
Die US-Uhrenmarke Fossil ist vom Sorgenkind zum Hoffnungsträger geworden. Die Schweizer Uhrenindustrie kann von so einer Rückkehr nur träumen.
Modische, preislich attraktive Armbanduhren im amerikanischen Vintage-Stil sind wieder gefragt.
Das 1984 in Texas gegründete Unternehmen Fossil, das einst mit Retro-Design und Blechdosen-Verpackungen populär wurde und dann in der Versenkung verschwand, erlebt ein beachtliches Comeback, sodass es selbst erfahrene Manager der Schweizer Uhrenbranche schauert.
Fertigung für Modemarken
Von ein paar hundert Millionen Dollar an Umsatz entwickelte sich die Fossil-Gruppe zu einem Milliardenkonzern.
Neben dem Vertrieb über eigene Uhrengeschäfte stellt die Firma Lizenzmarken, wie Michael Kors, Emporio Armani, Skechers sowie Diesel her und besitzt abseits der eigenen Brand «Fossil» auch noch Marken wie Skagen.
Swissness geholt
Doch damit ist es nicht genug.
Vor ein paar Tagen lancierten die Amerikaner in der Schweiz ihre eigene «Swiss Made»-Modellreihe mit mechanischen Signature-Uhren und stärken das Geschäft abseits von Zeitmessern mit Batterien.
Die Premium-Kollektion «Case Study One», CS-1, wird laut Informationen von muula.ch in Biel montiert und erfüllt damit die «Swissness»-Vorgaben.

Das Uhrwerk ist dabei aber keine Eigenentwicklung, sondern in der 38-mm-Version steckt ein Automatikwerk der Firma Selitta, das über den Glasboden zu sehen ist.
Zusammen mit dem äusserst günstigen Preis von nur ein paar hundert Dollar dürften da die Herzen vieler Uhrenfans höherschlagen.
Baselbiet steigt in Bedeutung
Aus der verlustreichen Fossil-Gruppe entsteht also ein ernsthafter Konkurrent, der in vielerlei Hinsicht auf «Swissness» setzt.
Lokale Montage hatten einst die Schweizer Uhrenbarone im Ausland lanciert, um lokale Gesetze zu erfüllen. Nun ist es offenbar umgekehrt.
Auch die Firma Ronda in Lausen bei Basel kooperiert mit den Amerikanern.
Die Baselbieter bringen bei der 42-mm-Version der «CS-1»-Modellreihe den Master Calendar Chronoquartz hervor, der die geschichtsträchtige Uhrenindustrie in Baselland durchaus etwas stärkt.

Von der Börse werden solche Erfolgsgeschichten angesichts des Aktienbooms bei der Künstlichen Intelligenz KI um die «Magnificent Seven» Nvidia, Microsoft, Google/Alphabet, Amazon, Meta Apple und Tesla gerne übersehen.
Doch die Fossil-Titel legten innerhalb eines Jahres eine Steigerung um über 220 Prozent hin.
Richemont steigt magere 2,5 Prozent
Schweizer Uhrenkonzerne, wie die Swatch Group unter der Führung der Hayeks, legten im gleichen Zeitraum an der Börse gerade einmal 8 Prozent zu.
Die Zeitmesser um Tissot, Omega, Blancpain, Breguet, Longines, Mido, Hamilton & Co. haben da offensichtliche Popularitätsprobleme.
Selbst der Aktienkurs des Luxusgüterkonzerns Richemont, zu dem Uhrenmarken um IWC, Jaeger LeCoultre, Vacheron Constantin, A. Lange & Söhne, Piaget und der aus der Zeit gefallenen Brand Panerei, gehören, erhöhte sich innerhalb der vergangenen 12 Monaten gerade einmal um 2,5 Prozent.
Allenfalls die Titel des britischen Luxusuhrenhändlers Watches of Switzerland legten in London aufgrund von Übernahmegerüchten im Jahresvergleich um rund 86 Prozent zu.
Schweiz muss aufdrehen
Das amerikanische Comeback um Fossil kann sich also sehenlassen.
Die Schweizer Uhrenbranche, die viele Ladenhüter produziert, muss sich angesichts solcher Entwicklungen, wappnen und einen deutlichen Zahn zulegen.
01.11.2026/kut.




