten bei der Aufnahme von Geschäftsbeziehungen über digitale Kanäle regelt.

Abprallen der Hinweise

Die Änderungen treten ab 1. November in Kraft, teilte die Finma am Donnerstag mit.

Zwar berücksichtigt der Schweizer Regulator die Entwicklungen im Zusammenhang mit der Einführung des elektronischen Identitätsnachweises (E-ID).

Doch viele Hinweise aus der Anhörung bissen bei der Finanzmarktaufsicht auf Granit und katapultieren den Schweizer Finanzplatz förmlich in die Steinzeit zurück.

Hinterherhinken der Technik

So kann beispielsweise die E-ID ausschliesslich für die Online-Identifizierung genutzt werden.

Eine Video-Identifikation ist damit allerdings nicht möglich, obwohl die Video-Identifizierung der persönlichen Vorsprache rechtlich eigentlich gleichgestellt ist.

Alliance Finance diskutiert zur Finma in Zürich
Die Alliance Finance beklagt die Regulierungswut der Finma. (Bild: muula.ch)

Betroffene regten im Sinne der Technologieneutralität des Regulators auch an, die neuen Bestimmungen nicht nur auf maschinenlesbare Dokumente und QR-Codes, etwa bei Schweizer Führerscheinen, zu begrenzen, sondern viel offener zu formulieren.

Damit sollte der rasanten technologischen Entwicklung bereits Rechnung getragen werden.

Doch dies liess die Finma nach rund zehn Jahren der Regelaktualisierung nicht gelten, weil klare Vorgaben erforderlich seien, «um eine konsistente Umsetzung der zugelassenen Identifizierungsdokumente sicherzustellen».

Von Technologieneutralität, welche der Schweizer Regulator schon bei Kryptowährungen verwehrt hatte, fehlt also wieder mal jegliche Spur.

Beharren auf Papier

Auch Banküberweisungen als Nachweise – weil da bereits ein Geldhaus tiefgehende Identifizierungen vorgenommen hat – wollte die Finma nicht von Wertpapierhäusern oder Zahlungsdienstleistern, wie beispielsweise Kreditkartenherausgebern, Twint oder Paypal, anerkennen.

Das ist eigentlich der Witz in Tüten, weil solche Firmen genauso strenge Regeln bei der Kundenidentifizierung wie Banken durchlaufen.

Im Finma-Rundschreiben seien auch die Methoden für die Wohnsitzbestätigung technisch veraltet und wenig verlässlich, beklagte sich die Finanzindustrie.

Die Finma besteht aber auch hierbei auf ihrem antiquierten Vorgehen.

Ausländer müssen Antraben

Problematisch sind für die Schweizer Finanzdienstleister zudem ausländische E-IDs, etwa von EU-Staaten, und ausländische Energie- oder Wasserrechnungen zum Nachweis eines Wohnsitzes.

Da zeigte die Finma ebenfalls die Zähne und Video- sowie Online-Identifikation funktionieren mit ausländischen Dokumenten nicht.

Ausländische Kunden müssen daher weiterhin bei den Banken, Versicherungen & Co. persönlich vorsprechen und sich identifizieren.

Altertümlicher geht es im Zeitalter der Digitalisierung wohl nicht.

Feiges Agieren im Untergrund

Wie gross die Bauchschmerzen der Schweiz mit dem Finanzplatzregulator sind, zeigte gleichentags noch eine Veranstaltung in Zürich.

Die Alliance Finance hatte am Donnerstagabend zu der Podiumsdiskussion mit dem Thema «Die Finma als Problem für den Finanzplatz?» geladen.

Doch die Finanzmarktaufsicht um Direktor Stefan Walter drückte sich feige um eine Teilnahme und wich damit kritischen Fragen aus.

Klar wurde an der Diskussion aber, dass die Aufsichtsbehörde ihr Tätigkeitsfeld mittlerweile weit über die eigentliche Aufgabe ausgedehnt hat.

09.10.2026/kut.

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