
Der Bundespräsident und Schweizer Wirtschaftsminister Guy Parmelin tritt auf Jahresende zurück. Die Begründung klingt aber ziemlich unplausibel.
Es hatten die Spatzen schon von vielen Schweizer Dächern gezwitschert
SVP-Bundesrat und Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung WBF hat nunmehr seinen Rücktritt zum Ende 2026 und zum Ablauf seines Präsidialjahres erklärt.
Würdigung der eigenen Leistung
Vor den Medien in Bern sagte Parmelin (Jg. 1959) am Freitag, er habe am Morgen seine Bundesratskollegen über den Entscheid informiert.
Parmelin erklärte, nach elf Jahren im Amt sei es für ihn und die Schweiz ein günstiger Zeitpunkt für einen personellen Neuanfang gekommen.
Er habe viel für das Land erreicht und hob beispielsweise die zahlreichen Freihandelsabkommen mit Indien, Thailand und Mercosur hervor.
Starke Rückenschmerzen
Immer wieder war über den Gesundheitszustand des Waadtländers spekuliert worden.
Parmelin konnte beispielsweise bei der Begrüssung von US-Präsident Donald Trump in Genf unlängst kaum aufrecht gehen.
Auch zu seiner Medienkonferenz am Freitag in Bern kam er in gebückter Haltung.
Die Rückenprobleme sind also offensichtlich.
Neue Energie nötig
Dennoch erklärte der SVP-Bundesrat, sein Rücktritt sei keine Frage der Gesundheit gewesen.
Aber das politische Klima und die Geschwindigkeit der Tagespolitik seien schon brutal geworden, so der scheidende Bundespräsident.
Hinter vorgehaltener Hand hiess es vielerorts, es brauche für die wichtigen Themen um US-Handel, das EU-Paket der Schweiz und Migrationsfragen, neue Energie.
Eine devote Haltung gegenüber den USA bringe nichts. Bei Freihandelsabkommen, wie etwa bei Thailand, machte Parmelin viel zu viele Zugeständnisse, quasi nur, um ein Abkommen abschliessen zu können.
Eigene Kandidatur vorgesehen
Seine Partei dankte ihm umgehend in einem Communiqué und bedauerte den Rücktritt sehr.
Parmelin habe grosses Engagement zugunsten der Schweiz und der Schweizer Bevölkerung erbracht, hiess es weiter.
Die SVP Schweiz werde bei der Ersatzwahl mit einer eigenen Kandidatur antreten, erklärte die wählerstärkste Partei des Landes.
Umgehend schossen die Spekulationen in die Höhe.
Erlösung für Politiker
Parmelin war bei seiner Rücktrittserklärung viel weniger emotional als etwa Doris Leuthard, der man die Tränen und die Trauer um den Verlust des Amtes angesehen hat.
Daher wird bei Bundesrat Parmelin vermutet, dass der Rücktritt für ihn schon eine Erlösung darstellt.
Er wolle sich nun mehr um Familäres kümmern, das in der Vergangenheit zu kurz gekommen sei, sagte der Politiker vor den Medien.
Nutzlose Runde Tische
Parmelin, der 2015 anlässlich der Gesamterneuerungswahlen als Nachfolger von Eveline Widmer-Schlumpf (BDP) in die Landesregierung gewählt worden war, ist natürlich auch nicht unumstritten.
Der Weinbauer predigte oft Freihandel und hielt sich selbst nicht daran. Noch am Donnerstagabend hat er Schweizer Winzern einige Vorteile verschafft.
Zahlreiche Bedingungen in internationalen Abkommen bringen der Schweiz zudem ohnehin nicht viel.
In Erinnerung wird Parmelin aber bei vielen Schweizern mit seinen grossen «Runden Tischen» zur Exportwirtschaft, zum Mietrecht, zum Wohnungsmangel, zur Energiekrise & Co. bleiben, die der Romand regelmässig einberufen hat.
Doch die haben allesamt praktisch nichts gebracht.
02.10.2026/kut./Meldung ausgebaut




