Eidgenossenschaft steckt Milliarde in Immobilien

Schweizer Botschaft in London
Die Schweizer Botschaft in London soll umfangreich saniert werden. (Bild: EDA / muula.ch)

Der Bund gibt für Gebäudesanierungen sowie für Neubauten nunmehr hohe Verpflichtungskredite frei. Wert- und Funktionserhalt benötigt aber noch mehr.

Beim Schweizer Staat herrscht Ebbe in den Kassen und dennoch müssen zivile Immobilien regelmässig gepflegt werden.

Sparen durch Sanieren

Damit der Bestand nicht vollkommen verlottert und keine grösseren Probleme für die Eidgenossenschaft entstehen, muss der Bund dennoch Sicherheits- und Sofortmassnahmen sowie Projekte mit vertraglichen Verpflichtungen durchführen.

Sanierungen können ja auch zu wirtschaftlicher Entlastung führen, etwa weil Energie- oder Heizkosten über den gesamten Lebenszyklus gespart werden.

Immobilienbotschaft 2026 Gesamtaufstellung
Gesamtaufstellung der Einzelimmobilien. (Screenshot: muula.ch)

Der Geldbedarf beläuft sich dabei auf fast 1 Milliarde Franken, wie aus der Immobilienbotschaft 2026 hervorgeht.

Der Betrag ergibt sich aus den eigentlichen Verpflichtungskrediten.

Doch hinzu kommen noch Vorstudien und Projektierungen sowie Nebenkosten, wie etwa die Auslagerung von Beamten während der Sanierungs- oder Umbauphasen, welche bei den Verpflichtungskrediten noch nicht enthalten sind.

Bund mit Seltenheit in London

Die Schweiz sitzt auf einem Immobilienschatz mit einem Anschaffungswert von rund 8,2 Milliarden Franken. Der tatsächliche Marktwert ist viel höher, weil viele der Objekte heutzutage kaum noch bezahlbar wären.

Da zählt etwa die Schweizer Botschaft in London dazu, weil sie sich seit 1922 an zentraler Lage im Stadtteil Marylebone befindet.

Sowohl das Grundstück als auch das Gebäude sind im Eigentum der Eidgenossenschaft, was in London eine Seltenheit sei, klopft sich der Bund selbst auf die Schultern.

Drei Gebäude zu einem Ensemble

Der aktuelle Botschafter in London, Dominique Paravicini, hat es einem Namensvetter oder möglicherweise sogar einem Verwandten zu verdanken.

1922 wurde die Liegenschaft des Eckgebäudes 21 Bryanston Square erstmals durch den damaligen Schweizer Botschafter Paravicini angemietet, hiess es in den Projektunterlagen.

1923 kamen die im Osten anschliessenden Liegenschaften 16-18 Montagu Place hinzu.

1962 konnten die drei Liegenschaften, also der Eckbau, 16-18 Montagu Place sowie 19 + 20 Bryanston Square, erworben werden.

Ausquartierung während der Bauphase

Der Denkmalschutz verhinderte aber regelmässig komplette Neubauten.

Doch nun plant der Bund, endlich wieder einmal Nägel mit Köpfen zu machen und Gebäudehülle, Haustechnik sowie Innenausbau nach über 50 Jahren an Betrieb am Ende ihrer Lebensdauer gesamtzusanieren.

Die Inbetriebnahme sei für 2031 vorgesehen, hiess es nunmehr zum Bauprojekt. Fast 100 Millionen Franken stehen dabei bereit. 

Anmiete und Bereitstellung erforderlicher Provisorien für Botschaftsbüros, Dienstwohnungen, Konsulat & Co. während der Bauzeit in London würden über ein separates Projekt abgewickelt, hiess es allerdings ohne eine Gesamtschau weiter.

Bundeskanzlei sorgt für sich

Die Sanierung und der Neubau der Nationalbibliothek verschlingen über 200 Millionen Franken.

Auch hier sei der Lebenszyklus überschritten.

In Bern soll es zudem die Bundeskanzlei schöner haben. Dafür veranschlagen die Beamten rund 66 Millionen Franken an der Monbijoustrasse 40.

Das Nationale Sportzentrum Magglingen (NSM) bekommt einen anderen Touch, nachdem Beton keinen Anklang fand und Holz her soll.

Weil es zu Verzögerungen kam, musste hier ebenfalls ein Provisorium her, um die Athleten zwischenzeitlich unterzubringen.

Verkäufe berücksichtigen

In Basel soll der Zoll ein neues Zuhause bekommen. Da es keine Immobilie zu kaufen gibt, soll grosszügig im Stücki Park angemietet werden.

Die Umbauten und das Zusammenführen mehrerer Standorte kosten erst einmal fast 60 Millionen Franken.

Die schöne Villa in der Innenstadt Basels, wo das Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit BAZG, derzeit untergebracht ist, soll verkauft werden.

Gigantische Position «Sonstiges»

Bei all den Projekten fehlt für die Öffentlichkeit allerdings eine Gesamtsicht, weil Verpflichtungskredite teils mit früheren Immobilienbotschaften bewilligt oder ungenutzt verstrichen sind.

Hinzu kommt, dass die eingebauten Kostenungenauigkeiten auch völlig danebengegangen sein könnten.

Wer nun schon auf die Medieninformation des Bundesamtes für Bauten und Logistik BBL zur Sanierung des Hauptgebäudes auf dem Landgut Lohn in Kehrsatz BE schaut, fragt sich, wann und wo die 9 Millionen Franken bewilligt wurden.

Vielleicht fällt dies alles unter die grosse Position «Sonstiges» von fast 200 Millionen Franken.

Kunstschatz in der Tiefgarage

Wer aber nur schon auf die Schweizer Botschaft in London schaut, sieht, wie weitsichtig Diplomaten mit dem Kauf der Immobilien waren.

Da darf es eigentlich über 100 Jahre später auch nicht an etwas Unterhalt und Weiterentwicklung fehlen.

In der Tiefgarage der Botschaft liessen die Schweizer Diplomaten vor einem Vierteljahrhundert sogar den britischen Künstler Banksy zahlreiche Kunstwerke vollbringen, was die Immobilie mit einem unschätzbaren Kunstschatz ausstattete, wie etwa «RTS», die «Basler Zeitung» oder die «SonntagsZeitung» berichteten.

Fehlerhafte Berechnungsgrundlagen

Trotz Ebbe in den Staatskassen sollte die Schweiz all ihre Immobilien logischerweise nicht verkommen lassen.

Eine Gesamtschau auf Dinge darf dabei aber ex-post auch nicht fehlen.

Eventuell sollte die Eidgenössische Finanzkontrolle EFK den Immobilienbestand des Bundes mal genauer unter die Lupe nehmen, schliesslich haben die Auditoren unlängst exorbitante Anstiege der Betriebskosten bei Bundesimmobilien festgestellt.

Die ganzen Projektpläne wären damit Makulatur.

Ewige Verzögerungen

Und die offene Ausschreibung für die Erneuerung der Schweizer Botschaft in London fand auch schon im Jahr 2022 statt. Es gewann das Studio Dia.

Der Verpflichtungskredit wird dann aber erst 2026 beantragt.

02.08.2026/kut.

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