Helvetia-Gruppe macht wieder Fehler

Die Helvetia-Versicherungsgruppe in St.Gallen
Die Helvetia-Gruppe gibt sich eine neue Konzernstruktur. (Bild: PD)

Die Versicherungsgruppe Helvetia hat zwar mit Fabian Rupprecht einen neuen CEO. Doch der macht den zweiten Schritt vor dem ersten.

Die Helvetia-Gruppe ist wirklich vom Pech verfolgt. Da hat sie mit Fabian Rupprecht einen neuen Konzernchef gefunden.

Doch dem fällt nach über sechs Monaten im Amt nichts anderes ein, als eine neue Konzernstruktur zu präsentieren.

Spanien wird wichtiger

Helvetia stärke die internationale Dimension der Gruppe, teilte der Versicherungskonzern am heutigen Donnerstag mit. Gleichzeitig komme es zu personellen Wechseln in der Konzernleitung, hiess es weiter.

Per 1. Juli 2024 werde Spanien ein eigenes Segment und Teil der Konzernleitung. Damit werde der Bedeutung von Spanien als zweitgrösstem Markt von Helvetia künftig Rechnung getragen, hiess es zur Begründung.

Die neue Sparte werde zudem von dem Spanier Juan Estallo geleitet, der bisher CEO von Liberty Seguros Europa war und per 1. September 2024 zu Helvetia stosse.

Österreicher steigt auf

Die Markteinheiten Deutschland, Italien und Österreich bildeten ein eigenes Segment unter dem Namen GIAM (German, Italian and Austrian Markets). Neuer Leiter des Segments GIAM sowie Mitglied der Konzernleitung werde per 1. Juli 2024 der Österreicher Thomas Neusiedler.

Er übernehme diese Rolle zusätzlich zu seiner Aufgabe als CEO Helvetia Österreich.

All dies geschieht, ohne eine konkrete Begründung anzugeben. Die Schweiz und Specialty Markets bleiben jedenfalls als separate Segmente bestehen.

Kein Wort zur Strategie

Drittens teilt Helvetia die bisherigen Konzernleitungsbereiche Group Corporate Center und Group Actuary neu zu. Es kommt zu Pensionierungen und Neueintritten auf zahlreichen Positionen.

Der neue Helvetia-CEO wollte sich unlängst bei der Präsentation der Jahresergebnisse 2023 kein einziges Wort über die Strategie der Gruppe aus der Nase ziehen lassen, wie muula.ch berichtete.

Erst im Dezember 2024 wolle sich der Versicherer dazu äussern.

Fakten schaffen ohne Ziel

Am heutigen Donnerstag überrascht der Helvetia-Konzern nun plötzlich mit einer neuen Struktur, die eigentlich voraussetzt, dass ein Unternehmen seinen strategischen Weg kennt.

Eine ökonomische Binsenweisheit besagt nämlich, dass die Struktur eines Unternehmens der Firmenstrategie folgen muss.

Wer nicht weiss, was er will, kann sich dafür auch nicht optimal ausrichten.

Neue Konzernleitung der Helvetia-Gruppe
Die neue Helvetia-Konzernleitung besteht aus zehn Personen. (Bild: PD)

Erst eine neue Struktur zu geben und dann zu schauen, was damit zu schaffen ist, geht eigentlich für professionelle Firmen nicht. Insofern unterläuft Helvetia wohl wieder ein Fehler.

Bereits früher fiel der Konzern nicht mit Glanzleistungen auf, wie muula.ch regelmässig berichtete.

Will Helvetia beispielsweise im wichtigen deutschen Versicherungsmarkt wachsen, müsste Deutschland eventuell ein eigenes Segment sein.

Zentrale gegen lokale Märkte

«Mit der neuen Konzernstruktur passen wir die Führung von Helvetia nun entlang dieser positiven Entwicklung an», wird Rupprecht in dem Communiqué zitiert.

Gleichzeitig stärke der Versicherer die Gruppenfunktionen, behalte aber die vollständige lokale Markt- und Ergebnisverantwortung bei.

Wenn also in St.Gallen etwas auf Konzernebene entschieden wird, tragen die lokalen Einheiten dafür die Verantwortung. Da ist Streit praktisch schon vorprogrammiert.

Implizite Strategie kommunizieren

Gewiss muss ein neuer Firmenchef sein Netzwerk aufbauen und auch Vertrauenspersonen auf Schlüsselpositionen heben.

Doch ohne zu wissen, wo der Konzern langfristig hingehen will, machen Strukturänderungen wenig Sinn. Vielleicht hat Helvetia dann nämlich die falschen Leute.

Helvetia hat aber auch ein Problem am Hals, falls der Versicherer intern bereits über eine neue Strategie verfügt und es der Öffentlichkeit bloss nicht sagt.

Investoren müssen solch wichtige Informationen einer Firma normalerweise umgehend erfahren.

16.05.2024/kut.

Helvetia-Gruppe macht wieder Fehler

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert