Bank der Ultrareichen nimmt Anleihemarkt unter die Lupe

Die Privatbank Pictet in Zürich
An der Zürcher Bahnhofstrasse findet sich auch die Genfer Privatbank Pictet. (Bild: muula.ch)

Die Genfer Privatbank Pictet gibt manchmal Anlageempfehlungen heraus. Diesmal geht es um Euro-Staatsanleihen mit guter Entwicklung.

Die Genfer Privatbank Pictet, die besonders viele Ultrareiche zu ihrer Kundschaft zählt, hat sich öffentlich zum Anlegen in Anleihen geäussert und dabei insbesondere Staatsanleihen im Euroraum ins Gespräch gebracht.

Auslaufen von Steuerboni

Demnach war das Wachstum in den Peripherieländern der Eurozone in diesem Jahr dank der starken Bautätigkeit in Italien und des Aufschwungs im Tourismus, insbesondere in Spanien, zwar relativ robust.

Die Privatbank gehe aber davon aus, dass das Wachstum Anfang 2024 gedämpft sein werde, bevor es wieder etwas anziehe, wie aus dem jüngsten Analyse-Report zu dem Thema hervorgeht.

In Italien seien die schwache globale Nachfrage, die Auswirkungen der hohen Zinssätze und das allmähliche Auslaufen der Steuergutschriften, dem sogenannten Superbonus, die Hauptrisiken, hiess es dort.

Gleichzeitig dürfte das steigende Realeinkommen der privaten Haushalte die Wirtschaftstätigkeit weiterhin als Stütze dienen, führten die Experten weiter aus.

Gesamtrendite über 12 Prozent

Die Fiskalpolitik wird aber laut den Privatbankern von Pictet auch im nächsten Jahr ein zentrales Thema bleiben, da die Gefahr besteht, dass die öffentlichen Finanzen, insbesondere in Italien, aus dem Ruder laufen.

Beiden EU-Ländern drohe im Frühjahr 2024 ein Verfahren der Europäischen Union wegen eines übermässigen Defizits, mahnten die Finanzspezialisten.

Die Anleihen der Euro-Peripherie haben aber eine robuste Marktperformance gezeigt. Zehnjährige italienische und spanische Staatsanleihen haben sich besser entwickelt als etwa ihre französischen und deutschen Pendants, führte Pictet positiv aus.

So lag am 15. Dezember 2023 die Total-Return-Performance, also die Gesamtrendite, in diesem Jahr in Euro bei 12,1 beziehungsweise bei 7,9 Prozent.

Heraufstufung der Assets

Da keine wesentlichen Verbesserungen der Wirtschaftsaussichten oder der öffentlichen Finanzen in Sicht sind, erwartet Pictet, dass sich die Spreads 10-jähriger italienischer und spanischer Staatsanleihen gegenüber etwa der deutschen Bundesanleihe im nächsten Jahr in einer klaren Bandbreite bewegen werden.

Das Intervall der Spreads dürfte zwischen 150 und 200 Basispunkten in Italien und zwischen 80 und 110 Basispunkten in Spanien liegen.

Aufgrund der günstigen Renditen von 3,7 Prozent für 10-jährige italienische Staatsanleihen und 3,0 Prozent für ihre spanischen Pendants änderte die Privatbank aber ihre Haltung gegenüber Staatsanleihen der Peripherie und stufte diese Anlagen von «untergewichten» auf «neutral» nach oben.

Für risikofreudige Anleger rückt diese Assetklasse also noch etwas mehr in den Fokus.

Strukturreformen als Problem

Die Inflationsdaten rücken aber in den nächsten Monaten in den Mittelpunkt der Finanzmärkte, um den Zeitpunkt der ersten Zinssenkung zu bestimmen.

Das Pictet-Basisszenario sieht vor, dass die Europäische Zentralbank EZB im Juni mit den Zinssenkungen beginnen werde, wobei das Risiko eines früheren Zinsschritts im April bestehe. Vieles hänge dabei aber auch von der US-Zentralbank Fed ab, hiess es.

Letztlich favorisiert Pictet allerdings die Übergewichtung von Euro-Staatsanleihen der Kernländer, da diese über mehr fiskalischen Spielraum verfügen als Italien oder Spanien, wo weiterhin Risiken für die mittelfristige Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen bestünden.

Die Marktteilnehmer würden wahrscheinlich nicht nachsichtig sein, wenn es zu fiskalischen Fehlentwicklungen komme oder die Regierungen dieser Länder es versäumen, dringend benötigte Strukturreformen durchzuführen.

Dann wären die schönen Gesamtrenditen natürlich wieder weg.

28.12.2023/kut.

Bank der Ultrareichen nimmt Anleihemarkt unter die Lupe

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert