Seco-Chefin schmeisst den Bettel hin

Seco-Chefin Helene Budliger Artieda
Seco-Chefin Helene Budliger Artieda wirft das Handtuch. (Bild: PD)

Die Staatssekretärin Helene Budliger Artieda hat überraschend ihren Rücktritt erklärt. Sie hinterlässt viele Baustellen mit grosser Bedeutung für die Schweiz.

Nach rund fünf Jahren an der Spitze des Staatssekretariats für Wirtschaft Seco hat Staatssekretärin Helene Budliger Artieda ihre Kündigung auf März 2027 eingereicht.

Für die Nachfolge werde eine Findungskommission eingesetzt, teilte das Eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) von Bundesrat Guy Parmelin am Mittwoch mit.

Vorzug für einen Journalisten

Am vergangenen Freitag hatte Budliger Artieda am «Tag der Wirtschaft» von Economiesuisse in Luzern bereits ein merkwürdiges Verhalten an den Tag gelegt.

Für einige Journalisten war sie extrem kurz angebunden und wollte keine Fragen beantworten.

Doch mit Peter Fischer von der «Neuen Zürcher Zeitung» hatte sie dann erstaunlich viel Zeit verbracht, was schon die Gerüchteküche über mögliche Absprachen angeheizt hatte.

Budliger-Artieda suche eine neue Herausforderung, erklärte das Wirtschaftsdepartement nunmehr.

Viele Freihandelsabkommen

In ihrer Amtszeit verhandelte die aus dem Diplomatendienst stammende Budliger Artieda zahlreiche Abkommen für die Schweiz.

Mit dem Freihandelsabkommen mit Indien sei 2025 eine bedeutende Lücke geschlossen worden, würdigte das WBF die Seco-Chefin, die wegen ihrer lockeren Art verwaltungsintern sehr beliebt ist.

Gleichzeitig seien neue Freihandelsabkommen mit Thailand, Malaysia, dem Kosovo und den Mercosur-Staaten unterzeichnet worden, hiess es weiter vom WBF zur scheidenden Seco-Spitze.

Halbfertiges vorgelegt

Im Sommer 2026 konnten zudem die Verhandlungen über ein neues Freihandelsabkommen mit Vietnam sowie über modernisierte Abkommen mit dem Vereinigten Königreich und der Volksrepublik China erfolgreich abgeschlossen werden, jubelte das Seco.

Doch das sind alles noch Baustellen, weil noch nichts in der Praxis richtig funktioniert.

Beziehungen zu USA und EU unklar

Nicht funktionieren ist auch der richtige Begriff, wenn es um die grössten Handelspartner der Schweiz, der EU und den USA, geht.

Dort ist völlig unklar, wie es mit Brüssel und Washington weitergeht.

Böse Zungen behaupten, Budliger Artieda mache sich im richtigen Moment aus dem Staub.

Andere sagen, es sei das schwierige Spagat, für Freihandel zu werben, während sich die Schweiz und besonders SVP-Bundesrat Parmelin sehr protektionistisch verhalten.

Desaster um Arbeitslosengeld

In ihren Bereich gehört aber nicht nur, das Jetten durch die Welt.

Sie hat auch das Desaster um die inkorrekte Auszahlung von Arbeitslosengeld zu verantworten, was unlängst Wellen schlug. Zwar beteuert das Seco, die IT-Probleme mittlerweile im Griff zu haben.

Doch das hatten die Beamten auch behauptet, bis sich immer mehr Menschen bei Medien und Gewerkschaften meldeten, die entgegen den offiziellen Beteuerungen kein Arbeitslosengeld erhalten hatten.

Baldiger Rücktritt von Parmelin?

Parmelin bedauerte den Rücktritts-Entscheid von Budliger Artieda sehr.

Wahrscheinlich ist auch er nicht mehr lange Bundesrat, wie es in Bern hinter vorgehaltener Hand vielerorts heisst.

Dann muss jemand all die Baustellen nicht nur des Wirtschaftsministers, sondern auch noch der Seco-Chefin fertigstellen.

16.09.2026/kut.

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