EasyJet-Übernahme weckt Erinnerungen an Swissair

Ein Flugzeug der untergegangenen Swissair
Die Swissair gibt es nur noch im Museum. (Bild: N. Steffen / unsplash)

Amerikaner wollen den Billigflieger EasyJet kaufen. Dabei drohen aber Gefahren, die sich mit dem Lufthansa-Kniff wie bei Swissair überwinden liessen.

Die Low-Budget-Fluggesellschaft EasyJet hat ihren Widerstand gegen die Übernahme durch den amerikanischen Luftfahrtinvestor Castlelake aufgegeben.

Das fünfte Angebot stimme im Grundsatz gaben beide Unternehmen bekannt.

Aktienkurs macht Freudensprung

Ungefähr 6 Milliarden Franken legen die Amerikaner umgerechnet auf den Tisch, um die bekannte Billigairline zu kapern.

Das sind 6,90 Pfund je Aktie, die als unverbindliches Angebot vorliegen. Bis August kann Castlelake den Deal nun noch mit einer verbindlichen Offerte festzurren.

Die EasyJet-Aktien machten am Montag schon mal einen Satz um rund 10 Prozent auf 6,15 Pfund nach oben.

Im Jahr 2000 war die Budget-Airline für 3,10 Pfund an die Börse gegangen.

Viele Flugzeugbestellungen

In Europa machen vielerorts die Befürchtungen die Runde, dass die US-Investoren die Fluggesellschaft zerschlagen könnten.

Neben dem Flugbetrieb mit wertvollen Landerechten in Paris, London, Basel, Genf, Mailand & Co. gibt es nämlich noch Ferienreisen und jede Menge Flugzeugbestellungen, die lukrativ sind, weil neue Flugzeuge derzeit lange auf sich warten lassen.

Rechtliche Hürden überwinden

Doch nach EU-Recht müssen Fluggesellschaften, die im Einflussbereich von Brüssel operieren, auch von EU-Bürgern kontrolliert werden. Laut ersten Vorstellungen von Castlelake würde die Firma selbst erst nur 49 Prozent übernehmen und den Rest zwei EU-Bürger halten. 

Dabei kommen Erinnerungen an die Übernahme der Swissair durch die deutsche Lufthansa-Gruppe auf.

Auch hierbei war das Problem, dass die Deutschen nicht die Mehrheit halten konnten, ohne sofort die Landerechte verloren zu haben.

Daher ersann die Schweiz zwei Stiftungen, welche bei der Übernahme der insolventen Swissair durch den Lufthansa-Konzern eine Rolle spielten.

Formal als Schweizer Airline

Stiftungen gehören nach Schweizer Recht niemandem und hängen quasi in der Luft.

So wurden 2005 die Almea-Stiftung sowie die Holdinggesellschaft Airtrust gegründet, wobei die Stiftung 51 Prozent an den Swissair-Resten hielt, welche als Fluggesellschaft Swiss in die Holding eingebracht worden waren.

Damit galt die Nachfolgeairline Swiss formal weiterhin als Schweizer Airline und verlor ihre Verkehrsrechte nicht.

Strategische Interessen wahren

Erst als im Jahr 2007 alle Start- und Landerechte mit allen Ländern für die Lufthansa-Gruppe verhandelt worden waren, übertrug Almea die restlichen 51 Prozent an die Deutschen, und somit gehörten 100 Prozent der Swiss.

Eine zweite Stiftung, die Swiss Luftfahrtstiftung SLS, hatte eine Wächterfunktion über die Interessen der Schweiz, wo der Bund und das Bundesamt für Zivilluftfahrt Bazl vertreten waren.

Diese Stiftung sollte zehn Jahre lang die Eigenständigkeit der Swiss innerhalb des Lufthansa-Konzerns überwachen.

Dabei spielten die gute Luftverkehrsanbindung der Schweiz und der unternehmerische Handlungsspielraum bei dem Verkauf grosse Rollen.

Viele Arbeitsplätze bedroht

Genauso ist es jetzt bei EasyJet.

Am Flughafen Basel ist die Billigairline beispielsweise der grösste Kunde und bringt dem Euroairport rund 50 Prozent seines Geschäfts.

Damit dies nicht auf einen Schlag hinfällig wird und die über 1000 Mitarbeiter bei EasyJet Switzerland auf der Strasse stehen, könnte die Swissair-Übernahme mit den zwei Stiftungen als Modell herhalten.

Un-clever wäre es jedenfalls nicht.

07.07.2026/kut.

EasyJet-Übernahme weckt Erinnerungen an Swissair

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