
Die Betreibungs- und Konkursstatistik gibt Einblick in die Seele eines Landes. Bei der Schweiz explodieren nun die Konkurse wegen neuer Regeln.
Der Schweizer Staat kennt kein Pardon, wenn ihm Unternehmen oder Bürger etwas Geld schulden.
Da die Schweiz den Beträgen quasi jahrelang hinterhergelaufen ist, änderten die Politiker das Recht – mit sichtbaren Folgen.
Neue Rechtsgrundlage
Im Jahr 2025 wurden in der Schweiz 13.612 Konkurse eröffnet, was ein Anstieg von horrenden 48,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet.
Die Explosion dieser Kennzahl dürfte mit der geänderten Rechtslage zusammenhängen, bei der Konkursverfahren aufgrund unbezahlter öffentlich-rechtlicher Forderungen eröffnet werden können.
Dies teilte das Bundesamt für Statistik BFS am heutigen Donnerstag mit.

Bei der Wirtschaft legte die Zahl der Konkursverfahren um 61,1 Prozent auf 12.485 Unternehmen zu.
Unter Privaten war dagegen ein Rückgang von rund 20 Prozent auf 1127 Personen zu beobachten.
Auffällig sind aber in den Daten allerdings viele Betroffene in den Kantonen Appenzell und Graubünden.
Geringe Erfolgsaussichten
Gläubiger können seit Januar 2025 bei unbezahlten öffentlich-rechtlichen Leistungen, wie Steuern oder Sozialversicherungsbeiträgen, neu ein Konkursbegehren stellen.
Der Staat hat da seine Möglichkeiten gegen die Wirtschaft und die Privaten ausgeweitet. Bis anhin war nur die Betreibung auf dem Wege der Pfändung möglich.
Doch die Erfolgsaussichten sind bei einem solchen Vorgehen meist ziemlich klein, wie etwa die vielen fruchtlosen Pfändungen im Tessin unter den rund 1,5 Millionen Pfändungen verdeutlichen.

Fast die Hälfte aller Pfändungen blieb im vergangenen Jahr ohnehin erfolglos und basierte auf rund 3,1 Millionen Betreibungen, die hauptsächlich Private betrafen.
Aus Milliarden werden Milliönchen
Der finanzielle Verlust aus Konkursverlustscheinen erreichte fast 1,8 Milliarden Schweizer Franken, was einem Anstieg von 17,8 Prozent gegenüber 2024 entspricht.
Der Gesamterlös, der im Rahmen von Konkursverfahren an Gläubiger ausbezahlt wurde, lag 2025 nur knapp über 192 Millionen Schweizer Franken.
Karteileichen verschwinden?
Langfristig würden durch diese Rechtsänderungen aber illiquide und de facto zahlungsunfähige Unternehmen vom Markt verschwinden, lobte das BFS die Entwicklungen.
Kurzfristig führten sie jedoch zu einem Anstieg der Konkursverfahren, hiess es weiter.

Von den 19.894 im Jahr 2025 abgeschlossenen Konkursverfahren wurde mit 55,9 Prozent mehr als die Hälfte mangels Aktiven eingestellt.
Rund 32,6 Prozent der Verfahren waren Gegenstand einer summarischen oder ordentlichen Liquidation.
Nur gut ein Zehntel entfielen mit 11,5 Prozent auf Aufhebungen oder Erledigungen, so die BFS-Statistiker.
21.05.2026/kut.





