
Das Bankhaus Vontobel kehrt Zürich nach über 100 Jahren den Rücken. Der Schweiz konnte mit dem Wegzug wohl kaum etwas Besseres geschehen.
Die Nachricht hat grosse Wellen geschlagen.
Das Zürcher Bankhaus Vontobel entwickele einen neuen Campus und verlege dadurch den Hauptsitz ins Zuger Baar.
Kunstsammlung und Restaurant
Der eigens für Vontobel konzipierte Campus solle 2030 eröffnet werden und bringe mehr als 1500 Mitarbeiter zusammen, die derzeit auf sieben Gebäude in Zürich verteilt seien, hiess es von dem Geldhaus.
Das Gebäude von Vontobel in Zürich am Bleicherweg werde zu einem erstklassigen Kundenstandort mit mehr als 300 Mitarbeitern umgebaut.
Er werde über erneuerte Empfangs- und Besprechungsbereiche sowie ein Private-Dining-Restaurant verfügen und künftig auch die Vontobel Kunstsammlung beherbergen, hiess es relativierend.
Volksentscheid bereits gefasst
Die Standortwahl sei nach sorgfältiger Evaluation auf den Lindenpark in Baar gefallen.
Der neue Campus werde auf rund 15.000 Quadratmetern Bürofläche eine den neuesten Standards entsprechende Infrastruktur und Platz für weiteres Wachstum bieten, begründete das Investmenthaus den Wegzug aus Zürich nach über 100 Jahren.
Auch eine Volksabstimmung zu dem Gelände sei bereits positiv entschieden. Die Zuger wissen eben, was Unternehmen lieben.
Nur wegen Steuersparen?
Umgehend setzten Bedauern und Kritik über den Wegzug ein.
Die Stadt Zürich jammerte und Medien kritisierten den Entscheid, dass die Vontobel Holding ihren Umzug nach Baar nur wegen des Sparens von ein paar Steuermillionen entschieden habe.
Doch der Wegzug von Vontobel aus Zürich sendet für die Schweiz ein wichtiges Signal.
Ständige Verbesserungen
Die Städte und Gemeinden sowie Kantone können sich nicht sicher sein, dass alles beim Alten bleibt.
Permanent müssen sie attraktive Bedingungen für Bürger und Unternehmen schaffen.
Andernfalls suchen selbst Traditionsfirmen, wie die 1924 in Zürich gegründete Bank Vontobel, das Weite.
Genf und Basel-Stadt betroffen
Genau dies war unlängst schon in Genf passiert.
Der Prüftechnikkonzern SGS erwog ebenfalls einen Umzug seines Headquarters in den steuergünstigen Kanton Zug, wie muula.ch berichtete.
Der Kanton Basel-Stadt machte auch eine lange Mine, wie eine Larve der Basler Fasnacht, als der Implantate-Hersteller Straumann ankündigte, seinen Hauptsitz ins Baselbiet zu verlagern.
Zumindest gewinnt die Schweiz aber noch das Rennen bei den Standortentscheiden.
OECD-Mindeststeuer als Mahnmal
Wettbewerb sorgt dafür, dass es Fortschritt und Besserungen gibt.
Viele Firmen, Politiker, Länder, Kantone und Organisationen versuchen aber, dem Konkurrenzkampf durch Kartellbildung auszuweichen.
Bestes Beispiel ist die OECD-Mindeststeuer, welche überall auf der Welt gelten sollte, damit Unternehmen nicht mehr an günstigere Standorte ausweichen können sollten.
Fass zum Überlaufen gebracht
Dann werden die Verantwortlichen aber träge und muten Bürgern, Unternehmen sowie Kunden immer mehr zu.
Bis diese dann doch die Reissleine ziehen, weil das Fass zum Überlaufen gekommen ist und nun wie Vontobel der Stadt Zürich nach über 100 Jahren die Treue verweigern.
Doch das ist gut, denn nur so strengt sich Zürich an, den eingeschlagenen Weg um 30er-Zonen, exorbitante Wohnraumkosten, Uralt-Büroraum & Co. anzugehen.
02.09.2026/kut.



