Das grosse Umschichten an den Börsen beginnt

Ein Handelsraum mit vielen Börsencharts auf grossen und kleinen Bildschirmen
Portfoliomanager finden Anleihen nunmehr interessant. (Bild: G. Altmann / pixabay)

Jahrelang waren Aktien alternativlos als Anlageobjekte gewesen. Nun locken Anleihen mit attraktiven Renditen und bringen Börsen ins Wanken.

An den Finanzmärkten ändern sich langsam, aber sicher die Spielregeln.

Während Investoren in Aktien auf weiteres Gewinnwachstum der Firmen hoffen müssen, bieten Anleihen wieder handfeste Zinserträge.

Stärkere Diskontierung wirkt

Die Zinsen melden sich da quasi zurück und damit auch eine ernsthafte Konkurrenz zu Aktien, die neben Wertsteigerungen immer unsicherere Dividendenrenditen ausweisen.

Doch je höher das Zinsniveau, desto weniger sind künftige Gewinne heute wert.

Jahrelang waren Aktien für Investoren die clevere Wahl. Wer sein Geld mehren wollte, musste ins Risiko gehen, weil Obligationen von Staaten oder Unternehmen kaum Rendite abwarfen.

Das Interesse an Anleihen hat sich nun aber gedreht.

Schrittweiser Einstieg

Die Deutsche Bank erklärte beispielsweise vor ein paar Tagen in der «Frankfurter Allgemeine Zeitung», Anleger sollten langsam, aber sicher umschichten.

«Mittelfristig ist das Zinsniveau aber für Privatanleger aus unserer Sicht durchaus attraktiv», sagte Ulrich Stephan, Chefanlagestratege des Geldhauses.

Die Deutsche Bank rät zu einem schrittweisen Einstieg in die Anleihemärkte, um das erhöhte Renditeniveau zu nutzen.

Kürzere Laufzeiten präferiert

Auch die Bank of Amerika (BofA) und zahlreiche Kapitalanleger, die muula.ch zur Situation befragte, bestätigten den langsamen, aber sicheren Wandel.

In einer Umfrage der BofA unter 161 Portfoliomanagern gaben 19 Prozent an, in jüngster Zeit aus Aktien in Bonds umgeschichtet zu haben.

Kürzere Laufzeiten stünden bei den Obligationen im Fokus, hiess es weiter.

Damit halten sich die Institutionellen alle Optionen für weitere Bewegung bei den Renditen quasi offen.

Währungszerfall beachten

Einerseits gibt es noch Aktien, auf denen sich Gewinn realisieren liess, was viele Investoren derzeit tun. Andererseits seien die Renditen, etwa bei den US-Staatsanleihen, mit über 5 Prozent attraktiv.

Klar, gibt es für Investoren immer noch Gefahren zu beachten, etwa das Ausfallrisiko von Emittenten oder für Schweizer den Währungszerfall etwa des Dollar beziehungsweise des Euro zum Franken.

Doch auf weitere Wertsteigerungen müssen Anleger da kaum noch hoffen und verdienen dennoch gute Realzinsen dabei.

Resistente Börsen

Kapital wird stärker nach laufendem Ertrag, Risiko und Preis beurteilt.

Das ist eigentlich keine schlechte Entwicklung, sondern zeigt die Normalisierung an den Finanzmärkten. Es muss sich allerdings noch erweisen, ob daraus eine dauerhafte Rotation von Aktien hin zu Anleihen entsteht.

Die Börsen haben die jüngsten Umschichtungen und Zinserhöhungen, die mit einem Nachfragerückgang bei Aktien einhergehen, gut weggesteckt.

Wachstum und Stabilität ausbalancieren

Experten rücken dabei eine alte Anlagestrategie wieder in den Mittelpunkt. Sie lautet 60/40, bei dem ein Portfolio zu 60 Prozent des Vermögens aus Aktien und zu 40 Prozent aus Anleihen besteht.

Dieses Modell galt lange als einfache Vermögensaufteilung zwischen Wachstum und Stabilität.

Aufgrund der Niedrigzinsphase beziehungsweise in der Schweiz sogar Nullzinsphase war es für Investoren uninteressant geworden.

Diversifikation nutzen

Nun verbessert das höhere Zinsniveau die Ausgangslage für festverzinsliche Kapitalanlagen.

Investoren unterscheiden da zwischen kurz- und langlaufenden Obligationen von Staaten sowie Unternehmen unterschiedlicher Bonität.

Die Auswahl ist riesig: von Schwellenländeranleihen, über Ramschanleihen bis hin zu französischen Staatsanleihen, die aufgrund hoher Coupons immer attraktiver erscheinen.

Dies ermöglicht Privaten wie Institutionellen neue Möglichkeiten zur Diversifikation.

Langfristiger Aufwärtstrend

Und genau dieses Umschichten könnte nachhaltig die Bewertung an den Börsen verändern.

Es ist aber durchaus möglich, dass sich der Boom bei den Investitionen in Rechenzentren für Künstliche Intelligenz KI dabei nicht unbedingt abschwächen muss.

14.10.2026/kut.

Das grosse Umschichten an den Börsen beginnt

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