
Die Schweiz hat viel mit ihren Nachbarländern gemeinsam. Doch etwa bei Finanzfragen unterscheiden sich die Ansichten kolossal, wie zu Deutschland.
Die Schweizer haben sich gerade in einer Volksabstimmung für die Individualbesteuerung entschieden.
Ehepartner müssen also künftig separat Steuererklärungen einreichen, was faktisch die Aufteilung des Vermögens bedeutet, und quasi schwierige Fragen einer Scheidung vorzieht.
Beibehalten der Schicksalsgemeinschaft
Die Deutschen wollen von solchem Gebaren aber nichts wissen, wie eine Umfrage ergab.
In einer repräsentativen Befragung des Meinungsforschungsinstituts CIVEY für den Nachrichtensender «WELT TV» zeigt sich keine Mehrheit in der Bevölkerung für ein solches Reformvorhaben.

So befürworten nur 35 Prozent der Deutschen eine Abschaffung des sogenannten Ehegattensplittings, was der gemeinsamen Steuerveranlagung in der Schweiz entspricht. Rund 48 Prozent waren strikt dagegen.
Die Schicksalsgemeinschaft Ehe wollen die Deutschen also anders als die Schweizer nicht antasten.
Solidargemeinschaft anders
Die Nachbarn im «grossen Kanton im Norden» wollen in anderen Finanzfragen auch nicht den Schweizern folgen.
So lehnte mit 54 Prozent die Mehrheit der über 2500 repräsentativ Befragten auch einen Reformvorschlag der deutschen Regierung zum Ende der beitragsfreien Mitversicherung von Familienmitgliedern in der gesetzlichen Krankenversicherung ab.
Nur 34 Prozent plädieren für die Abschaffung.

In der Schweiz muss sich jede Person, selbst Kinder, in der obligatorischen Grundversicherung bei Helsana, CSS, Assura, Visana, Swica, Groupe Mutuel & Co. separat versichern.
Kostenlose Mitversicherung von Familienmitgliedern kennt die Schweiz nicht und zeigt sich somit diesbezüglich sozial gefühlsarm.
Ausfälle beim Staat von 16 Milliarden
Doch noch in einem Punkt ticken die Deutschen anders als Schweizer, wie die Umfrage weiter ergab.
So machte die Regierung in Deutschland den Reformvorschlag, wegen des Anstiegs der Lebensmittelpreise auf die Mehrwertsteuer für Nahrung zu verzichten.
Eine solche Mehrwertsteuer-Streichung bei Lebensmitteln würde jeden Haushalt um 15 bis 30 Euro pro Monat entlasten, hatten Ökonomen in «Die Welt» vorgerechnet.
Dies würde immerhin zu geringeren Staatseinnahmen von rund 16 Milliarden Euro pro Jahr führen.

Dass der reguläre Mehrwertsteuersatz in Deutschland erhöht und im Gegenzug die Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel gesenkt werde, stösst aber bei 53 Prozent der Befragten auf Ablehnung.
Nur 27 Prozent der Deutschen wären für eine solche Reform der Mehrwertsteuer.
Staat schröpft überall
In der Schweiz hätte die Streichung der unbeliebten Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel wahrscheinlich bessere Chancen.
Die Mehrwertsteuer startete in der Schweiz erst 1995 mit einem Normalsatz von 6,5 Prozent. Nun liegt dieser Wert bereits bei 8,1 Prozent und Schweizer Politiker wollen immer mehr – das Volk hat jedoch vielerorts genug von dieser Steuer.
Es werden ja bereits das Arbeiten und das Sparen zur Genüge besteuert.
Da braucht es nicht noch das Schröpfen des Konsums, so lautet das Schweizer Verständnis im Gegensatz zu anderen Europäern, wo die Mehrwertsteuer bereits bei 20 und mehr Prozenten liegt.
30.03.2026/ena.






Das die Deutschen ein völlig anderes Verständniss im Bereich „Steuern“ als die Schweizer haben, ist nicht erst seit gestern bekannt. Dies begründet sich unter anderm in einem völlig anderen Verständnis vom „Staat“ als solchen.