
Das Siechtum bei Lindt & Sprüngli hat personelle Konsequenzen. Doch statt Strategiefehler einzugestehen, erkennt die Schoggifrma nur operative Mängel.
Der Kilchberger Schoggikonzern Lindt & Sprüngli trennt sich von seinem CEO.
Adalbert Lechner verlasse nach 33 Jahren das Unternehmen und der Verwaltungsrat habe die Nachfolgesuche eingeleitet, teilte Lindt & Sprüngli am Montag überraschend mit.
Gemächlicher Zeitplan
Der 65-jährige Lechner war seit 2022 Konzernchef von Lindt & Sprüngli.
Der Verwaltungsrat unter der Leitung von Ernst Tanner sei allerdings nunmehr der Meinung, dass eine neue operative Führung nötig sei, um zu starkem Wachstum zurückzukehren und Marktchancen weltweit wieder effektiv ausschöpfen zu können, hiess es weiter.
Spätestens im zweiten Quartal 2027 wolle die berühmte Schokoladenfirma eine Nachfolge für den geschassten Lechner gefunden haben, erklärte Tanner zum Zeitplan.
Europa im Fokus
Zwischenzeitlich muss die alte Garde wieder selbst operativ tätig werden.
Dieter Weisskopf, Vizepräsident des Verwaltungsrats und ehemaliger CEO der Gruppe, übernehme mit sofortiger Wirkung als Interim-CEO die operative Leitung von Lindt & Sprüngli.
Der 71-jährige Weisskopf wolle sich in den kommenden Monaten vor allem darauf konzentrieren, das europäische Geschäft wieder auf Wachstumskurs zu bringen, erklärte der Lindt-Manager und langjährige Finanzchef der Gruppe.
Dringende Massnahmen
Das Siechtum der Schoggifirma, welches sich in einer Implosion des Aktienkurses manifestiert, soll auch durch personelle Neuanfänge in Deutschland und Österreich gestoppt werden.
Michal Spiller, CEO Deutschland, werde das Unternehmen ebenfalls verlassen und Ali Kulein, derzeit CEO Österreich, bekomme die Position.
Fabian Reinhardt, Leiter Global Sales, werde Kulein als CEO Österreich ablösen.
Beide Wechsel träten per 26. Oktober in Kraft, was verdeutlicht, wie dringend die Massnahmen sind.
Fehlgeschlagene Preisstrategie
Mit dem Stühlerücken auf operativer Ebene weist der Verwaltungsrat die Verantwortung für das Debakel um falsche Preissetzung & Co. von sich.
Allerdings darf bezweifelt werden, dass der Verwaltungsrat keine Schuld an der Fehleinschätzung bezüglich der Preiselastizität der Nachfrage bei Lindt & Sprüngli trägt.
In europäischen Supermärkten sind besonders die Schokoladenprodukte der Kilchberger zu Ladenhütern geworden, wie muula.ch regelmässig berichtete.
Doch das Unternehmen lenkte bis auf kleine Rabattaktionen kaum ein. Die Stapel an Lindt-Schoggi wurden jedoch immer höher.
In Deutschland waren Lindt-Osterhasen für horrende 9,99 Euro regelrecht zu einem Hasssymbol der Konsumenten, statt eines Premiumprodukts geworden.
Tanner bleibt im Amt
Die Verbraucher griffen immer mehr zu günstigeren Marken, bis Lindt & Sprüngli in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal die Wachstumsziele nach unten korrigieren musste.
Verwaltungsratspräsident Tanner, dessen Kopf vielerorts öffentlich für das Debakel gefordert wurde, rettete mit dem Rausschmiss des CEO seine eigene Haut.
19.10.2026/kut.




