
Der US-israelische Angriffskrieg auf Iran trifft Schweizer in ihrer Ferienplanung. Das Ausfallen der Drehkreuze Dubai oder Doha ist noch das kleinste Übel.
Der eskalierende Konflikt zwischen den USA, Israel und der Islamischen Republik Iran wirkt sich nicht nur auf die Golfregion, sondern auch auf die schönsten Wochen des Jahres vieler Schweizer negativ aus.
Dunkle Wolken am Himmel
Airlines streichen ihre Flugpläne zusammen und passen Routen an. Die Drehkreuze in Nahost Dubai, Doha und Abu Dhabi fallen praktisch vollständig aus.
Die Ticketpreise steigen spürbar und teils in exorbitante Höhen.
Branchenvertreter rechnen damit, dass die Einschränkungen noch Monate, wenn nicht Jahre anhalten werden.
Kurzstrecke wird auch teurer
Besonders fällt sofort der starke Anstieg der Treibstoffpreise ins Gewicht.
Die Unsicherheiten an den Erdölmärkten sowie das Sperren der strategisch wichtigen Strasse von Hormus verteuerten den Kerosinpreis deutlich. Fluggesellschaften reagieren mit Treibstoffzuschlägen, die dreistellige Beträge erreichen.
Selbst Flüge innerhalb Europas sind davon betroffen – es wirkt sich also auch für Schweizer nicht nur auf Fernreisen, sondern auch auf der Kurzstrecke aus.
Meilentickets auch betroffen
Die Fluggesellschaft Swiss hatte noch vor wenigen Tagen an der Medienkonferenz auf eine Frage von muula.ch erklärt, für die kommenden 6 Monate rund 85 Prozent ihres Treibstoffbedarfs abgesichert zu haben.
Nichtsdestotrotz führte Swiss zusammen mit dem Mutterhaus Lufthansa umgehend neue Zuschläge auf die Flugtickets ein und greift damit den Passagieren in ihre Reisekassen.
Dies kommt zu Umweltzuschlägen noch hinzu und ohnehin erhöhten Lufthansa, Swiss & Co. die Zuzahlungen bei Meilentickets, welche das Kundenbindungsprogramm noch mehr entwerten.
Umsteigeverbindungen unter Druck
Noch gravierender dürften aber die Auswirkungen auf die Flugrouten sein.
Aus Sicherheitsgründen meiden Airlines die Lufträume über der Golfregion. Wegen des Ukraine-Krieges ist der Luftraum über Russland auch tabu.
Dies zwingt Fluggesellschaften zu weiträumigen Umleitungen – mit längeren Flugzeiten und höheren Kosten.
Dies wirkt sich sogar schon negativ auf die Herbst- und Winterreisesaison 2026/27 aus, wenn jemand in die Wärme nach Australien oder auf die Pazifikinseln Fidschi, Bora-Bora, Samoa & Co. fliegen will.
Business-Class zu Spottpreisen
Gleichzeitig geraten wichtige Umsteigeflughäfen unter Druck.
Die grossen Drehkreuze in Dubai, Doha und Abu Dhabi, die bisher als zentrale Knotenpunkte für Verbindungen nach Asien, Afrika und Australien dienten, sind derzeit nur eingeschränkt nutzbar.
Verbindungen werden gestrichen, Flugpläne ausgedünnt oder kurzfristig angepasst, obwohl selbst Business-Class-Tickets zu Spottpreisen angeboten werden.

Qatar Airways, Etihad und Emirates bieten die Tickets sogar als flexible Option mit vollständiger Erstattung an.
Selbst Luxushotels kosten inklusive Frühstück und Abendessen in Dubai, Doha und Abu Dhabi weniger als 100 Franken pro Nacht.
Doch wer will schon auf die Malediven, nach Sansibar oder nach Mauritius beziehungsweise in die Sommerhitze der Golfregion in die Ferien mit dem Risiko fliegen, dass die Verbindungen abgesagt oder tage- beziehungsweise sogar wochenlang verschoben werden, selbst wenn es günstig ist?
Wohl niemand.
Frühes Buchungsverhalten betroffen
Teurere Ticketpreise, die Änderungen von Flugrouten sowie deutlich längere Reisezeiten lassen viele Schweizer umdenken.
Der Preis ist für Schweizer Reisende ohnehin das wichtigste Buchungskriterium, wie der Reiseveranstalter Dertour Suisse unlängst in einer Analyse bekanntgab.
Und laut Tui Suisse buchen Schweizer immer früher, was sich nun mit der aktuellen Krise in Nahost negativ auswirkt.
Manche Veranstalter lassen Änderungen von Reisen erst zu, wenn die konkrete Strecke betroffen ist. Auch Reiseversicherungen zahlen erst bei konkreten Ausfällen.
Die Planungen der schönsten Wochen des Jahres werden so zu Zitterpartien.
Dominikanische Republik gefragt
Die Top-Frühlingsdestinationen der Schweizer, wie Thailand, Japan, Malediven oder das Sultanat Oman, sind von all den Problemen in Nahost klar betroffen.
Reiseexperten sehen ein Umschwenken zur Dominikanischen Republik mit Santo Domingo, Punta Cana beziehungsweise Puerto Plata oder auf die Kurzstrecke in Europa.

Klassische Reiseziele um das Mittelmeer erleben einen Nachfrageschub, wobei die Ziele nahe der Golfregion an Attraktivität verlieren.
Selbst Top-Sommer-Reiseziele, wie Antalya oder Ägypten, meiden Feriengäste aufgrund der geografischen Nähe zur Krisenregion, obwohl sie bisher nicht betroffen sind.
Balkonien als Alternative
Für Schweizer Reisende bedeutet all dies klar, höhere Kosten, weniger Auswahl und deutlich längere Wege, falls es auf eine Fernreise gehen soll.
Nicht wenige liebäugeln daher mit Ferien auf Balkonien – der momentan wohl sicherste und günstigste Erholungsort der Welt.
29.03.2026/kut.





