
Fintechs sollten die Finanzbranche innovativer machen, doch vieles ging schief. Nun greift aber die Neobank Trade Republic auch Versicherer an.
Digitalbanking, Online-Policen und Vermögensplattformen waren als Zukunft der Finanzwelt gedacht.
Dafür setzten sich sowohl traditionelle Finanzinstitute als auch agile Start-ups ein.
Bereits Millionen an Kunden
Doch die Fintechs, die Automatisierung und Innovation in die Finanzindustrie bringen sollten, sind mittlerweile vielerorts Geschichte.
Kostengünstige Finanzgeschäfte werden daher immer mehr zur Mangelware.
Einige Anbieter, wie die deutsche Neobank Trade Republic, haben sich jedoch durchgesetzt und zählen Millionen von Kunden.
Das Berliner Fintech bietet seiner Kundschaft aus 18 Ländern kostengünstigen Handel mit Wertpapieren und verwaltet mittlerweile über 150 Milliarden Euro an Vermögen.
Lizenz rasant erteilt
Nun steigt das Geldhaus auch in das Versicherungsgeschäft ein, wie die liechtensteinische Finanzmarktaufsicht (FMA) diese Woche bekanntgab.
Die Justinian Versicherungs AG sei in Vaduz als Versicherungsunternehmen bewilligt worden, hiess es in einem Communiqué.
Die Lizenz gelte für Lebensversicherungen sowie für fondsgebundene Lebensversicherungen, erklärte die FMA Liechtensteins.

Hinter dem Namen verbirgt sich Trade Republic, wie aus dem Handelsregister hervorgeht.
Die Namensänderung von Trade Republic Assurance AG wurde kurz vorher vorgenommen und die ursprüngliche Gesellschaft erst im Mai dieses Jahres über einen Treuhänder in Schaan ins Leben gerufen.
Riester-Vorsorge in neuem Gewand
Die Neobank selbst hatte vor wenigen Tagen bekanntgegeben, ein völlig kostenloses Altersvorsorgedepot in Deutschland anbieten zu wollen.
Hinter dem Produkt steckt ein staatlich gefördertes Vorsorgesparen, bei dem Deutsche ihre private Altersvorsorge am Kapitalmarkt ausbauen sollen.
Es ist eigentlich die Fortsetzung der Riester-Rente, ein misslungenes Versicherungsprodukt, wo Gebühren regelmässig die Rendite aufzehrten.
Dienstleistungsabkommen wirkt
Doch dafür hätte Trade Republic auch eine Lizenz in Deutschland genügt.
Mit dem Weg über Liechtenstein darf die deutsche Digitalbank auch in der Schweiz nun Versicherungsprodukte verkaufen und Swiss Life, Helvetia, Axa, Zurich Insurance, Allianz Suisse, Generali, Mobiliar & Co. direkte Konkurrenz machen.
Eine separate Bewilligung der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht Finma für den Schweizer Versicherungsmarkt ist über das Dienstleistungsabkommen mit Liechtenstein nicht nötig.
Altertümliche Schweiz erneuern
Die dicken Gewinnmargen im Schweizer Sachversicherungsbereich um Motorfahrzeuge, Hausrat, Haftpflicht, Rechtschutz, Unfälle & Co. sind damit zwar (noch) nicht bedroht.
Besonders der Platzhirsch Swiss Life, mit einem exorbitanten Marktanteil im Bereich der Lebensversicherungen, muss sich da aber wappnen.
In der altertümlichen Schweiz mit vielen Uralt-Systemen ist im Digitalbanking, mit Online-Policen und über innovative Vermögensplattformen nämlich auch noch viel zu holen.
18.10.2026/kut.




