
Die Baloise-Gruppe wurde von einer «Heuschrecke» angegriffen und existiert nicht mehr. Bei der Swatch Group könnte nun Ähnliches passieren.
Am Anfang nahm es das Management der Baloise-Gruppe noch auf die leichte Schulter.
Der Angreifer Cevian investierte in den Basler Versicherungskonzern, und dies sei doch ein gutes Zeichen, hiess es offiziell.
Harmlos klingendes Begehren
Dann versetzte aber der kleine Vermögensverwalter zCapital dem Versicherer mit einem ungewöhnlichen Antrag an die Generalversammlung (GV) den Todesstoss.
Dieser langjährige Aktionär beantragte nämlich, bei Baloise die Vinkulierung aufzuheben und das System «eine Aktie – eine Stimme» einzuführen.
Mit dem Wegfall der Stimmrechts- und Eintragungsbeschränkung wären Grossaktionäre in der Lage, eine andere Firmenstrategie umzusetzen.
Selbst die Zerschlagung der Gruppe wäre dadurch möglich gewesen.
Vorher hätte der Verwaltungsrat solche Begehren einfach mit der Vinkulierung auf 2 Prozent abgelehnt.
Stimmrechtsberater halfen nach
Doch über 75 Prozent der Baloise-Aktionäre fanden den Antrag zur Aufhebung der Aktionärsrechtebeschränkung dann an der GV überraschend gut.
Geholfen hatte den Initianten, dass sich die Stimmrechtsberater der «Stärkung der Aktionärsdemokratie» anschlossen.
Sowohl ISS (Institutional Shareholder Services), Glass Lewis und die Anlagestiftung Ethos als auch der Schweizer Spezialist für Corporate Governance Inrate stimmten trotz des Widerstandes des Verwaltungsrates dafür und erhielten das qualifizierte Mehr.
Investor kauft Aktienpaket
Der Initiant zCapital erklärte noch im Vorfeld, der Baloise-Verwaltungsrat sei mit seiner ablehnenden Haltung isoliert.
Das Ende der Geschichte ist bekannt. Cevian verkaufte einem strategischen Investor seine Baloise-Aktien kurz vor der GV und dies ebnete eine Schweizer Lösung.
Statt einer Zerschlagung der Baloise wurde sie in die Helvetia-Gruppe integriert und verschwand.
Investor verlangt Änderungen
Nun gibt es viele Schweizer Traditionsfirmen mit Stimmrechtsbeschränkungen oder Hürden, damit sie nicht zu Übernahmeobjekten werden.
In jüngster Zeit sorgte die Bieler Swatch Group diesbezüglich immer wieder für Schlagzeilen.
Der Investor Steven Wood von Greenwood Investors will in das Aufsichtsgremium des Uhrenkonzerns einziehen und eine andere Firmenstrategie mit den bekannten Marken Swatch, Tissot, Omega, Hamilton, Rado, Mido, Breguet & Co. umsetzen.
Er hat nicht einmal 1 Prozent der Stimmrechte, doch Wood will vieles bestimmen. Genauso hatte es bei der Baloise-Gruppe mit Cevian auch einst angefangen.
Über 20 Tonnen Gold locken
Einmal scheiterte Wood mit dem Vorhaben bei der Swatch Group schon.
Doch diesmal ist der aktivistische Investor aus New York cleverer vorgegangen und hat im Vorfeld allen Aktionären den komplizierten Abstimmmechanismus auf der GV der Swatch Group erklärt.
Zudem besteht Wood laut einem juristisch formulierten Schreiben darauf, neben seinem Einzug in den Verwaltungsrat künftig auch physische GVs durchzuführen und den seit 1992 amtierenden Wirtschaftsprüfer PwC auszutauschen.
Letzteres ist interessant, denn bei Swatch schlummern über 20 Tonnen Gold in der Bilanz zu Anschaffungskosten. Mittlerweile ist daraus ein Schatz geworden.
Andere Investoren überzeugen
All diese Begehren erhielten nun Zustimmung vom Stimmrechtsberater ISS, wie Greenwood Investors aus New York, die Firma der «Heuschrecke», am Montag selbst bekanntgab.
Mit der Zustimmung von ISS steigen die Erfolgsaussichten von Wood an der GV vom 12. Mai, weil viele Aktionäre so stimmen, wie es die Stimmrechtsberater empfehlen.
Am Dienstagabend publizierte auch die Schweizer Anlagestiftung Ethos ihre Kritik an der Corporate Governance der Swatch Group.

Somit könnte der aktivistische Investor, obwohl er nicht einmal über 1 Prozent der Stimmrechte verfügt, dennoch in den Verwaltungsrat der Swatch Group einziehen.
Die Corporate Governance, wie angeblich nicht unabhängige Verwaltungsräte, muss da als eine Begründung herhalten.
Der Bieler Uhrenkonzern hat sich zur Abwehr bisher nur mit einem zusätzlichen Schweizer im Verwaltungsrat «bewaffnet», wie muula.ch berichtete.
Einjährige Wahlen als Zusatzproblem
Das von der Unternehmerfamilie Hayek dominierte Unternehmen dürfte es schwer haben, den aktivistischen Investor abzuschütteln.
Gewisse strategische Fragezeichen und schlechte Resultate machen den Uhrenkonzern zu einem idealen Angriffsziel.
Eine Zerschlagung wäre lukrativ, weil die einzelnen Uhrenmarken, die weltweiten Immobilien sowie die Tonnen an Gold sicher separat mehr wert sind, als gebündelt in einer Gruppe.
Mit der einjährigen Wahl von Verwaltungsräten in der Schweiz ist ohnehin der Austausch aller Mitglieder des Aufsichtsgremiums auf einen Schlag möglich und damit ein Strategiewechsel bei einer Firma viel einfacher.
Die Schweiz sollte sich da eventuell überlegen, dieses jährliche Prozedere wieder rückgängig zu machen.
USA nehmen Schweiz ins Visier
Mit dem Ansinnen, eine bessere Corporate Governance zu schaffen, können die Angreifer offensichtlich mittlerweile viel in der Schweiz erreichen.
Sie haben die US-dominierten Stimmrechtsberater und damit institutionelle Investoren auf ihrer Seite.
Leidtragende sind die Schweizer Traditionsfirmen, die über den Verwaltungsrat feindliche Übernahmen abwehren wollen.
Doch dies dachte das Management des Versicherers Baloise zunächst auch – und dann verschwand das Traditionsunternehmen nach über 160 Jahren auf Nimmerwiedersehen.
28.04.2026/kut.





