Assekuranz rettete Franz Kafka gleich mehrfach

Denkmal von Franz Kafka in Prag
In Prag erinnert eine moderne Skulptur an den Schriftsteller Franz Kafka. (Bild: Erwin / pixabay)

Am 3. Juni ist der 100. Todestag von Franz Kafka. Kaum jemand weiss, dass Versicherer das Schaffen des Schriftstellers erst ermöglichten.

Franz Kafka führte ein Doppelleben.

Damit ist allerdings nicht gemeint, was einer der bedeutendsten Vertreter der deutschsprachigen Literatur des 20. Jahrhunderts privat gemacht hat.

Karrierestart bei Generali

Vielmehr war er Schriftsteller und Büroangestellter, was jedoch viele nicht wissen. Der promovierte Jurist verdiente sein Geld in der Versicherungswirtschaft.

Nach dem Abschluss seines Jurastudiums im Jahr 1906 arbeitete er zunächst bei einer italienischen Versicherungsgesellschaft, der Assicurazioni Generali.

Doch bereits nach knapp einem Jahr wechselte er zur Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt AUVA für das Königreich Böhmen in Prag, wo er den Grossteil seiner beruflichen Laufbahn verbrachte.

Unfallverhütung als Aufgabe

Kafkas Tätigkeit bei der Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt, einer Art Suva, bestand hauptsächlich darin, Unfälle in Industriebetrieben zu untersuchen und Berichte zu verfassen beziehungsweise die Schadensfälle zu regulieren.

Später verfasste er zahlreiche Vorschriften zur Unfallverhütung sowie Gebrauchsanweisungen und teilte Betriebe in Gefahrenklassen ein.

Als «Versicherungsschriftsteller» formulierte er auch Teile der jährlichen Rechenschaftsberichte der Firma.

Viele Freiheiten genossen

Brotberuf nannte Versicherungsjurist Kafka diese Situation selbst.

In Tagebüchern und Briefen äusserte er sich über den Spagat seines Berufslebens und der Leidenschaft des Schreibens. Sein Dienst sei lächerlich und kläglich leicht, so Kafka.

Er wisse nicht einmal, wofür er sein Geld bekomme, verriet er weiter, obwohl ihn die Versicherungsgesellschaft viermal beförderte.

Insofern sicherte die AUVA offenbar mit viel Freiräumen die Werke der Weltliteratur.

Umschulungen für Verwundete

Es wird angenommen, dass Kafkas Erfahrungen und Beobachtungen in der Arbeitswelt tiefgreifende Einflüsse auf sein literarisches Werk hatten.

Kafka wandte sich frühzeitig dem Sozialismus zu und solidarisierte sich mit der Arbeiterschaft.

Später kümmerte sich der Literat als Kriegerfürsorge um die Rehabilitationen und Umschulungen von Schwerverwundeten des Ersten Weltkrieges, wozu ihn die Versicherungsgesellschaft verdonnert hatte.

Pensionierung mit 40

Kafka kam am 3. Juli 1883 in Prag, dem damaligen Österreich-Ungarn in bürgerlichen Verhältnissen zur Welt und entstammte dem deutschsprachigen Bevölkerungsteil Prags. 

1917 erkrankte er aber an der damals unheilbaren Tuberkulose-Krankheit und im Herbst 1918 an der Spanischen Grippe, die eine Lungenentzündung nach sich zog. Kafka bat seinen Arbeitgeber um Pensionierung.

Die Versicherungsanstalt sperrte sich jedoch und liess ihn erst nach rund fünf Jahren ziehen. Kafka verstarb dann am 3. Juni 1924 nach schwerer Krankheit in Kierling in Österreich.

Von Geldsorgen befreien

Viele Talente müssen aufgrund ihrer ökonomischen Verhältnisse einem Broterwerb nachgehen.

Dabei sei neben Kafka an den deutschen Schriftsteller Arno Schmidt erinnert, den der Millionenerbe Jan Philipp Reemtsma mit einer Unterstützung in Höhe des Literaturnobelpreises bedachte, um weiteres Schaffen und Unabhängigkeit zu ermöglichen.

Bei Kafka waren es Freunde um den Rowohlt-Verleger Kurt Wolff oder Max Brod, die unabänderlich an Kafkas literarisches Ausnahmetalent glaubten und das Genie zum Publizieren von Romanen, Novellen sowie Kurzgeschichten drängten.

Baloise und Helvetia helfen

Auch heutzutage gibt es viele Versicherungsgesellschaften, die sich im Bereich von Kunst sowie Kultur engagieren und somit zu neuen «Kafkas» verhelfen.

In der Schweiz sei dabei nur an die Baloise-Gruppe oder die Helvetia-Versicherung gedacht, die zeitgenössische Künstler oder Musiker sehr stark fördern und der Welt zu Ausnahmetalenten verhelfen, die ohne Unterstützung ihren Talenten wohl kaum nachgehen könnten.

Schutz vor der Front

Nüchtern betrachtet, hat die Welt also nur dank der Assekuranz die Meisterwerke um «Der Prozess», «Das Schloss», «Das Urteil», «Die Verwandlung», «Die Prüfung», «Ein Landarzt», «Ein Hungerkünstler» oder etwa «Der Verschollene» zu verdanken.

Kafkas Chefs bei der Versicherungsgesellschaft verhalfen dem Schriftsteller nicht nur zu einem Broterwerb, bei dem er offenbar nicht so viel zu tun und viele Freiheiten geniessen konnte.

Die Führung der Versicherungsgesellschaft klassierte das schreibende Ausnahmetalent im Jahr 1915 sogar als «Unersetzliche Fachkraft» und schützten ihn damit vor dem Fronteinsatz im Ersten Weltkrieg.

Kafka selbst intervenierte dagegen, als Kanonenfutter eingesetzt zu werden. Genies haben eben auch Schwächen.

02.06.2024/kut.

Assekuranz rettete Franz Kafka gleich mehrfach

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