Schweiz rutscht tief in die Panamakanal-Krise

Panamakanal
Der Panamakanal besteht aus mehrstufigen Schleusen für Schiffe. (Bild: muula.ch)

Die Schweiz will ein Zeichen zur Neutralität des Panamakanals setzen. Doch der Bundesrat nimmt einen Milliardendeal von den USA ins Blickfeld.

Die Schweiz macht nichts, was ihr nichts nützen würde.

Genauso agiert nun der Bundesrat bezüglich des Panamakanals, um den Handelsweg zu sichern.

Alte Torrijos-Carter-Treaties

Panama hat als Landeswährung den Dollar und hängt somit am Tropf von den Vereinigten Staaten von Amerika.

Doch seit 1977 gibt es zwischen den beiden Staaten ein Abkommen, das die dauerhafte Neutralität und den Betrieb des Panamakanals bestimmt.

Der damalige US-Präsident Jimmy Carter und der Militärmachthaber Panamas Omar Torrijos vereinbarten 1977, die Kontrolle des Panamakanals an Panama zu übergeben, was 1999 auch geschah. Hinzu kam die Neutralitätsvereinbarung.

Blackrock will das Sagen

Dieses Abkommen bezieht sich darauf, dass der Panamakanal zu Friedens- und Kriegszeiten sicher und offen für die friedliche Durchfahrt für Schiffe aller Staaten sein muss.

Dadurch soll vermieden werden, dass die Handelsroute das Ziel eines bewaffneten Konflikts zwischen Staaten wird.

Besucher am Panamakanal
Asiaten sind sehr am Panamakanal interessiert. (Bild: muula.ch)

Derzeit ist allerdings ein Streit um die wichtige Durchfahrtstrasse für den Welthandel entbrannt.

Ein Teil des Panamakanals liegt nicht im Einflussbereich Panamas, sondern bei einer chinesischen Firma, und der US-Vermögensverwalter Blackrock will sich diesen Teil aneignen.

Li Kashing will verkaufen

Damit wollen sich die Amerikaner den Einfluss auf die Handelsroute sichern.

Die Hongkonger CK Hutchison Holdings des fast 100-jährigen Tycoons Li Kashing beabsichtigt, die Mehrheit an 43 weltweiten Hafenanlagen an ein Konsortium um Blackrock zu verkaufen, zu denen wichtige Teile des Panamakanals gehören.

Dabei spielt aber eigentlich die Schweizer Firma Mediterranean Shipping Company (MSC) die Hauptrolle, weil sie letztlich kauft.

Apontes verhandeln

Die 23 Milliarden Dollar für den Deal sind sogar auf der Liste von den USA aufgeführt, welche die Schweiz an US-Präsident Donald Trump als «Schweizer Investitionen» im Gegenzug für niedrigere US-Strafzölle gab.

Die Genfer Reederei MSC ist vollständig in Familienbesitz der Apontes und sehr verschwiegen.

Doch die Apontes traten öffentlich in Erscheinung, als es genau um die Abwendung der 39 Prozent an US-Importzöllen für die Schweiz ging.

Mehr Kapital statt Junior-Partner

CK Hutchison besitzt und betreibt seit mehr als zwei Jahrzehnten die Frachtterminals Balboa und Cristobal am Nord- und Südende des Panamakanals. Notwendige Lizenzen wurden 2021 um weitere 25 Jahre verlängert.

Die Chinesen stehen dem Verkauf dieses Teils an das Schweizerisch-amerikanische Konsortium kritisch gegenüber, weshalb Peking zahlreiche Gegenmassnahmen ergriff.

Ein Wunsch der Chinesen ist es, eine höhere Beteiligung für Cosco Shipping, einer staatlichen Schifffahrtsgesellschaft Chinas, zu erreichen. Die Rede war von 20 bis 25 statt 10 Prozent.

Doch dann überschlugen sich die Ereignisse.

USA müssen viel zahlen

Panama entwickelt sich zu einem wichtigen Finanzzentrum, und der Panamakanal ist strategisch für den Welthandel wichtig.

Er erspart die Umschiffung Südamerikas und für die USA wird der Warentransport zwischen der US-Ost- und US-Westküste enorm erleichtert.

Daher nutzen das Nadelöhr neben China, Japan und Südkorea hauptsächlich die Vereinigten Staaten.

Die USA müssen selbst für die Durchfahrt von Militärschiffen zahlen, was besonders US-Präsident Trump angesichts leerer Kassen stört. Hinzu kommt, dass die Amerikaner den Kanal eigentlich gebaut haben.

Andere Neutralität im Fokus

In einer Zeit tiefgreifender geopolitischer Entwicklungen setze der Bundesrat ein Zeichen für den freien Seeverkehr und das Völkerrecht, teilte nun die Schweizer Landesregierung am Mittwoch überraschend mit.

Die Schweiz habe den Beitritt zum Protokoll über die dauerhafte Neutralität und den Betrieb des Panamakanals beschlossen, hiess es aus Bundesbern. Bei der Neutralität des Panamakanals handele es sich aber um eine andere Neutralität als jene von Staaten, beteuerte der Bundesrat aber sofort.

Staaten, die das Protokoll zum Abkommen unterzeichnen, verpflichteten sich, die dauerhafte Neutralität des Panamakanals anzuerkennen und zu respektieren, erklärte der Bundesrat.

Doch für die Schweiz entstünden durch den Beitritt keine neuen Rechte oder Pflichten, frohlockte die Landesregierung.

Beruhigungspille an Peking

Warum macht die Schweiz also diesen Schritt?

Klar, die günstigere Durchfahrt hat auch Einfluss auf die Schweizer Teuerung, wie muula.ch berichtete.

Doch Beobachter interpretieren den Beitritt zum Neutralitätsprotokoll als eine Art von Beruhigungspille für das Reich der Mitte. Die Chinesen sollen erstaunt gewesen sein, dass die Schweiz nicht einmal für das Neutralitätsprotokoll sei.

Mittlerweile ist die ganze Situation nämlich völlig verfahren.

Panamakanal
Transportschiffe durchqueren gleichzeitig den Panamakanal. (Bild: muula.ch)

Auf Druck von den USA entschied der Oberste Gerichtshof Panamas Ende Januar 2026, dass die Chinesen um CK Hutchison gar keine Anrechte an den Frachtterminals hätten.

Die dänische Reederei Maersk würde die Rechte wahrnehmen, woraufhin die Chinesen im April eine Klage wegen Verletzung von Investitionsschutzrechten einreichten.

Gleichzeitig will Panama für 2,6 Milliarden Dollar eigene Frachtterminals bauen, um als lachender Dritter aus dem ganzen Streit zwischen den USA und China hervorzugehen.

Bern an Seite Russlands und Chinas

Doch falls der Deal mit Blackrock und MSC durchgeht, würden wichtige Teile des Panamakanals in Schweizer Hände geraten.

Daher schloss sich Bundesbern dem Neutralitätsabkommen an und stellt sich an die Seite von 42 Staaten, wie Russland, China und Deutschland.

Die Genfer Reederei MSC müsste das Protokoll dann auch achten.

Neue diplomatische Vertretung

Wie wichtig Panama das Thema war, zeigt aber noch eine Sache.

Seit der Streit im Jahr 2025 so richtig ausgebrochen ist, eröffnete Panama überraschend eine Botschaft in Bern.

Und die kann sich nun über einen ersten Erfolg freuen, selbst wenn die neutrale Schweiz dabei eigentlich keinen neutralen Schritt macht, sondern nur ihren eigenen Nutzen im Blick hat.

15.05.2026/kut.

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