
Die Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli wollte bei der Spitallandschaft in Zürich aufräumen. Doch daraus und aus noch Grösserem wird vorerst nichts.
Politiker müssen die Bürger an ihrem Leistungsausweis messen.
Dann wird es bei der SVP-Politikerin und Zürcher Regierungsrätin Natalie Rickli aber ziemlich still.
GDK-Direktor als schlechtes Vorbild
Mit grossen Plänen war sie einst als Vorsteherin der Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich angetreten, um ein Vorzeigemodell zu werden, wie die Schweiz ihrer Überversorgung bei Spitälern einher werden kann.
Bekanntermassen war selbst der Basler Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger, immerhin Präsident der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektoren GDK und Vorzeigegesundheitspolitiker, mit seinem Hauptprojekt gescheitert.
Er wollte das Unispital Basel mit dem Kantonsspital Baselland fusionieren, und hatte es über Jahre hinweg nicht geschafft.
Konsolidierung als Plan
Die Schweiz hat mit fast 300 Spitälern im internationalen Vergleich viel zu viele Krankenhäuser.
Dänemark mit seinen rund 6 Millionen Einwohnern kommt gerade einmal auf 21 Akutspitäler und noch vier Dutzend Kliniken.
Die Zürcher Gesundheitsdirektorin Rickli wollte da also besonders clever im bevölkerungsreichsten Kanton agieren.
Spitäler in Uster, Affoltern und Dielsdorf sollten von der kantonalen Spitalliste verschwinden. Nach Jahren der Diskussionen bleiben diese Gesundheitseinrichtungen jedoch erhalten.
Wettbewerb ausgehebelt
Selbst die Adus-Klinik in Dielsdorf konnte sich Rickli widersetzen.
Vor Gericht hatten die Verantwortlichen gezeigt, dass die Argumente der Gesundheitsdirektion überhaupt nicht stimmten, wie muula.ch berichtete.
Die Adus-Klinik zählt zu den kostengünstigsten Spitälern im Kanton und die Richter vor dem Bundesverwaltungsgericht meinten, das wäre für das Gesundheitswesen eher ein Segen als eine Last.
Tag der Wahrheit kommt
Auch die jahrelange Baustelle mit dem Spital Wetzikon geht auf Ricklis Entscheid zur Versorgungsrelevanz zurück.
Sie entschied, dass ein Krankenhaus in Wetzikon überflüssig sei, und stürzte die Gesundheitseinrichtung seither in Chaos.
Am 28. Oktober findet die Gläubigerversammlung für die GZO Spital Wetzikon statt, wo über den Fortbestand der Klinik entschieden wird.
Lehnen die Gläubiger einen Plan zur Sanierung ab, droht der sofortige Konkurs.
Kommt es jedoch zur Zusammenarbeit mit Thurmed aus dem Kanton Thurgau, wie muula.ch berichtete, bleibt das Spital im Zürcher Oberland erhalten und Rickli hat wieder das Nachsehen.
Mysteriöse Todesfälle
Allen Ernstes hatte sich die SVP-Politikerin überlegt, für die Nachfolge des zurückgetretenen Bundesrats Guy Parmelin zu kandidieren.
Doch am heutigen Montag erklärte Rickli, dass sie das nicht wolle, denn dann wäre wohl das Scheinwerferlicht auf ihren mageren Leistungsausweis gefallen.
Und von einer politischen Aufarbeitung der mysteriösen Todesfälle an der Herzchirurgie des Universitätsspitals Zürich ist da noch nicht einmal die Rede gewesen.
Es ist aber einer der schwerwiegendsten Medizinskandale der Schweiz – und Rickli wäre dafür seit Mai 2019 zuständig.
19.10.2026/kut.




