
Russlands Präsident Putin erhöht den Druck auf die Schweiz. Dabei gerät der Nahrungsmittelriese Nestlé aus Vevey in die Schusslinie und wehrt sich.
Der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé ist immer wieder mit schwierigen Situationen konfrontiert
Dies zeigt sich besonders bei politischen Krisen – sei es in der Islamischen Republik Iran, auf Kuba oder seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine in Russland.
Kurzes Statement publiziert
Am Donnerstag gab der russische Präsident Putin ein Dekret heraus, das einige westliche Firmen unter staatliche Aufsicht stellt.
Wie immer in Russland ist der Schritt nicht vollständig klar. Die Zwangsverwaltung soll über eine russische Firma ausgeübt werden und davon ist auch der Schweizer Nahrungsmittelriese Nestlé betroffen.
Das Unternehmen aus Vevey VD bestätigte am Freitag die Kenntnis von dem Umstand und erklärte, seine Geschäfte in Russland fortsetzen zu wollen.
Der Konzern prüfe die Möglichkeiten in dieser Situation und wolle sich insbesondere für die Belegschaft einsetzen, hiess es in dem kurzen Statement weiter.
Lebensnotwendiges erhalten
Die Produktion von Nahrungsmitteln und Medikamenten ist meist bei Konflikten und Sanktionen ausgenommen. Deshalb kann Nestlé auch in Krisenregionen aufgrund der Versorgung der Zivilbevölkerung in Iran, auf Kuba oder eben in Russland einfach weiterproduzieren.
In Russland sollen laut Medienberichten noch Babynahrung, Süsswaren, Kaffee und Tiernahrung in seinen sechs russischen Fabriken produzieren.
Die Werte des Schweizer Konzerns in Russland werden mit 1,5 bis 2 Milliarden Franken angegeben und der Umsatzanteil der russischen Aktivitäten auf rund 1 Prozent der Konzernerlöse von rund 90 Milliarden Franken beziffert.
Makabre Methoden
Putin erzwang bereits mehrfach über temporäre Verwaltung, genehmigungspflichtige Geschäfte oder «freiwillige» Beiträge an den russischen Staatshaushalt den Verkauf von ausländischen Geschäftsaktivitäten an kremltreue Geschäftsleute oder an das lokale Management der jeweiligen Firmen.
So wurde über Dekrete der Druck auf Konzerne, wie Renault, Danone, Uniper, Fortum, ExxonMobil oder Carlsberg, erhöht, die dann ihre Beteiligungen abtraten. Teils ist von einer Nationalisierungswelle für Russland die Rede.
Umgekehrt hat der Westen zahlreiche russische Geschäftsaktivitäten sanktioniert, welche auch die Schweiz grösstenteils mitträgt, weshalb sie immer mehr in den Fokus von Gegenmassnahmen Putins gerät.
Dem Staat übereignen
In Russland ist beispielsweise noch die Schweizer Ems-Chemie-Gruppe unter der Leitung der SVP-Nationalrätin Magdalena Martullo-Blocher aktiv.
Sie hatte an einer Medienkonferenz dazu kämpferisch gesagt, dass sie ihre Russland-Geschäfte um Hochleistungspolymere nicht einfach dem russischen Staat übereignen wolle.
Warum auch sollen Firmen ihr Eigentum wegen politischem Zoff verlieren? Es gibt, wie bei Nestlé, keinen Grund, Privateigentum mittels Zwang an eine Staatsmacht zu übereignen.
18.09.2026/kut.



