Amerikaner holen Militärschrott aus der Schweiz ab

Ein US-Transportflugzeug auf dem Millitärflughafen Emmen LU
In Emmen holte eine US-Militärmaschine ausrangiertes Fluggerät der Schweiz ab. (Bild: PD)

Die Schweiz hat den USA zahlreiche Kampfjets des Typs F-5 veräussert. Gab es einen ordnungsgemässen Verkaufsprozess?

Am heutigen Montag wurde auf dem Militärflughafen in Emmen LU ein Kapital zugeschlagen.

Die Amerikaner holten den ersten von 22 Kampfjets des Typs F-5 Tiger ab, den ihnen die Schweiz verkauft hat.

Millionen zurück zum Bund

Bereits am Freitag sei dazu in Emmen eine Lockheed KC-130J der United States Marine Corps gelandet, wie das Bundesamt für Rüstung Armasuisse am heutigen Montag mitteilte. An Bord dieses Transportflugzeuges befindet sich der Kampfjet, den die Schweiz ausrangierte.

Der Umfang des Verkaufs bestünde aus 16 F-5E (Einsitzer), 6 F-5F (Doppelsitzer), Boden- und Ersatzmaterial, Lagerung der Flugzeuge in der Schweiz und Bereitstellungsarbeiten für den Transport in die USA.

Der Verkaufserlös zugunsten der Schweizerischen Eidgenossenschaft betrage rund 32,4 Millionen Dollar, hiess es weiter.

Stückweiser Rückkauf

Ein Grossteil der in den 1970er und 1980er Jahren beschafften F-5 Tiger, für deren Anschaffung die Schweiz damals rund 1,2 Milliarden Franken an Kredit aufgenommen hatte, war bereits zu einem früheren Zeitpunkt verkauft worden.

Die amerikanischen Seestreitkräfte (US Navy) kauften von der Schweiz vor einigen Jahren schon 44 F-5 Tiger. Die Schweiz hatte dafür rund 50 Millionen Dollar erhalten.

Interessant wäre nun die Frage, ob die Eidgenossenschaft nicht noch einen besseren Preis für die ausrangierten Flugzeuge, deren Informationsblatt aus dem Jahr 1974 von Bund ins Internet gestellt wurde, hätte erhalten können.

Ostblock zeigte Interesse

Doch nach dem Theater mit den verkauften Panzern in Italien bei der Ruag, über das auch muula.ch berichtete, will dieser Frage wohl niemand wirklich nachgehen.

Spannend ist, dass bereits in früheren Jahren der Ostblock an diesen Fluggeräten interessiert war und mindestens vier dieser Kampfjets auch indirekt erhalten hatte.

Nach dem Ende des Vietnamkrieges lieferte nämlich Nordvietnam von ihren Beutemaschinen mindestens zwei F-5E an die Sowjetunion und 1977 je eine an Polen und die damalige Tschechoslowakei zur genauen Auswertung.

Kunstflugstaffel und Testflüge

Die Schweizer Armee hat derzeit noch 25 F-5 Tiger im Bestand, wovon aktuell 18 eingesetzt würden, wie es weiter im Communiqué hiess. Sie entlasten die Flotte der F/A-18 Hornet und dienen der Zieldarstellung, zu Schulungszwecken, als Schleppflugzeug und für Testflüge.

Rund die Hälfte der F-5 Tiger wird von der Kunstflugstaffel Patrouille Suisse für Flugvorführungen genutzt.

Finanzkontrolle ist gefragt

Gegen die Ausserdienststellung hatte es im Parlament von der SP etwas Protest gegeben. Doch der Bundesrat hatte die Verschrottung mit Kostenüberlegungen erklärt. Die in den 1970-er Jahren konzipierten Tiger-Flugzeuge in der Schweizer Konfiguration erreichen in wenigen Jahren das Ende ihrer technischen Lebensdauer.

Die Schweiz schätzte die Lebensdauer aber anders als andere Staaten ein. Klar, es sollten laut den Militärs lieber neue Kampfjets her.

Selbst ein Kampfjet für das Luzerner Verkehrshaus wäre für die Steuerzahler viel zu teuer geworden. Insofern holte Armasuisse noch etwas Geld herein – ob dies ein guter Verkauf war, könnte ja die Eidgenössische Finanzkontrolle EFK einmal genauer untersuchen.

18.03.2024/kut.

Amerikaner holen Militärschrott aus der Schweiz ab

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert