Monsterbank UBS verrechnet sich um 1,2 Milliarden

Die Grossbank UBS am Zürcher Paradeplatz
Die Grossbank UBS muss ihre Gewinnzahlen 2023 korrigieren. (Bild: PD)

Die Grossbank UBS kämpft mit der Integration der Krisenbank Credit Suisse. Die in Hast beschlossene Notfusion läuft alles andere als gut.

Die Grossbank UBS konnte es gar nicht erwarten, die Fusion der Krisenbank Credit Suisse (CS) als vollzogen zu deklarieren.

Doch nach und nach kommen die Schwächen dieser Eile zum Vorschein.

Falsche Einschätzungen

Die UBS hat eingestanden, sich im Februar 2024 zu positiv über den Jahresgewinn 2023 geäussert zu haben.

Die Peinlichkeit ist laut einer Medieninformation vom heutigen Donnerstag rund 1,2 Milliarden Dollar gross.

Das Geldhaus habe die Fair-Value-Schätzungen per Übernahmedatum präzisiert und auf den erforderlichen 12-monatigen Bewertungszeitraum laut den Vorschriften der Rechnungslegung angepasst, hiess es.

Offenbar ging die Grossbank von einem kürzeren Zeitraum aus. Doch dies widersprach den Standards von IFRS 3.

Rattenschwanz an Korrekturen

Aus diesem Fehler musste die UBS den negativen Goodwill um 1,2 auf 27,7 Milliarden Dollar nach unten korrigieren.

Der den Aktionären zurechenbare Reingewinn 2023 sank daher auf 27,8 Milliarden Dollar, statt der auch von muula.ch publizierten Gewinnsteigerung um 280 Prozent auf 29 Milliarden Dollar.

Das verwässerte Ergebnis pro Aktie ging um 36 Cent auf 8,45 Dollar zurück.

Der Fehler zieht sich also durch das gesamte Rechenwerk. Zusätzlich verringerte sich die harte Kernkapitalquote (CET1) von 14,5 auf 14,4 Prozent, teilte die UBS zu den Korrekturen weiter mit.

Fehlende Ad-hoc-Publikation

Weshalb die Investoren nicht früher auf den doch erheblichen Makel am kommunizierten Jahresergebnis informiert worden, sagte die UBS nicht. Sie weist lediglich darauf hin, dass die Veröffentlichung im Februar 2024 ein ungeprüfter Bericht für das vierte Quartal 2023 gewesen sei.

Insofern dürften die Wirtschaftsprüfer sich da gesträubt haben, den Gewinn, so wie vorab publiziert, tatsächlich auch im Geschäftsbericht 2023 in Höhe von 29 Milliarden Dollar auszuweisen.

Normalerweise gibt es bei Firmen, die Vorab-Zahlen bekanntgeben, allenfalls kleinere Abweichungen zu den testierten Jahresabschlüssen. Stellt jedoch ein Unternehmen grössere Abweichungen fest, informiert es umgehend die Öffentlichkeit.

Da die UBS mit der Integration der CS aber alle Hände voll zu tun hat, verzichtete die Monsterbank offenbar auf diese Information, dass der Gewinn um 1,2 Milliarden Dollar zu hoch ausgewiesen wurde.

Abhängige «Bilanzpolizei»

Einzig die Schweizer Börse SIX müsste sich gegen die UBS diesbezüglich sträuben.

Doch an der Schweizer Börse hält die UBS nach der Notfusion mit der CS fast 35 Prozent und hat damit einen herrschenden Einfluss auf die SIX.

Auch an dieser «Nebenwirkung» hat bei der eilig herbeigeführten Notfusion wohl niemand gedacht.

28.03.2024/kut.

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