Wirre Strategie um Zu- und Verkäufe bei Axpo

Stromkonzern Axpo
Das Volk darf für den Stromkonzern Axpo in Notlagen zahlen. (Bild: PD)

Der staatliche Stromkonzern Axpo hat wieder eine Akquisition getätigt. Details darf das Volk keine erfahren – zahlen schon. Das ist fragwürdig, genau wie die ganze Axpo-Strategie.

Der staatliche Stromkonzern Axpo wird rund 300 Kilometer westlich der schwedischen Hauptstadt Stockholm einen grossen Lithium-Ionen-Batteriespeicher entwickeln.

Der Batteriespeicher solle zur Bereitstellung von Systemdienstleistungen und zum Ausgleich von Preisspitzen eingesetzt werden, teilte das Stromunternehmen am heutigen Montag in einem Communiqué mit.

Axpo will den Bau der Anlage schon Anfang 2024 beginnen und am gleichen Standort eine Freiflächen-Solaranlage mit einer Leistung von bis zu 20 MW weiterentwickeln, hiess es.

Volk bleibt im Dunkeln

Die beiden Projekte umfassten eine Fläche von über 23 Hektaren. Die Firma Sens, Sustainable Energy Solutions Sweden, habe die Entwicklung beider Projekte zwar initiiert, doch Axpo habe die beiden Projekte am heutigen 15. Mai erworben.

Was die Hintergründe des Deals sind, darf das Volk aber nicht erfahren.

Über den Kaufpreis haben die beiden Parteien nämlich Stillschweigen vereinbart. Das ist merkwürdig, weil spätestens mit der Jahresrechnung hierzu ohnehin Angaben gemacht werden müssen.

Es bleibt ebenso ein Rätsel, warum Axpo solche Batterien nicht in der Schweiz entwickeln kann, wie die Strategie hinter dem Kauf der Fläche. Wird Axpo ein Immobilienkonzern?

Batterien entwickeln

«Dieses Projekt stellt einen der grössten Solar- und Batterieparks Schwedens dar und daher sind wir sehr stolz darauf, mit einem so renommierten und erfahrenen Partner zusammenzuarbeiten, um das Projekt erfolgreich weiterzuentwickeln», erklärte der CEO von Sens Henrik Boman.

Warum es aber gerade die Axpo braucht, ist völlig unklar.

«Axpo beschäftigt sich seit mehreren Jahren mit der Entwicklung, dem Bau und der kommerziellen Optimierung von Grossbatterielösungen», hiess es weiter im Communiqué.

Strom bei Mangellage?

Bis 2030 wolle das Schweizer Stromunternehmen eine erhebliche Menge an Speicherkapazität in Europa aufbauen, schrieb der Konzern lediglich.

Kommt gespeicherter Strom in einer Mangellage auch in die Schweiz oder behalten die ausländischen Regierungen diesen zurück, genau wie es mit Schutzmasken während der Coronavirus-Pandemie passiert ist?

Alles vollkommen unklar.

Immer wieder Schweden

Im März 2023 hatte die Axpo schon so ein Batterieprojekt in Schweden gekauft, damals aber von einem anderen Projektentwickler. Auch da will Axpo mit der Firma weiter zusammenarbeiten.

Wie die zwei Akquisitionen nun zusammenhängen und was die Axpo konkret vorhat, ist nicht transparent.

Es wurde damals aber schon der gleiche Satz über die Strategie im Communiqué zitiert.

Warum die Schweden so gerne an die Axpo verkaufen, dürfte wahrscheinlich mit dem hohen Kaufpreis zusammenhängen.

Wie heisst es doch so schön, wenn Alteigentümer aussteigen, sollten Investoren misstrauisch werden.

Volk musste retten

«Mit ihrer umfassenden Expertise im internationalen Energiehandel vermarktet Axpo die Batterien effektiv und sorgt so für eine optimale Auslastung der Speicher in der Systemdienstleistung und im Spotmarkthandel», führte der Staatsbetrieb diesmal weiter aus.

Wie gut diese «umfassende Expertise der Axpo im internationalen Energiehandel» tatsächlich ist, hat die Schweiz gerade erst am eigenen Leib gespürt.

Das Land musste der Axpo einen Notkredit von 4 Milliarden Franken sprechen, weil die Spekulationen der Stromfirma bei den Verwerfungen an den Energiemärkten nicht aufgegangen waren, wie muula.ch berichtete.

Insofern ist schon mal Vorsicht bei solchen Aussagen geboten.

Eine Untersuchung hatte zudem gravierende Probleme um falsche Kennzahlensysteme und falsche Anreize zutage befördert, wie auch muula.ch berichtete.

Wie es dabei weitergehen soll, verrät Axpo nicht. Die Stromfirma macht offenbar weiter wie bisher.

Joker in der Hand

Doch die ganze Strategie des Stromkonzerns ist völlig wirr.

So verkaufte die Axpo unlängst ihre extrem wertvolle Fünfprozent-Beteiligung an der Trans Adriatic Pipeline AG (TAP) an die anderen Aktionäre Fluxys und Enagás.

Laut dem Vertrag wird das belgische Unternehmen Fluxys ein Prozent und das spanische Unternehmen Enagás vier Prozent erwerben.

Beide Firmen werden somit zu jeweils 20 Prozent an TAP beteiligt sein, neben dem britischen Aktionär bp (20 Prozent), dem aserbaidschanischen Aktionär Socar (20 Prozent) und dem italienischen Aktionär Snam (20 Prozent).

Milliarden verschenkt

Warum die Axpo aus diesem Projekt ausgestiegen ist, das sie jahrelang mitfinanziert hat und wo sich die Schweizer Diplomatie richtig ins Zeug gelegt hat, bleibt ebenfalls im Dunkeln.

Der Wert der Transaktion belief sich zum Verkaufszeitpunkt auf 210 Millionen Euro.

Der Wert der ganzen Erdgaspipeline, die von Aserbaidschan bis nach Italien führt, lautete somit 4,2 Milliarden Euro.

Bei den hohen Erdgaspreisen sowie der Problematik um Energiesicherheit hätte die Schweiz sicher gut ein Mitspracherecht und ein Standbein bei dem Projekt behalten können.

Versorgungssicherheit als Ziel

«Der Gastransport über die TAP stellt sowohl für Haushalte als auch Unternehmen eine dringend benötigte Energiequelle dar und trägt zur Versorgungssicherheit der Schweizer Verbraucher bei», hatte Axpo-Group-CFO Joris Gröflin zu der Transaktion sogar erklärt.

Warum muss die Schweiz die Beteiligung dann verkaufen? Und warum greifen Belgien und Spanien dabei zu?

Axpo hatte dieses geostrategische Projekt eigentlich ins Leben gerufen. Weshalb steigt das Land nach der Fertigstellung vollkommen aus?

Milchkuh nicht wichtig

Kurz nach der Jahrtausendwende begann das Schweizer Energieunternehmen EGL, heute Axpo Solutions, die Entwicklung eines vierten Erdgaskorridors nach Europa in Erwägung zu ziehen.

Damals bestand die Vision von TAP darin, Erdgas zu wettbewerbsfähigen Bedingungen zu beschaffen und neue Versorgungsquellen zu erschliessen.

Muss man eine Kuh besitzen, um an die Milch zu kommen? Sicher nicht. Die Bezugsquellen sind ja vielseitig.

Doch muss man eine Erdgaspipeline besitzen oder zumindest Teileigentümer sein, um sicher an Erdgas zu kommen?

Wahrscheinlich ja, denn der Bezug lässt sich für ein Land nicht so rasch ändern.

Verkauf von 37,5 Prozent

«TAP trägt zur Versorgungssicherheit mit Erdgas in Europa und der Schweiz bei», steht wörtlich schon im Geschäftsbericht der Axpo-Gruppe 2012/13.

«Die Beteiligung stärkt die Position von Axpo im europäischen Erdgasgeschäft. Zudem wird sie ihre eigenen Gas-Kombikraftwerke in Italien, aber auch Schweizer Industriekunden und Stadtwerke beliefern können» hiess es weiter.

Die Beteiligung an der TAP betrug ursprünglich 42,5 Prozent und ist damals auf 5 Prozent reduziert worden, was zahlreiche Beobachter als strategischen Fehler der Schweiz interpretiert hatten.

Aus der Veräusserung von Beteiligungsanteilen an der Projektgesellschaft der TAP sei ohnehin bloss ein Erfolg von 35 Millionen Franken realisiert worden, stand damals im Geschäftsbericht.

Das heisst, für 37,5 Prozent machte die Axpo einen relativ kleinen Gewinn.

Volk hat nichts zu sagen

Mit dem aktuellen Betrag aus dem TAP-Verkauf wäre nach nur zehn Jahren der Axpo-Anteil aber auf einen Wert von rund 1,6 Milliarden Euro gekommen.

Ärgern müssten sich die Eigentümer der Axpo, das sind Kantone sowie die Kantonswerke.

Doch das ist ja der Staat, also das Schweizer Volk, und dieses müsste all die wilden Käufe und Verkäufe sowie die ganze Strategie eigentlich genau unter die Lupe nehmen.

Und um es abschliessend etwas positiver zu formulieren: Es braucht eine klare Strategie, damit Axpo die neuen Akquisitionen in Schweden nicht zu früh wieder verkauft.

15.05.2023/kut.

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