Baloise missbilligt Auslegung des Basler Wohnschutzes

Hauptsitz der Baloise-Gruppe in Basel
Die Baloise-Gruppe verzichtet bis auf Weiteres auf Sanierungen. (Bild: muula.ch)

Der Versicherer Baloise legt vorerst Renovationen bei Mietwohnungen auf Eis. Der Grund für den Sanierungsstopp ist aber plausibel.

Dem Versicherungskonzern Baloise reicht es vorerst. Der Versicherer stellt Renovationen seiner rund 1000 Wohnungen in Basel-Stadt ein.

Begrenzung der Mietaufschläge

«Unter den gegebenen Rahmenbedingungen des Basler Wohnschutzes haben wir die geplanten Renovationsprojekte in Basel-Stadt auf Eis gelegt», erklärte Matthias Henny, Chief Investment Officer der Baloise, der «Basler Zeitung» vom Wochenende.

Die Wohnschutzkommission habe Fallbeispiele zur Renovationspraxis publiziert, an denen über ein Jahr lang gearbeitet wurde und die haben es in sich.

Baloise-CIO Matthias Henny
Baloise-CIO Matthias Henny (Bild: PD)

Demnach dürfte die Miete nur um einen monatlichen Aufschlag von maximal 69 Franken erhöht werden, wenn ein Eigentümer 77.000 Franken in eine 3-Zimmer-Wohnung investiert.

Bei einer Sanierung der Küche und des Badezimmers in einer kleinen Wohnung sei nur ein Zuschlag von maximal 18 Franken pro Monat erlaubt.

Fast 93 Jahre warten

Baloise-CIO Henny erklärte, dass sich damit Renovationen nicht mehr rechneten.

Jedes Kind kann sehen, was der Kapitalanleger der Versicherungsgruppe meint. Investiert jemand 77.000 Franken in eine Wohnung und darf nur maximal 69 Franken pro Monat mehr verlangen, müsste ein Investor 1116 Monate lang die Monatsrate erhalten, nur um sein investiertes Kapital zurückzuerhalten.

Wer würde dies 93 Jahre lang tun? Wohl niemand. Das müsste selbst den Linken in Basel einleuchten.

Klimaziele gefährdet

Henny formulierte es in der «Basler Zeitung» aber diplomatischer. «Als Versicherung investieren wir treuhänderisch das Geld unserer Versicherten, um sichere Renten bezahlen zu können. Dazu benötigen wir eine Anlagerendite von zwei bis vier Prozent», sagte er.

Gemäss Basler Wohnschutz lasse sich aber nur noch eine Rendite von einem Prozent erzielen, was deutlich zu tief sei. Daher dürfe der Versicherer das Geld der Kundschaft nicht mehr für Renovationen in Basel einsetzen, hiess es weiter.

Der Kanton dürfte damit nicht mal seine Klimaziele erreichen, denn energetische Sanierungen fielen auch unter den Renovations-Stopp. Damit verlotterten in Basel mittelfristig aber die Mietliegenschaften, so die Warnung.

Bewusst Rendite begrenzt

Der Basler Mieterverband, auf dessen Initiative der Wohnschutz zurückgeht, kritisierte in dem Blatt die Aussagen der Baloise. Die Mietparteien seien nicht die Milchkühe der Nation, hiess es. Dass Baloise keine fette Rendite mehr erziele, sei so gewollt.

Welche Blüten das Basler Wohnschutzgesetz so treibt, berichtete muula.ch unlängst über einen Fall der Axa Anlagestiftung.

Nun dürften Mieter in sanierungsbedürftigen Baloise-Wohnungen aber erst einmal auf die Korrekturvorschläge zum Wohnschutz hoffen, welche die Basler Regierung im Frühjahr beurteilen muss.

Vielleicht renoviert der Versicherer danach wieder.

26.02.2024/kut.

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