
Die Schweiz stritt eine Einmischung des Auslandes bei der Notfusion von CS mit der UBS stets ab. Doch nun verplappert sich die Finanzmarktaufsicht erneut.
Die Medienkonferenz der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht Finma ist im Gegensatz zu anderen Behörden immer interessant.
Sowohl die Präsidentin Marlene Amstad als auch Direktor Stefan Walter sind es nämlich nicht gewohnt, vor der Presse zu reden, und lesen daher jedes Wort vom Blatt ab.
Direktor spricht Klartext
Doch bei der Fragerunde ist ihnen die Angst vor den Journalisten mit viel Stottern dann regelmässig anzumerken – und bei einer solchen Anspannung passieren natürlich Fehler.
Diesmal räumte die Schweizer Finanzmarktaufsicht überraschend ein, dass Entwicklungen im Ausland die Ursache für den Untergang der Credit Suisse (CS) waren.
Zwar liess Finma-Präsidentin Amstad in ihrer Ansprache beim Aufzählen ausserordentlicher Ereignisse, welche in den vergangenen Jahren einen Einfluss von aussen auf die Schweiz ausgeübt hatten, Angaben zur CS noch wohlweislich weg.
Doch Finma-Direktor Walter erklärte etwas später, dass als im Jahr 2023 die CS mit der UBS notfusioniert wurde, der «Schock von aussen» auf die Schweiz kam (Zeitstempel 48. Minute).
Systematischer Meinungsumschwung
Dies ist bemerkenswert, weil die offizielle Schweiz bisher eine Einmischung vom Ausland vehement ausgeschlossen hat.
Selbst die Parlamentarische Untersuchungskommission PUK zum Untergang der CS hatte auf eine Frage von muula.ch erklärt, sie hätten keine Hinweise, dass die Notfusion der CS mit der Grossbank UBS etwas mit den USA zu tun gehabt hätte.

Und Finanzministerin Karin Keller-Sutter hat unlängst auch ihre Meinung geändert und den wahren Grund für den Untergang der CS am WEF in Davos ausgeplaudert, wie muula.ch berichtete.
Brisantes Datum verraten
Es ist aber nicht das erste Mal, dass sich die angespannten Herren und Damen der Finanzmarktaufsicht vor der Presse verplappern.
Wie muula.ch ebenfalls berichtete, bewilligte die Finma den Zusammenschluss von CS mit der UBS schon einige Tage, bevor die Liquiditätsprobleme der Krisenbank überhaupt akut wurden.
Das brisante Datum hatte die damalige Finma-Direktorin Birgit Rutishauser an der Medienkonferenz ausgeplaudert; wahrscheinlich war es der typische Freud’sche Versprecher.
«NZZ» springt Taskforce bei
Den meisten Journalisten fallen solch wichtige Details gar nicht mehr auf.
Exemplarisch für den traurigen Zustand der Schweizer Wirtschaftspresse darf die Frage der Journalistin von der «Neuen Zürcher Zeitung» an die Finma herhalten.
Sie wollte mit Nachdruck wissen, wie viele Mitarbeiter die Finma in ein Projektteam für das Länderexamen der internationalen Arbeitsgruppe «Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismusfinanzierung» (FATF) steckt.
Belangloser geht es wohl kaum.
UBS zahlt 15 Prozent mehr
Viel wichtiger wäre die Nachfrage gewesen, warum die Finma immer mehr reguliert, was sich an der Explosion ihrer Kosten zeigt.
Im vergangenen Jahr stiegen die Betriebsaufwände um rund 12 Prozent. Die Zahl der unbefristeten Vollzeitstellen legte innerhalb eines Jahres sogar um 20 Prozent auf 735 zu.
Allein die UBS als letzte verbliebene Schweizer Grossbank musste 2025 an den Regulator über 15 Prozent mehr an Aufsichtsabgaben als noch 2024 abdrücken.

Neuen Aufgaben und Themen sowie die Umsetzung der «Lessons Learned» aus der CS-Krise führten bei der Finma zu steigenden Aufwänden, hiess es im mittlerweile publizierten Communiqué.
Ausweichender Finma-Direktor
Ob der Schweiz mit all der Regulierung die Rettung der Grossbank UBS bei einer allfälligen Krise erspart bleibt?
Auf diese Frage wollte Finma-Direktor Walter nicht antworten und wich mehrfach aus.
Jeder weiss wohl, dass die Amerikaner mit der Schweizer Grossbank UBS machen können, was sie wollen.
21.04.2026/kut.





