
Bei einer der wichtigsten Wasserstrassen der Welt, dem Rhein, geht nichts mehr. Im mehrfachen Sinn werden in Basel nun Erinnerungen an «Corona» wach.
Der Rhein war schon zur Römerzeit eine bedeutende Handelsroute.
Mittlerweile ist der Fluss zwischen Basel und seiner Mündung an der Nordsee eine der wichtigsten Wasserstrassen der Welt.
Boot quer zur Fahrtrichtung
Der Transport von Massengütern und Containern auf Schiffen ist so unschlagbar günstig, dass die Route stets an Popularität gewinnt.
Doch manchmal wird die Rheinschifffart unterbrochen.
Wie damals, am 28. September 1984, als der Schlepper «Vogel Gryff» den mit fast 1000 Tonnen beladenen Schubleichter «Corona» flussaufwärts unter die Mittlere Brücke in Basel schob und dabei das Gefährt ausser Kontrolle geriet.
Fast drei Wochen lag die «Corona» quer und zur Fahrtrichtung und machte die Schifffahrt nach Birsfelden BL sowie Rheinfelden AG unmöglich.
Ältere Basler erinnern sich sicher noch an das Spektakel, das viele Schaulustige angezogen hatte.
Rhein als Rinnsal
Einen solchen «Corona»-Moment gibt es derzeit wieder.
Der Rhein ist aufgrund der Hitze zu einem Rinnsal geworden und die Schiffe können kaum noch fahren.

Es bringt nicht einmal mehr etwas, weniger Ladung mitzunehmen, weil die Transportboote wegen des niedrigen Wasserstands entweder auf Grund stossen oder mehr Treibstoff verbrauchen würden, als sie im Inneren beispielsweise befördern.
Mehr Schiffe werden aus Rentabilitätsgründen dann auch nicht eingesetzt.
Lieferketten gefährdet
Mit einem Pegelstand von nur noch 17 Zentimetern bei Kaub (D) erreichte der Rhein am Mittwoch einen neuen historischen Niedrigstand und unterschritt den bisherigen Rekord von 25 Zentimetern aus dem Jahr 2018.
Dies teilte die Handelskammer beider Basel diesen Donnerstag warnend mit.
Mehr als zehn Prozent der Schweizer Importe gelangten über diesen Wasserweg ins Land und unverzichtbare Lieferketten seien gefährdet, hiess es weiter.
Logistikkosten um 50 Prozent höher
Drei Viertel der Unternehmen gaben in einer aktuellen Umfrage an, vom Niedrigwasser des Rheins betroffen zu sein.
Auch am Oberrhein, dem Abschnitt zwischen Karlsruhe und Basel, traf dies auf rund 75 Prozent der befragten Firmen zu, erklärte die Handelskammer.
Bei rund einem Fünftel seien die Logistikkosten um 50 Prozent oder mehr gestiegen.
Über 40 Prozent gaben an, ihre Logistikprozesse umzustellen, also etwa auf Lastwagentransporte umzusteigen.
Präsidentschaft nutzen
Der Rhein sei nicht irgendein Gewässer.
Er sichere als zentrale Verkehrsachse die Versorgung, die Wertschöpfung und den Wohlstand der Schweiz, hiess es dramatisch, mit der gleichzeitigen Forderung nach Massnahmen, als hätten sie noch nicht einmal etwas von finanziellen Schutzmöglichkeiten über Versicherungen und Optionen gehört.
«Dazu zählen der Ausbau und die Modernisierung der Infrastruktur, die Förderung technischer Innovationen in der Binnenschifffahrt sowie die Optimierung des grenzüberschreitenden Wasserstrassenmanagements.»
Die Schweiz könne dabei ihre aktuelle Präsidentschaft bei der Zentralkommission für die Rheinschifffahrt (ZKR) nutzen, die seit 1920 in Strassburg existiert und der neben der Schweiz auch Frankreich, Deutschland, die Niederlande und Belgien vertreten sind.
Die Zusammenarbeit geht aber seit 1815 einher, wie muula.ch unlängst berichtete.

Doch genau diese Zentralkommission gibt interessante Fakten diesbezüglich an.
Die Schweiz stellte ihre Präsidentschaft nämlich quasi fast genau unter diese Prioritäten um Modernisierung der Infrastruktur, Innovationen und Niedrigwassermassnahmen.
Eines besonderen Aufrufs bedarf es dazu also nicht.
Wochenlange Blockaden normal
Im neuesten ZKR-Wirtschaftsbericht ist zudem ersichtlich, dass sowohl das Transportvolumen als auch die Containerschifffahrt seit Jahren sinken.
Die Bedeutung der so hochgejubelten Wasser- und Handelsstrasse ist also im Rückwärtsgang.

Niedrigwasser könne normalerweise durchaus ein bis zwei Monate dauern, hiess es obendrein im ZKR-Bericht.
Die aktuelle Situation mit der Transportblockade auf dem Rhein ist also alles andere als überraschend und braucht keine Klimahysterie.
Stets auf Fakten achten
Genau dies erinnert aber auch an die Propagandaschlacht während der Coronavirus-Pandemie.
Es wurde vielerorts einfach etwas herausposaunt, ohne auf die Fakten zu achten.
Insofern erinnert die aktuelle Niedrigwasserphase nicht nur an den Schiffsunfall bei der Mittleren Brücke in Basel mit der «Corona», sondern auch an die Corona-Pandemie.
09.08.2026/kut.



