ABB-CEO Wierod warnt vor Massenarbeitslosigkeit

ABB-Konzernchef Morten Wierod
ABB-CEO Wierod fordert mehr Problembewusstsein in Europa. (Bild: PD)

Der Chef des Industriekonzerns ABB, Morten Wierod, mahnt Reformen in Europa an. Die Kritik trifft zwar stark Deutschland, doch auch die Schweiz.

Der Chef des Energietechnik- und Automatisierungskonzerns ABB, Morten Wierod, hat vor einem Verlust von Arbeitsplätzen in Europa gewarnt.

Zwar erkenne etwa die deutsche Politik inzwischen die Wirtschaftsprobleme und zeige den Willen zu Veränderungen.

Deutschland als Zugpferd

«Die Herausforderung liegt in der Umsetzung», sagte Wierod im Interview mit «Welt am Sonntag». «Ich zweifle eher an der Fähigkeit, die notwendigen Massnahmen tatsächlich mit Tempo durchzusetzen», sagte der Topmanager.

Deutschland komme eine besondere Verantwortung zu. «Deutschland ist die Lokomotive Europas», sagte Wierod.

Als grösste Volkswirtschaft der Europäischen Union müsse das Land vorangehen und andere mitziehen. Die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland sei deshalb für ganz Europa von grosser Bedeutung, so die Erklärungen.

Entscheid wirkt erst Jahre später

Sollten tiefgreifende Reformen ausbleiben, sieht der ABB-Chef das Risiko einer Massenarbeitslosigkeit in Europa. «Die Gefahr besteht», sagte Wierod.

Die Folgen mangelnder Wettbewerbsfähigkeit würden häufig erst mit grosser Verzögerung sichtbar.

«Wenn Investitionen anderswo stattfinden und Fabriken nicht mehr hier gebaut werden, merkt man die Folgen oft erst Jahre später», betonte der ABB-CEO.

Fokus auf Regulierung

Europa müsse vor allem das Nachfragewachstum stärken und die hohen Energie- und Rohstoffkosten in den Griff bekommen.

In den USA und Asien sei die Binnennachfrage über viele Jahre deutlich dynamischer gewachsen. Unternehmen investierten dort, wo sie Kunden fänden.

Zugleich habe sich Europa in den vergangenen Jahren zu sehr auf Regulierung konzentriert, was auch auf die Schweiz stark zutrifft.

«Es fehlt uns also nicht an Talent. Europa hat sich allerdings über viele Jahre stärker auf Regulierung als auf Innovation konzentriert», sagte er.

Kleine Kernreaktoren als Chance

Kritik übte Wierod auch an der deutschen Energiepolitik.

«Die vorschnelle Abschaltung der Kernkraftwerke war ein Fehler», sagte der ABB-Chef. Angesichts des steigenden Strombedarfs durch die Elektrifizierung der Industrie und der Wirtschaft müsse Europa neue Energiequellen erschliessen.

Chancen sieht Wierod dabei in kleinen modularen Kernreaktoren, die künftig insbesondere Industrieanlagen und Rechenzentren mit Strom versorgen könnten.

All dies trifft auch auf die Schweiz zu. Das Aus für die Kernenergie steht bald wieder zur Diskussion und Atomstrom sollte auch hierzulande nicht von vorne herein verteufelt werden.

31.10.2026/kut.

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