Bitcoin Suisse gefährdet den Firmennamen

Luftballons von Bitcoin Suisse
Bei Bitcoin Suisse zerplatzt viel Hoffnung. (Bild: muula.ch)

Die Zuger Kryptofirma Bitcoin Suisse will dutzende Mitarbeiter in der Schweiz entlassen. Das Unterfangen zieht aber weitere Probleme nach sich.

Die Schweizer Krypto-Welt hat einen weiteren schweren Rückschlag erlitten.

Der Zuger Anbieter von Krypto-Dienstleistungen Bitcoin Suisse baut hierzulande dutzende Stellen ab, wie das Portal «finews.ch» berichtete, das eine Kooperation mit Bitcoin Suisse hat.

Unklare Angaben

Der Kahlschlag beim Personal soll rund die Hälfte der noch 120 Stellen in der Schweiz umfassen.

Andere Medien sprachen sogar davon, dass 70 Personen von den Kündigungen betroffen und diese teils bereits ausgesprochen seien.

Auszug in die weite Welt

Die Firma selbst begründet den Stellenabbau mit einer Ausrichtung zur internationalen Vermögensverwaltung.

Im Zuger «Crypto Valley» wird es also immer ruhiger.

Wie muula.ch berichtete, erhielt Bitcoin Suisse sowohl in Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten als auch auf den Bermudainseln zahlreiche Bewilligungen.

Komplexität steigt

Doch der Zuger Vermögensverwalter ist beispielsweise auch in Dänemark, der Slowakei, in Liechtenstein sowie nun generell in der EU aktiv.

Mit immer mehr Baustellen steigt allerdings auch die Komplexität und in der schnelllebigen Krypto-Welt um Bitcoin, Ethereum, Solana, Ripple & Co. häufen sich Fehltritte.

Nur schon die Zeitverschiebung beim nie ruhenden Blockchain-Geld ist oft eine Herausforderung.

Wertschöpfung entscheidet

Mit der Verlagerung aus der Schweiz weg zu kostengünstigeren Standorten und kryprofreundlicheren Regionen als die Schweiz kommt aber ein neues Problem hinzu.

Der Firmenname Bitcoin Suisse ist gefährdet, weil die Wertschöpfung nicht mehr zum überwiegenden Teil hierzulande stattfindet.

Ein Urteil erwirkte diesbezüglich unlängst das Eidgenössische Institut für Geistiges Eigentum (IGE).

Swissness geht flöten

Es gewann vor dem Handelsgericht Bern gegen die BDSwiss AG, die binnen drei Monaten den Bestandteil «Swiss» aus dem Namen und das Schweizerkreuz aus ihrem Logo entfernen muss.

«Unternehmen dürfen ihre Services als Schweizerische Dienstleistung bewerben, sofern sich ihr Geschäftssitz in der Schweiz befindet und sie tatsächlich von der Schweiz aus verwaltet werden», hatte das IGE damals gemahnt, weil Swissness weltweit ja immer noch ein Gütesiegel darstellt.

Wenn Bitcoin Suisse also viele Tätigkeiten fast nur noch im Ausland erbringt, könnte eine Umfirmierung auf der ganzen Welt notwendig werden.

Vergleichsweise hohe Kosten

Ohnehin ist die ganze Unternehmensstrategie bei der Zuger Firma, die im Jahr 2013 ins Leben gerufen worden war, fragwürdig.

Wer in den Jahresabschluss im schwierigen Börsenjahr 2022 blickt, sieht bei Bitcoin Suisse beispielsweise Gebühreneinnahmen von nur rund 21 Millionen Franken und Erträge aus Services von rund 13 Millionen Franken.

Bitcoin Suisse Jahresrechnung 2022
Der Personalaufwand von Bitcoin Suisse lag schon über 44 Millionen Franken. (Screenshot: muula.ch)

Doch der Personalaufwand lag damals schon ohne Abu Dhabi, Bermuda, EU & Co bei über 44 Millionen Franken.

Hinzu kamen noch Verwaltungskosten von rund 14 Millionen Franken. Bei solchen Dimensionen wird das Eigenkapital von rund 111 Millionen Franken sicher rasch aufgezehrt.

Fokus verloren

Kunden wollen aber einen sicheren Krypto-Verwahrer, der zudem fachkompetent ist.

Ins Leere schaute aber auch regelmässig, wer von Bitcoin Suisse klare Antworten zur Entwicklung der Krypto-Welt erfragte.

Bestes Beispiel war der Marktausblick, den Bitcoin Suisse diese Woche in Zürich veranstaltete. Er fokussierte sich praktisch nur auf normale Makroökonomie der Welt.

Doch dafür brauchen Investoren die Schweizer Kryptofirma nicht.

Prophezeiungen abgegeben

Vor einem Jahr hatten die Experten von Bitcoin Suisse sogar lautstark einen Bitcoin-Kurs von 180.000 Dollar je Bitcoin für 2026 prognostiziert.

Aktuell dümpelt der Bitcoin-Kurs jedoch bei 77.000 Dollar herum und zeigt, wie weit die Zuger «Fachleute» bisher von der Realität entfernt sind.

Familienfirma im engeren Sinn

Die Frau des aktuellen Bitcoin-Suisse-CEO Andrej Majcen, Ceyda Majcen, ist CEO der Tochtergesellschaft von BTCS Middle East.

Zahlreiche Beobachter fragen sich, ob eine solche Konstruktion für komplexe Finanzgeschäfte um Bitcoin, Ethereum, Solana, Ripple & Co. günstig ist.

Letztlich trägt aber insgesamt die Schweiz und besonders die kryptofeindliche Regulierung dazu bei, dass sich die Unternehmen ausserhalb des Landes umsehen (müssen).

12.09.2026/kut.

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