
Die Finanzindustrie ist von Künstlicher Intelligenz stark tangiert. Nun zeigt sogar der Vertreter Gottes auf Erden, dass es dringend Innovationen braucht.
Die traditionelle Finanzwelt steht an einem Scheideweg.
Entweder es gelingt ihr, Banking und Finanztransaktionen sicherer zu machen, oder die Kundschaft wendet sich neuen Formen von Geldgeschäften zu.
Kriminelle oftmals erfolgreicher
Dies zeigte selbst der neue Pontifex, wie dieser Tage bekanntwurde.
Papst Leo XIV. wollte kurz nach seiner Wahl zum neuen Vertreter Gottes auf Erden die Telefonnummer und Adresse in einem Bankkonto in Chicago ändern.
Doch obwohl er alle Sicherheitsfragen korrekt beantwortete, verlangte die Bankmitarbeiterin, dass Robert Francis Prevost persönlich in der Bank vorstellig werden sollte.
Die Begebenheit, die sein Jugendfreund Tom McCarthy derzeit überall zum Besten gibt, trifft einen Nerv.
Während Kriminelle ein Bankkonto nach dem anderen quasi problemlos leerräumen, kommen die Kunden meist nur mit viel Mühe an ihr eigenes Geld.
Eingriff auf höchster Ebene
Die Dame im Callcenter des Geldhauses in Chicago legte einfach den Hörer auf, als Prevost sagte, er sei der neue Papst Leo XIV.
Erst Kontakte zum Bankpräsidenten führten letztlich dazu, dass der neue Pontifex die Adresse und Telefonnummer in seinem Konto aktualisieren konnte.
Zur Begründung hiess es, die Firma wolle den neuen Papst als Kunden nicht verlieren, obwohl der Heilige Vater offiziell über kein Einkommen verfügt, sondern alle Wünsche einfach erfüllt bekommt.
Als US-Bürger muss er aber auch in den USA seine Steuern deklarieren und gegebenenfalls Abgaben leisten.
Stimmen klonen in Sekunden
Doch die irdische Bankbürokratie zeigt, dass sie aus der Zeit gefallen ist.
Künstliche Intelligenz KI kann Stimmen so echt nachahmen, dass kaum noch jemand in der Lage ist, die Echtheit auf Anhieb festzustellen. Gleiches gilt für Fotos und Videos.
Es ist mit den Tools aus dem Silicon Valley heutzutage binnen Sekunden möglich, Aussagen zu klonen oder zu verfälschen, Gesichter zu synthetisieren und ganze Videogespräche zu verändern.
Vier- oder sechsstellige Telefon-PIN und Transaktions-TAN sind laut Experten ebenfalls kaum noch sicher. Das Knacken von Passwörtern durch leistungsstarke Quantencomputer ist damit noch nicht einmal gemeint.
Für die Identifizierung von Kunden in der Finanzindustrie müssen daher neue Verfahren her beziehungsweise alles muss wieder persönlich erfolgen.
Veraltete Swisscom, Postfinance & Co.
Selbst herkömmliche Schweizer Video-Ident-Verfahren, bei denen Mitarbeiter von Swisscom & Co. die Ausweise von Personen über das Internet prüfen, reichen heutzutage kaum noch aus.
Kriminelle nutzten Deepfakes für Identitätsdiebstahl, Kreditbetrug und das Öffnen gefälschter Konten. Da braucht es eine technische Aufrüstung in der Finanzindustrie.
Und bei der staatlichen Postfinance wurde das «gelbe Gerät» zum Einloggen seit über einem Jahrzehnt nicht stark weiterentwickelt, obwohl sich der technische Fortschritt und Cyberkriminelle rasant bewegen.
Wer einmal in einem Postfinance-Konto drin ist, kann Transaktionen quasi ohne weitere Autorisierung einfach ausführen. So etwas sind wohl kaum mehr tragbare Zustände in der heutigen Zeit in einem Land, wie die Schweiz.
AHV-Pensionen für den Vatikan
Die Schuld oder eine Teilschuld tragen bei Kriminalfällen mittlerweile immer die Kunden.
Die Kulanz der Schweizer Geldhäuser sinkt angesichts immer mehr und immer teurerer Schadenfälle auch immer weiter.
Doch selbst die Schweizer AHV zahlt Pensionen in den Vatikan, wie muula.ch unlängst berichtete, weshalb es eine eindeutige Identifizierung von Kontoinhabern braucht.
Mehrstufige Verfahren nötig
Multi-Faktor-Verfahren, bei denen biometrische Erkennung und aktive Live-Analysen von Blinzeln, Kopfbewegungen sowie kryptographisch abgesicherte Tests erfolgen, sind dabei die Schlagworte der Zukunft für Bankgeschäfte.
Dokumentenforensik, wie automatisierte Prüfungen von Hologrammen, oder sogenannte eIDs dürften die Sicherheitschecks ergänzen.
Andernfalls wechselt die Kundschaft zu Institutionen, welche die Sicherheit für Finanzgeschäfte garantieren.
Persönliche Bekanntheit
Trotz aller Technik bleibt aber das Dilemma: Zu strenge oder komplexe Regeln frustrieren die Kunden – wie selbst der neue Papst zeigt.
Zu lasche Regelungen öffnen Betrügern einfach Tür und Tor.
Die Episode um Leo XIV. mit seinem Bankkonto in Chicago verdeutlicht, dass etwa eine sichere eID für den Heiligen Vater geholfen hätte. Doch so etwas hat der Vatikan noch nicht herausgegeben.
Als einziger Ausweg bliebe dem Papst noch die Vatikanbank – die hätte ihn wohl persönlich gekannt.
10.05.2026/ena.





