Schweiz setzt auf nutzloses Notzahlungssystem

Ein Mobiltelefon an einem Zahlungsterminal

Regelmässig fallen Zahlungssysteme aus. Doch statt einer brauchbaren Lösung für Notfälle zu entwickeln, präsentiert die Schweiz nur ein Flickenwerk.

Viele Menschen glauben, dass die Schweiz organisatorisch und technologisch an vorderster Front mitspielt.

Doch Notlagen, wie das Grouding der Swissair oder die Brandkatastrophe von Crans-Montana mit über drei dutzend Todesopfern, zeigen dann die Realität.

Auf lebenswichtige Güter beschränkt

Ein funktionierender elektronischer Zahlungsverkehr im Detailhandel sei zentral für die Versorgungssicherheit, teilte das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) diese Woche hochtrabend mit.

Banken, Zahlungsdienstleister und Detailhändler hätten unter Federführung des BWL und der Schweizerischen Nationalbank (SNB) vereinbart, freiwillig Offline-Kartenzahlungen einzuführen.

Doch in den Details zeigt sich dann quasi der Quatsch in Tüten.

Neben Bargeld als wichtige Alternative zu digitalen Zahlungsmitteln solle sichergestellt werden, dass die Bevölkerung auch bei vorübergehenden Ausfällen der Daten- oder Kommunikationsverbindungen lebenswichtige Güter bargeldlos kaufen kann, hiess es weiter.

Späteres Auslesen

Das Kartenlesegerät (Terminal) speichere die Transaktion und übermittele sie, sobald die Verbindung nach einem Notfall wieder verfügbar sei, lautete der Mechanismus.

Erst dann erfolgten die Verarbeitung und die Belastung des Kartenkontos, so die Beteiligten.

Dieser Mechanismus ist vergleichbar mit Zahlungen in einem Flugzeug, bei dem die Transaktionen erst nach der Landung ausgelesen werden.

Durcheinander an den Kassen

Welches Chaos regelmässig bei Detailhändlern um Coop, Migros & Co. einsetzt, falls die Kundschaft nur schon für ein paar Stunden nicht mehr digital zahlen kann, braucht wohl kaum beschrieben werden.

Die Horrormeldungen und persönlichen Anfeindungen an den Kassen kursieren ständig durch die Medien, wenn Detailhändler nur noch Bargeld akzeptieren, welches die Kundschaft allerdings kaum noch in ihren Brieftaschen hat.

Auch Ablehnung möglich

Die Schweiz setzt nun auf ein völlig unbrauchbares System. Zahlbar sind im Notfall nur lebenswichtige Güter, wie Nahrungsmittel, Medikamente und Treibstoff.

Es könnte aber auch sein, dass keine Zahlung möglich ist, erklären Bundespräsident Guy Parmelin, SNB-Präsident Martin Schlegel und der Delegierte für wirtschaftliche Landesversorgung, Roland Pfister, der schulterzuckenden Bevölkerung zur Funktionsweise.

Warum im Notfall nicht einfach weiter unbescholten eingekauft werden kann, erschliesst sich vielen Beobachtern nicht.

Die Risiken, dass ein Konto letztlich nicht gedeckt ist, könnte ja die SNB für das Land tragen. Es geht ohnehin nur um ein paar Tage bei einem komplexen Zahlungsausfall im Detailhandel.

Begrenzung in der Betragshöhe

Die Schweizer Offline-Funktion wird obendrein weder zentral noch auf behördliche Anordnung aktiviert.

Sie greife automatisch, sobald ein Zahlungsterminal keine Verbindung mehr zum Zahlungsanbieter herstellen könne, erklärte das BWL.

Wenn also künftig die Zahlung von Bier im Supermarkt nicht möglich ist, könnte es an der Offline-Zahlungsfunktion liegen. Lebensnotwendig wäre Bier ja nicht unbedingt.

Die Offline-Zahlungen sind der Zahl und Höhe nach zudem begrenzt. Eine vierköpfige Familie hat es da wohl schwerer als Singles in der Schweiz.

Physische Karte nötig

Doch der wohl grösste Unsinn sind die Zahlungen selbst. Sie sind nämlich auf physische Debit- und Kreditkarten mit PIN-Eingabe beschränkt.

«Kontaktlose Zahlungen sowie mobile Bezahlverfahren, etwa mit Handy oder Smartwatch, können im Offline-Betrieb nicht unterstützt werden», hiess es.

Doch genauso zahlen die meisten Schweizer.

Bezahl-Apps haben die Kreditkarten schon längst beim Zahlen überholt, wie aus der Zahlungsmittelumfrage der SNB hervorgeht.

Ausländer ausgegrenzt

Und noch ein grosses Fragezeichen produzieren die Verantwortlichen.

Die Offline-Funktion sei auf inländische Karten beschränkt, als würden Ausländer in der Schweiz in der Not keine Lebensmittel, Medikamente oder Treibstoff brauchen.

Fluggesellschaften machen ja solche Unterscheidungen auch nicht.

Lobende Worte

«Die Schweiz ist das erste Land in Zentraleuropa mit einer breit abgestützten Lösung zur Stärkung der Resilienz des elektronischen Zahlungsverkehrs», klopfen sich SVP-Bundesrat Parmelin, SNB-Chef Schlegel und BWL-Delegierter Pfister selbst auf die Schultern.

Wer es glaubt, kann es ja mal auf einen Notfall ankommen lassen.

Fällt nämlich nur das Zahlungssystem von Postfinance, Twint oder von der Grossbank UBS für ein paar Stunden aus, gibt es ja bei Coop, Migros & Co. schon Chaos.

26.08.2026/kut.

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