Effektivlöhne mit Giesskanne legen erneut zu

Ein Büro mit Angestellten
Viele Arbeitnehmer haben grössere Lohntüten erhalten. (Bild: pixabay)

Die Sozialpartner einigten sich auf ein moderates Anheben der Saläre. Dabei kann sich die Finanzbranche neben Enttäuschungen glücklich schätzen.

Fast zwei Millionen Schweizer Arbeitnehmer können sich freuen und nicht freuen.

Die Sozialpartner der wichtigsten Gesamtarbeitsverträge (GAV) in der Schweiz beschlossen für das Jahr 2026 eine Erhöhung der Effektivlöhne um durchschnittlich 0,5 Prozent und der Mindestlöhne um durchschnittlich 0,8 Prozent.

100.000 Personen mehr tangiert

Dies teilte das Bundesamt für Statistik BFS am heutigen Montag zu den neuesten Entwicklungen mit.

Gut 1,9 Millionen Personen seien einem GAV unterstellt, in dem entsprechende Bestimmungen festgehalten und Mindestlöhne vereinbart worden seien, hiess es weiter.

Von der Effektivlohnerhöhung seien 0,3 Prozent individuell und 0,2 Prozent kollektiv zugesichert worden, erklärte das BFS zu den Details.

Insgesamt seien knapp 700.000 Personen von den Effektivlohnanpassungen betroffen nach 600.000 Personen in 2025.

Reale Verluste

Doch im Vergleich zu den Vorjahren dürften viele Arbeitnehmer lange Gesichter machen, denn 2025 hatte der Lohnzuwachs 1,2 Prozent, 2024 noch 2,1 Prozent und 2023 sogar 2,5 Prozent betragen.

Unter Einbezug der Teuerungsprognosen für das Jahr 2026 von 0,6 Prozent dürften die Reallöhne im GAV-Bereich dieses Jahr aber nicht steigen, errechneten die Statistiker.

Betroffene dürften sogar Einbussen bei der realen Vergütung erleiden, weil die Teuerung tatsächlich deutlich über dem Durchschnittswert von 0,6 Prozent lag und die Krankenkassenprämien auf 2026 ja auch wieder einen deutlichen Anstieg verzeichnet hatten.

Servicesektor profitiert

Für die Branchen vereinbarten die Sozialpartner zudem recht unterschiedliche Lohnanpassungen.

2026 betrug das Effektivlohnwachstum im Sekundärsektor 0,2 Prozent und im Tertiärsektor 0,8 Prozent, was den Gesamtdurchschnitt von besagten 0,5 Prozent ergab.

Obwohl die Baubranche boomt und nach Arbeitskräften sucht, lagen die Erhöhungen lediglich bei 0,2 Prozent. Das Verarbeitende Gewerbe zahlt in diesem Jahr kollektiv 0,3 Prozent mehr.

Die Lohnanpassungen seien in den Wirtschaftsabschnitten Verkehr und Lagerei mit +1,2 Prozent sowie Finanz- und Versicherungsdienstleistungen mit +1 Prozent am höchsten ausgefallen.

Die Gewinne von UBS, Zürcher Kantonalbank & Co. sowie der Assekuranz um Mobiliar, Axa, Zurich, Helvetia, Baloise & Co. sind ja auch förmlich explodiert.

Da wären zwar sicher auch noch grössere Lohntüten möglich gewesen. Immerhin legten die Mindestlöhne der Finanzbranche um 1,8 Prozent zu, was vergleichsweise hoch ist.

Das ebenfalls boomende Gesundheits- und Sozialwesen verzeichnete «nur» einen kleinen Zustupf von 0,8 Prozent, was allerdings auch noch ein klein wenig offizielles Reallohnwachstum ergab.

Motivation besser ausgestalten

Wie stumpfsinnig solche Salärerhöhungen mit der Giesskanne an die Belegschaften sind, verdeutlichen die Statistiker noch an einigen Werten: Bei den Effektivlöhnen seien 45 Prozent der für Lohnerhöhungen bestimmten Lohnsumme gleichmässig an die betroffenen Personen verteilt worden, hiess es diesbezüglich.

Im Sekundärsektor seien Erhöhungen sogar zu 83 Prozent mehrheitlich kollektiv gewesen.

Zumindest im Tertiärsektor überwogen individuelle Erhöhungen und kamen auf einen Anteil von 64 Prozent.

Statt sozialistisch allen Arbeitnehmern die Vergütungen zu erhöhen, ist es immer besser, herausragende Leistungen auch herausragend zu honorieren.

26.10.2026/kut.

Effektivlöhne mit Giesskanne legen erneut zu

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert