Schon vier kontroverse Analysen zum Untergang der CS

Das Logo der Credit Suisse am Zürcher Paradeplatz
Der Untergang der Credit Suisse bleibt ein Mysterium. (Bild: muula.ch)

Zu den Ursachen des Untergangs der Credit Suisse liegen bereits Studien auf dem Tisch. Die unterschiedlichen Resultate nützen den Bankern.

Wenn die Schweizerische Bankiervereinigung SBVg etwas befürwortet, sollte die Schweiz misstrauisch sein.

Viel zu oft spielt das Empfohlene nämlich nur den Grossbanken, und seit dem Untergang der Krisenbank Credit Suisse (CS), der Monsterbank UBS in die Hände.

Unausgereifte Mechanismen

Am gestrigen Dienstagnachmittag befürwortete die SBVg per Newsletter nun wieder einmal etwas. Es ging um die vier doch recht unterschiedlichen Analysen zum Untergang der CS und der Notfusion mit der UBS.

Die Universität St. Gallen auf einem von der CS gesponsorten Lehrstuhl sowie eine vom Bund beauftragte Expertengruppe unter dem Basler Professor Yvan Lengwiler kamen zu dem Schluss, dass beim Untergang der Grossbank die «Too Big To Fail»-Regulierung eigentlich in Ordnung war.

Lediglich die weltweiten Abwicklungsmechanismen im Krisenfall seien nicht ausgereift genug gewesen.

Kennzahlen überarbeiten

Eine weitere Studie des internationalen Financial Stability Board (FSB) sah das anders und war der Meinung, dass gerade die Abwicklung hätte funktionieren können.

Und auch der Basler Ausschusses für Bankenaufsicht (BCBS) meinte in seiner jüngsten Untersuchung bloss, dass die Kennzahlen zur Liquidität bei Grossbanken offenbar nicht alle Krisen rechtzeitig signalisierten und man dort nacharbeiten müsste.

Die SBVg erachte gerade die Einsichten der letzten zwei internationalen Berichte für den anstehenden Analyse- und Klärungsbedarf als sehr relevant.

Bunte Worthülsen

Die SBVg unterstütze weiterhin zielführende Anpassungen des aufsichtsrechtlichen Rahmens, die auf den konkreten Lehren des Falls Credit Suisse beruhten, hiess es.

Das Ziel, die Resilienz weiter zu stärken, dürfe nicht aus den Augen verloren werden, erklärte das Sprachrohr der Monsterbank UBS, welches nun um die Raiffeisen-Gruppe ergänzt wurde, wie auch muula.ch berichtete.

Die SBVg werde sich weiterhin in konstruktiver Weise an diesen Arbeiten beteiligen, versprachen die Banker. Doch wer das glaubt, der dürfte sich getäuscht sehen.

Engeres Korsett abgelehnt

Gerade die Interessenvertretung der Finanzwelt hat über ihre Lobbykanäle in den vergangenen Jahren alles getan, damit ja keine strengeren Kapital- und Liquiditätsvorschriften auf den Finanzplatz Schweiz gelangen.

Selbst die aktuelle Schweizer Finanzministerin Karin Keller-Sutter stemmte sich als FDP-Politikerin jahrelang gegen ein engeres Korsett für Schweizer Geldhäuser.

Nun sehen die Beteiligten, was sie damit angerichtet haben und positionieren sich so, als wären sie eigentlich für eine strengere Regulierung.

Das Zauberwort dabei heisst «zielführend», wobei das Ziel der Banker ein anderes ist.

Für Juristen zu komplex

Doch selbst der von der Schweiz ins Leben gerufene Parlamentarische Untersuchungskommission PUK dürfte kaum eine tiefergehende Aufarbeitung des CS-Unterganges gelingen.

Viel zu kompliziert ist die ganze Finanzmaterie und die beteiligten Politiker, nicht selten Juristen, können all dem ohnehin kaum folgen. Nach den Wahlen vom vergangenen Sonntag sind sogar einige Mitglieder der PUK auszutauschen, wie Medien am heutigen Mittwoch meldeten.

Es geht inhaltlich also wieder von vorne los – wie praktisch für die Verantwortlichen des Verschwindens der CS.

Ohnehin liegen die wahren Ursachen für den Untergang der CS in den USA, wie muula.ch mit dem Milliarden-Goodwill-Abschreiber bei der CS-US-Tochter aufdeckte. Doch dies hat bisher keine Kommission erläutert, weil es viel zu komplex ist.

Je kontroverser desto besser

Die SBVg erklärte jedenfalls am Tag des Grauens, dem 19. März, den Untergang der Grossbank CS als der Situation entsprechend sinnvoll.

Die Stabilität des Schweizer Finanzplatzes sei für die gesamte Schweizer Wirtschaft von zentraler Bedeutung, hiess es damals ziemlich theatralisch von der Bankiervereinigung.

Die vier Studien zum Untergang der CS könnten kontroverser kaum sein und diese Meinungsvielfalt spielt den Banken sowie der Bankiervereinigung in die Hände.

Kein Wunder begrüssen sie diese «Aufarbeitung».

25.10.2023/kut.

Schon vier kontroverse Analysen zum Untergang der CS

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