
Schweizer Hotels haben im 1. Halbjahr weniger Übernachtungen verzeichnet. Während einige Nationen die Schweiz meiden, kommen andere vermehrt.
Die Schweizer Hotellerie ist erfolgsverwöhnt und eilte nach der Coronavirus-Pandemie von einem Gästerekord zum nächsten.
Doch im ersten Semester 2026 ging die Zahl der verzeichneten Übernachtungen deutlich zurück, wie das Bundesamt für Statistik BFS am Dienstag bekanntgab.
Paar Millionen Umsatz weniger
Die Hotels in der Schweiz verzeichneten demnach von Januar bis Juni 2026 rund 20,3 Millionen Logiernächte, was einem Rückgang um 0,7 Prozent beziehungsweise 143.000 Logiernächte zur Vorjahresperiode entsprach.
Bewertet man diese fehlenden Übernachtungen beispielsweise mit 150 Franken, fehlen im Vergleich zum Vorjahressemester rund 21,5 Millionen Franken in Schweizer Hotelkassen.
Die Schätzung verdeutlicht, dass die Situation alles andere als dramatisch ist. Selbst, wenn alle Gäste eine Suite für 1000 Franken die Nacht gebucht hätten, wäre das Umsatzminus in der Logis der Gesamtbranche lediglich bei 143 Millionen Franken.
Schweizer kommen vermehrt
Einheimische Gäste konnten das Minus bei Ausländern nicht ausgleichen.
Zwar generierten die inländischen Gäste rund 10,1 Millionen Logiernächte, was einem Plus von 0,7 Prozent beziehungsweise +69.000 Logiernächten entsprach.

Rund 10,2 Millionen Logiernächte gingen auf das Konto ausländischer Gäste.
Dies war ein Rückgang um deutliche 2,0 Prozent beziehungsweise 212.000 Übernachtungen innerhalb von 6 Monaten.
Keine Flugkapazität
Aus den Details zu den touristischen Beherbergungen des BFS geht aber weiter hervor, dass deutlich weniger Golfaraber und Inder in die Schweiz kamen.
Die Rückgänge bei den Übernachtungszahlen lagen jeweils um die 30 Prozent gegenüber dem Vorjahressemester.

Dies dürfte mit der Situation um den US-israelischen Angriffskrieg auf Iran zusammenhängen, bei dem zahlreiche Verbindungen der Golfcarrier Emirates, Qatar Airways und Etihad einfach eingestellt wurden.
Andere Fluggesellschaften verlangten mit den exorbitanten Kerosinpreisen deutlich mehr für ihre Tickets.
Swiss lanciert neue Indien-Verbindung
Normalerweise entfliehen ja viele Menschen gerade aus Nahost der Sommerhitze in die Schweiz.
Wie dramatisch die Situation teils war, zeigt der Umstand, dass die Schweizer Fluggesellschaft Swiss eine weitere tägliche Verbindung nach Delhi aufnahm und von einer sehr guten Auslastung spricht.
Es fehlt für indische Gäste schlicht die Transportkapazität, um in die Schweiz zu gelangen.
Nachbarn mit Schweiz-Trips
Dieses Problem haben andere Nationen nicht und nutzen die Lücken, um in die Schweiz zu kommen.
Das BFS registrierte im ersten Halbjahr steigende Logiernächte bei Frankreich mit +3,7 Prozent und Italien mit +1,5 Prozent, was die ausbleibenden Saudi, Emirati, Inder & Co. allerdings nicht kompensieren kann.
Ansturm aus China
Aber noch eine Nation bereitet Sorgen. Die grössten Fans der Schweiz, die Deutschen, machen nämlich auch einen Bogen um das Land. Die Zahl der Logiernächte sank um 2,2 Prozent.
Doch nach der Coronavirus-Pandemie sind die Übernachtungen der Chinesen in Schweizer Hotels ab 2022 um 600 Prozent gestiegen.
Des einen Freud ist tatsächlich des anderen Leid. Und die Schweizer Hoteliers können einen kleinen Rückgang angesichts der Rekordzahlen wahrscheinlich gut wegstecken.
05.08.2026/kut.



