Raubtierkapitalist verbietet Raubtierkapitalismus

Ein Mann mit Wolfskopf und Goldman-Sachs-Schild sowie Dollarscheinen
Goldman Sachs verbietet ungezügelte Finanzwetten. (Symbolbild: AI)

Die US-Bank Goldman Sachs hat einen ungewöhnlichen Schritt getätigt. Wilde Wetten sind auch im Finanzkapitalismus nicht immer erwünscht.

In einer Welt, in der Milliarden auf alles Mögliche gewettet werden, zieht ausgerechnet eine der mächtigsten Banken die Notbremse.

Stellenverlust möglich

Goldman Sachs, die Ikone des ungezügelten Finanzkapitalismus, untersagt seinen eigenen Bankern wilde Wetten auf Prognosemärkten um Polymarket, Kalshi & Co., wie «Bloomberg» diese Woche vermeldete.

Mitarbeiter des Geldhauses dürfen nicht mehr auf US-Wahlen, Zinssätze, Kriege oder Börsen-Crashs wetten.

Nur noch Sportereignisse und Hollywood sind erlaubt. Wer sich nicht daran hält, fliegt raus.

Ausnutzen von Insiderwissen

Dies ist kein harmloser Compliance-Schritt. Es ist ein lautes Eingeständnis, dass Wildwest der Vorhersagemärkte praktisch ausser Kontrolle ist.

Auf Polymarket oder Kalshi wetten die Massen mit echtem Geld auf die Zukunft.

Die Anbieter propagieren unverfälschte Informationen, doch die Praxis sieht düster aus.

Ein US-Soldat nutzte Insiderinformationen, um den US-Angriff auf Venezuela mit dem Sturz des Präsidenten Nicolás Maduro korrekt vorherzusagen, und gewann Hunderttausende.

Ein Mitarbeiter von Google soll mit vertraulichen Firmendaten über eine Million Dollar abgeräumt haben.

Zocken mit Internas

Weitere Finanzinstitute, wie Morgan Stanley oder Hedgefonds um Point72 beziehungsweise Balyasny, ziehen mit teils noch strengeren Regelungen nach.

Goldman Sachs reagiert konsequent. Alle Gewinne, die 200 Dollar übersteigen, würden für wohltätige Zwecke gespendet, hiess es von der mächtigsten Investmentbank der Welt.

Doch dies geschieht nicht aus moralischen Gründen, sondern aus purem Eigeninteresse. Das US-Geldhaus jüdischen Ursprungs will verhindern, dass Mitarbeiter mit heissen Internas zocken, oder dass sensible Informationen nach aussen sickern.

Die Wettanbieter sehen zudem genau, wer was wettet und regelmässig gewinnt.

Skrupelloseste gewinnen

Die Profis trauen also dem System und den Menschen nicht über den Weg.

Eine Handvoll gut vernetzter Akteure mit Informationsvorsprüngen könnte gegen den Rest der Welt jede Wette gewinnen.

Am Ende gewinnt nicht der Klügste, sondern der Skrupelloseste. Es braucht also Regeln, weil die menschliche Seele mit ungezügelten Freiheiten offenbar allein nicht funktionieren.

Nur Sportwetten erlaubt

Die Schweiz hat sich aus alldem fein herausgezogen.

Wegen einer Volksabstimmung zu Online-Casinos blockiert die interkantonale Geldspielaufsicht Gespa den Zugang zu Polymarket, Kalshi & Co schon seit Jahren, wie die Aufstellung der Behörde zeigt.

In der Schweiz sind nur Wetten auf den Ausgang oder den Verlauf von Sportereignissen überhaupt bewilligungsfähig. Zudem verfügen Swisslos und die Loterie Romande im Bereich der Online-Sportwetten über ein Monopol.

Doch auch da gibt es Mittel und Wege, auf die nächste Rezession oder den Ausbruch eines Krieges zu wetten.

Goldman Sachs zeigt, dass Raubtierkapitalismus auch Regeln braucht. Nicht aus ideologischer Abneigung, sondern um Märkte funktionsfähig und fair zu halten.

12.07.2026/kut.

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