
Schweizer Forscher erklären, warum Plug-in-Hybride oft mehr verbrauchen als angegeben. Dabei räumen sie mit einem Mythos der Elektromobilität auf.
Fahrzeuge mit Plug‑in‑Hybrid-Antrieb sollen den Übergang zur Elektromobilität erleichtern.
Sie können kürzere Strecken rein elektrisch zurücklegen und bieten für längere Fahrten einen Verbrennungsmotor als Backup.
Verkürzung der E-Nutzung
Unter idealen Bedingungen fahren Plug‑in‑Hybride lange elektrisch und verursachen entsprechend geringe Schadstoffemissionen.
Doch unter realistischen Alltagsbedingungen geht ihr Effizienzvorteil weitgehend verloren, wie Schweizer Forscher der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa nun bekanntgaben.
Tiefe Temperaturen, eingeschaltete Heizung und dynamisches Fahren verkürzten die elektrische Reichweite aber deutlich, hiess es weiter.
Neue Daten erhoben
Bisher stützten sich Erkenntnisse zum tatsächlichen Verbrauch von Plug‑in‑Hybriden vor allem auf im Fahrzeug erhobene Alltagsdaten, ohne Informationen zu Umgebungstemperatur, Heizbetrieb oder Fahrweise zu berücksichtigen.
Der Verbrennungsmotor schalte früher und häufiger zu, wodurch der Treibstoffverbrauch sowie CO₂‑ und Schadstoffemissionen teils stark stiegen, zeigten systematische Untersuchungen von zwölf aktuellen Plug‑in‑Hybrid‑Personenwagen auf dem Rollenprüfstand im Empa-Labor.
Grosse Batterien regelmässig laden
Die Analysen der Empa zeigten zudem, dass das Gesamtdesign der Plug‑in‑Hybride ebenfalls einen Einfluss hat.
Schwere Fahrzeuge benötigen mehr Energie pro Kilometer.
Bei Plug‑in‑Hybriden verstärke das zusätzliche Gewicht von Batterie und Antrieb diesen Effekt und könne dazu führen, dass sich der Verbrennungsmotor früher und häufiger zuschalte, erklärten die Empa-Forscher das Problem.

Unter ungünstigen Bedingungen sinke aber die elektrische Reichweite deutlich, während Treibstoffverbrauch sowie CO2- und Schadstoffemissionen anstiegen.
Auch sehr grosse Batterien entfalteten ihren Vorteil nur dann, wenn sie regelmässig geladen würden und die Fahrprofile zur elektrischen Reichweite passten, hiess es mahnend.
Gleichzeitig erhöhe das zusätzliche Gewicht von Batterie und Antrieb dauerhaft den Energiebedarf.
Ursachen gefunden
Ob die Fahrzeuge ihren Umweltvorteil im Alltagsgebrauch tatsächlich ausspielen, hänge stark von der Nutzung, den Umgebungstemperaturen und dem Fahrzeugdesign ab, lautete das Fazit der Schweizer Forscher.
Besonders regelmässiges Laden, das Fahrverhalten und Fahrzeugeigenschaften, wie Gewicht, spielten dabei eine entscheidende Rolle, so die Resultate.
Es ist also nicht so, dass Plug-in-Hybride stets gute Kompromisse auf dem Weg zur Elektromobilität darstellen.
Sogar schlechter als Benziner
Die Empa-Forscher brachten es sogar auf den Punkt:
«Wenn jemand ein Plug‑in‑Hybrid besitzt und das Fahrzeug nicht regelmässig lädt, fährt diese Person de facto einen schwereren Verbrenner», machte Empa-Studienleiterin Miriam Elser klar.
Durch das zusätzliche Gewicht von Batterie und Elektromotor könne der Verbrauch sogar höher liegen als bei einem vergleichbaren konventionellen Benziner.
So etwas bringt dann auf dem Weg zur Elektromobilität wenig.
17.07.2026/kut.



