Selbständige sind oft Ältere, Männer und Workaholics

ein Mann schläft im Büro vor Computern
Selbstständige arbeiten oft bis zum Umfallen. (Symbolbild: M. Mansory / pixabay)

Die Schweiz prägen Selbständige zu einem beachtlichen Teil. In anderen Ländern rackern sich aber immer weniger Erwerbstätige in dieser Arbeitsform ab.

Wie viele Selbständige braucht ein Land?

Da gibt es offenbar unterschiedliche Vorstellungen, wie das Bundesamt für Statistik BFS herausfand.

Eigene Firma als Lebenstraum

Im Jahr 2025 waren in der Schweiz rund 4,9 Millionen Personen erwerbstätig, wovon zirka 681.000 beziehungsweise 13,9 Prozent im Haupterwerb einer selbstständigen Tätigkeit nachgingen.

Diese Personen arbeiteten entweder auf eigene Rechnung (6,8 Prozent) oder als Arbeitnehmer in ihrem eigenen Betrieb (7,2 Prozent), also in einer Aktiengesellschaft oder in einer GmbH.

Ältere lieber selbstständig

Dabei waren Schweizer Männer mit 15,8 Prozent häufiger selbstständigerwerbend als Frauen.

Das weibliche Geschlecht sei in der Schweiz nur auf 11,9 Prozent gekommen, hiess es von den Statistikern.

Für so eine Arbeitsform abseits von Staatsbetrieben und Grosskonzernen entschieden sich aber hierzulande viele Ältere.

Wirtschaftszweige mit Selbständigen laut BFS

Im Jahr 2025 waren laut dem BFS lediglich 4,2 Prozent der 15- bis 24-Jährigen selbstständig, gegenüber 9,5 Prozent der 25- bis 39-Jährigen, 14,8 Prozent der 40- bis 54-Jährigen und 19,3 Prozent der Altersgruppe zwischen 55 und 64 Jahren.

Bei den Erwerbstätigen im gesetzlichen Rentenalter gingen sogar 41,2 Prozent einer selbstständigen Erwerbstätigkeit nach.

Selbstständige waren in der Schweiz im Durchschnitt 49,6 Jahre. Bei Arbeitnehmern habe der Wert dagegen bei 41,3 Jahren gelegen, so das BFS weiter.

Weniger Ferien bezogen

Für die Schweizer Volkswirtschaft sind diese Personen wichtig, denn sie arbeiten viel.

Bei einer Vollzeitstelle brachten es Selbstständigerwerbende durchschnittlich auf 46,8 Stunden pro Woche als übliche Arbeitszeit.

Dies seien rund 5,2 Stunden mehr als bei Arbeitnehmern, deren vertragliche Arbeitsstunden bei 41,5 lag.

Selbstständige nahmen im Vollzeitpensum durchschnittlich 23,5 Ferientage im Jahr und somit 2,9 Tage weniger als Arbeitnehmer, die im Schnitt auf 26,4 Tage kamen.

Sinkende Arbeitszeit

Doch innerhalb der vergangenen zwanzig Jahre sei die Arbeitszeit der Selbstständigen um 4,9 Stunden pro Woche zurückgegangen.

Im Jahr 2005 lag der Wert noch bei 51,7 Stunden. Bei Arbeitnehmern sei der Wert mit -0,2 Stunden nahezu stabil geblieben, erklärte das BFS weiter.

Immer weniger wollen sich in Landwirtschaft, als Freiberufler, Handwerker oder Berater abrackern.

Viele Kleine geben auf

Dieser Trend lässt sich auch international ablesen.

Wie der Vergleich des BFS zu anderen Ländern zeigt, sank der Anteil an Selbständigen in Deutschland, Dänemark, Italien und Norwegen in den vergangenen 20 Jahren dramatisch.

Bei osteuropäischen Staaten, wie Rumänien oder Kroatien, schrumpfte der Wert mit der Annäherung an die EU gigantisch, wie die hell- und dunkelblauen Punkte verdeutlichen.

In der Schweiz blieb der Anteil der Selbständigen unter allen Erwerbstätigen zwei Jahrzehnte fast konstant.

In dynamischen Volkswirtschaften, wie etwa in Polen, erhöhte sich der Anteil an Selbständigen dagegen auf über 20 Prozent.

Entwicklung beobachten

Wenn in einem Land also alle Erwerbstätigen praktisch nur beim Staat oder in Grossunternehmen arbeiten wollen, verlieren Volkswirtschaften ihren Schwung und sie werden träge.

Die Schweiz hat trotz der steigenden Zahl der Erwerbstätigen den Anteil der Selbständigen noch halten können.

In den kommenden Jahren muss sie die Bewegung der blauen Punkte wohl gut im Auge behalten.

21.10.2026/kut.

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